Prince

Wie das ist, nämlich vor allen Dingen nicht glamourös und sexy, wenn ein fast 50-jähriger, dicker Mann im Fiat 500L durch die verregnete, auch nicht glamouröser und sexyer seiende Heimatstadt fährt und heult. So ist das. Dearly beloved, es ist ganz einfach so zu sein, wie man gerade geraten ist. Es ist nämlich nicht zu ändern. Und fragst Du Dich, wie Du aber sein müsstest, dann kann die Antwort ja auch nicht sein: eine einmeterachtundfünfzig kleine, schlanke Dame mit perfektem Bartwuchs und einem lila Turban auf dem Kopf. Vor allen dann nicht, wenn Du ein grobporiger, großer Mann bist, mit dem die Gravitation ohnehin schon Schindluder treibt. Versuch’s also gar nicht erst.

We’re all excited
But we don’t know why
Maybe it’s ‚cause
We’re all gonna die

Wie eine Jugend so im Rückblick war. Immer weiter wollen, die jeweilige Gegenwart immer so schnell wie möglich hinter sich lassen. Jugend heißt vor allen Dingen hoffen. Warten, hoffen und dann enttäuscht werden. Immer. Weil der Augenblick, in dem wirklich mal alles gut ist, diese Stunde, diese Minute, die kann ich dann nicht spüren, weil ich nicht weiß, dass ich jetzt spüren müsste. Es sagt einem ja auch keiner. Wahrscheinlich war es schon auch klar, dass Du eines Tages mal Geld verdienen musst und, dass Du nicht ewig mit der Bekannten im Schneeregen an der Raststätte in Seesen, auf dem Weg nach Westberlin, gerade eine neue Mitfahrgelegenheit suchend, feststellst, dass weder Du, noch die Bekannte, was ja klar war, Geld dabei haben, aber eigentlich, ja wie lange eigentlich, nach Berlin wolltest. Da weißt Du doch, dass das nicht ewig so weiter geht, aber das ist jetzt nicht wichtig. Sei still!!!

Dr. Everything’ll be alright
Will make everything go wrong
Pills and thrills and daffodils will kill
Hang tough children

Am Donnerstag, dem Donnerstag, dachte ich, wir müssen jetzt mal Prince hören. Dazu muss man aber Spotify verlassen und entweder die Schallplatten suchen, die jetzt im Büro stehen oder das unselige iTunes üsieren um sich zu amüsieren. Das Wort ‚üsieren‘ gibt es nicht. Aber jetzt. Und dann fuhr ich heim und höre Prince im Auto und dann steh ich an der Ampel, als Phil Demontreal in die Ponyhof-Whatsappgruppe schreibt: „Prince ist tot.“

Paint a perfect picture
Bring 2 life a vision in one’s mind
The beautiful ones
Always smash the picture
Always everytime

19:16 Uhr. Sag das nicht. Sag das nicht. Wieder so einer 2016. Wieder einer. Abhaken. Aber haben sie mir nicht gesagt, dass Prince niemals sterben würde. Das fällt Dir jetzt ein?!? Jetzt, wo es zu spät ist? Prince ist tot. Ich trau mich nicht. Da läuft „When Doves Cry“. Es gibt nur Zufälle. Nichts ist miteinander verbunden. Es besteht steter Zweifel. Nichts ist vorherbestimmt. Gott ist groß. Da weiß es schon Spiegel-Online. Ich fahre von der Schiersteiner auf die Autobahn. Da wo man 70 fahren darf, fährt der Fiat 110.

Wendy?
Yes Lisa
Is the water warm enough?
Yes Lisa
Shall we begin?
Yes Lisa

Ich vermisse Rainer, aber der ist schon weg. Wenn ich die Frau anrufe geht die Musik aus. Was soll ich tun? Ich rufe die Frau an. Wir streiten uns. „Prince ist tot.“ „Oh!“ Dann ist es wieder gut. Ich fahre an der Ausfahrt vorbei. Schüttelfrost. Kopfschmerzen. Bis zum nächsten Morgen.

Woke up the next morning
Nikki wasn’t there

Wenn man sich ganz arg konzentriert, passiert trotzdem nichts. Es gibt keine Veränderungen. Nur in Theorien können wir uns ergehen. Praktisch gibt es kein Vor und kein Zurück. Es gibt immer nur Jetzt. Immer nur dieses Dings vor den Augen, flimmernd, kalt, viel zu heiß, die Heizung im Auto, der Staub auf der Windschutzscheibe, die Weinberge, diese noch nicht einmal Minneapolishaftigkeit, diese immer gleichen, nicht fotografierbaren Sonnenuntergänge, die Arschlöcher, all das. Das ich nie mehr Bier trinken werde, weil es schon immer scheiße geschmeckt hat. Wie ich „es“ nie erklären konnte, wie sich „da“ nichts ändern wird, die nächsten absehbaren 100 Milliarden Jahre, wie ich auf keine Hochzeiten mehr gehen werden, weil sie alle scheitern, immer. Wie ich jemals wieder dieses Auto so herrichte, dass es aussieht wie neu. OB ICH BEHINDERT BIN?!?

How can you just leave me standing?
Alone in a world so cold?
Maybe I’m just too demanding
Maybe I’m just like my father too bold
Maybe you’re just like my mother
She’s never satisfied
Why do we scream at each other
This is what it sounds like
When doves cry

Es wäre ja nie ok. Viereinhalb Tage Prince in Dauerschleife. Es ist ja nur seit ein paar Tagen. Nichts Monströses. Nichts Gestörtes. Nur, halt so ist das dann halt jetzt. Es hat sich noch keiner beschwert. Wusste nicht, dass das so sein wird. Am letzten Mittwoch. Wusste ich das nicht.

Don’t cry
Darling don’t cry
Don’t cry
Don’t cry
Don’t don’t cry

Uh!

I’m not a woman
I’m not a man
I am something that you’ll never understand
I’ll never beat u
I’ll never lie
And if you’re evil I’ll forgive u by and by

Ich mag diesen Übergang von „When Doves Cry“ zu „I Would Die 4 U“. Das ist so ein bisschen wie dieses „Yeah!“ von Chris Montez in „Sunny“ bei Minute 1:02. Das sind so Momente. Das hat einem immer gefehlt, als man noch nichts gewusst hat. Wenn ich so da sitze, mit meinen Bildungsbürgerfreunden und aus dem Fenster gucke, wenn sie davon erzählen, wie sie mit 9 Jahren von Puccini verzaubert wurden und wie die Minister Ping, Pang und Pong beim Volk erschienen… da draußen fällt eine nasse Magnolienblüte auf eine noch nicht mal lila Taube, die flattert kurz auf. Sonst ist nichts. Sonst soll auch nichts sein. Es soll doch allen gut gehen. Wenigstens allen, denen es gut gehen kann. Wenigstens denen. Wir haben nichts dazu beigetragen hier zu sein. Wir könnten uns nur zerfleischen. Wir haben keine Berechtigung zu nichts und es trotzdem alles möglich, weil wir denken, fühlen und die Augen schließen können.

I never meant to cause you any sorrow
I never meant to cause you any pain
I only wanted one time to see you laughing
I only wanted to see you laughing in the purple rain

Manche Texte kann man fühlen, auch wenn man sie längst nicht versteht. Wo war er eigentlich all die Jahre, wenn man ihn mal brauchte? Es verregnet schon wieder das Gemüt. All das was ich jetzt heule, wird eines Tages mal Dir gehören. Es ist gut, dass Du schläfst. Es ist gut, dass Du da bist. Es ist gut, dass es nicht ewig dauert, dass Du schläfst. Dass nichts ewig dauert. Es ist gut so wie es ist. Es wird niemals besser. Weil es jetzt schon irgendwie ist.

Honey, I know, I know, I know times are changin‘
It’s time we all reach out for something new, that means you too
You say you want a leader, but you can’t seem to make up your mind
And I think you better close it and let me guide you to the purple rain

 

Empathie, Politik und Aha. Ok.

Jetzt mal wieder was Unpolitisches und so was ähnliches wie meine Meinung. Man kann’s ja oft nicht ändern. Neulich, also eben und gestern, letzte Woche, die letzten Jahre und zwar täglich schrieb ich ins Netz. Irgendwann mal kontrovers, dann hatte ich die Reaktionen satt, die blöden Kommentare (blöd, nicht weil sie nicht meiner Meinung entsprachen (ja gut, deshalb auch), sondern vielmehr, weil mich oft dünkt, dass die Verfasser und Verfasserinnen meinen Post gar nicht gelesen haben, nicht lesen wollten, nicht verstehen wollten, nicht verstanden haben, nicht in der Lage waren zu verstehen oder schlicht und ergreifend ignorant und tendenziell oder grundsätzlich „dagegen“ sind, ganz egal, um was es geht) und der mangelnden Möglichkeit, das was ich sagen wollte, so zu vermitteln, dass es auch der letzte verblödete, untote Ostgote versteht. Zudem erzähle ich ja meinen ganzen Schmonz fast ausschließlich Leuten, die ohnehin irgendwie stilistisch und politisch bei mir sind. Mal von persönlichen, albernen Aversionen abgesehen, sind ja die meisten Leute, die ich als Leser meines Blogs, das tatsächlich dies Jahr am 26. August 14 Jahre alt wird, als Twitter-Follower oder als Facebook-Freunde gewonnen (HAHAHAHAHA GEWONNEN) habe nun ja doch nicht vollkommen verblödet (naja, außer zwei… vielleicht drei, vier… sagen wir fünf) sind. Also glaube ich für mich, dass ich meine Hebel woanders ansetzen muss. Wenn es wirklich ernst wird, ist physisches Handeln wahrscheinlich effektiver, als irgendwas ins Netz zu schreiben. Jedenfalls gilt das für mich, mit meiner Reichweite und dem Grad meiner Seriösität. Ganz sicher hat das Wort an sich eine Macht und kann etwas bewegen. Nur habe ich mich im Netz auch eher als launigen Clown positioniert und die Ironie ganz oft sicher überstrapaziert. Die Ironie, die ich ganz oft gar nicht verstehe und die auch ganz oft gar nicht so ankommt, wie sie geplant war. Irgendwann war ich es leid und fand, dass es einfach für mich keinen Sinn mehr macht, meine Gedanken irgendwo reinzuschreiben damit sie, ob des bloßen Loslassens etwa, als Perlen vor die Säue generiert, nicht verstanden oder einfach gar nicht gelesen werden. Da sind (da kannst du sagen was du willst) Blogzugriffszahlen oder die Anzahl derer die etwas auf Twitter oder Facebook lesen doch irgendwie wichtig. Man kann schon unbedarft und treuherzig vor sich hin brabbeln, aber es ist halt dann auch für die Katz (HAHAHAHAAHAHA KATZ). Oft denke ich daher, ich müsste diesen ganzen SocialNetworkShit einfach sein lassen, alle Apps löschen und mich dem Generationenroman oder meinen Leinwänden widmen, die unten im Keller stehen und vor sich hin gammeln. Oder ich sollte die whatsapp-Gruppe „REHE“ ernster nehmen und die Rehe hier auf dem Gelände der Gräfin melden, damit sie vom Gärtner erschossen werden. Nein, vergiss es, es gibt keine whatsapp-Gruppe „REHE“. Du musst nicht alles glauben. Also. So lulle ich mich selbst damit ein, mich als dauerrülpsenden Rüpel zu inszenieren oder irgendwie langweilig zu brot-kleinsein, obgleich in meinem Ohr der Tinnitus kreischt und auch sonst mein Kopf mal dringend von innen mit dem Sandstrahler ausgespült werden müsste. Als ich neulich mal eine Serie von Bildern mit mehr oder weniger aus allen Zusammenhängen gerissenen Motiven mit Broten auf ello.co postete wurde mir prompt Schuld für dessen Niedergang aufgrund von unpolitischen Brotbildern angedingst (#nonmention). Nun will ich aber gar nicht politischer schreiben, als ich es tue. Wohl auch, weil ich es leid bin, weil ich dessen müde bin. Es wird viele überraschen, aber ich habe mich politisch geäußert, agitiert und mich aufgerieben, lange bevor ich mich in politischen Internetforen beschimpfen habe lassen (müssen). Ich habe Dinge mit meiner 100 Milliarden Jahre alten Adler-Reiseschreibmaschine, bei der die Tasten mit dem A und dem E klemmten, aufgeschrieben und sie mit der Post verschickt oder sie an Bäume geheftet, ich habe geschrien, gerumpelt und gepumpelt und am Ende konnte ich dann doch keine wesentlicheren Veränderungen ausmachen und da habe ich mich dann auf die kleine Zelle konzentriert und versuche nun intern zu wirken. Mit meinen Nachbarn, Freunden, Girlfriends und Ehefrau(en), Kollegen und auch Kolleginnen, Vermietern, Hofladen-Besitzerinnen, Metzgersgattinnen, Taxifahrern und von mir aus auch mit dem Typ da drüben, mit denen versuche ich in Dialog zu treten, denen gehe ich auf die Nerven, die gebe ich längst nicht auf. Aber diese zähe, schleimige Masse im Netz kann ich jetzt persönlich einfach nicht erreichen. Kaum nur. Eigentlich gar nicht. Machen wir uns nichts vor. Schon jetzt in diesem Moment frage ich mich, für wen ich das hier überhaupt aufschreibe. Wahrscheinlich für Kiki oder Andreas Stöckmann. Hallo Kiki, hallo Andreas Stöckmann. Mehr Leser werde ich eh nicht… ach nee… kokett… Aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich möchte also keine politischen Brote posten.

ellobrote

Aus diesem Grunde und aber auch aus folgendem Grund, den ich hier nun aufführen möchte und zwar nach dem Doppelpunkt: Und zwar bin ich im Dezember 2010 auf eine profane Glasscherbe gelatscht und weil ich dachte, „Das ist ja wohl eine allerprofanste Glasscherbe!“ habe ich der Glasscherbe, es war wirklich eine winzige Glassscherbe, keine Bedeutung beigemessen, bis ich ca. 4 Wochen später ein lila Bein an meinem Leibe baumeln fand und den Notarzt rief. Die gute Nachricht: 10 Wochen später humpelt ich mit zwei Beinen aus dem Krankenhaus. Die semiokaye Geschichte: In diesen Wochen schob man mich sieben Mal in den grün gekachelten Operationsraum wovon man mir einmal sogar das Bein absägen wollte, jedenfalls sagte man mir das und schob mich in den grün gekachelten Operationsraum, ich verabschiedete mich von dem Bein und schlief ein. Wiedererwacht fand ich das Bein an Ort und stelle und deutlich mit dem Resthuck (ich) zwar verbunden aber verbunden. Das Gefühlsaufkommen von dem Moment, an dem ich mich von meinem Bein verabschieden musste, bis zu dem Moment an dem „man“ sich entschied das Bein auch „erstmal“ dran zulassen, ist mehr oder weniger ambivalent. Sechs Wochen jeden Tag zwei kommunikationsgestörte Ärzte in sein Krankenzimmerchen schlurfen und lustlos am Bein herumfummeln sehen, die dann auch nur widerwillig die Frage beantworteten, ob das Bein dran bleibt oder dann doch „ab“ kommt, macht gelinde gesagt etwas mürbe. Ich will nicht jammern, ABER…

Schließlich blieb es dran. Aber weil auch alles nicht immer so einfach ist, wie es zunächst wirkt, sind diverse Komplikationen aufgetreten in deren Folge ich nun an Krücken (es sind immerhin Carbonkrücken) nur umständlich herumlaufen kann. Tanzen geht auch ganz, ganz schlecht. Zudem sind da einige Nerven derart lädiert, dass sich das Bein meistens so anfühlt, als stünde es in kochendem Wasser. Auch nicht so ideal. Ich halte das aus. Es ist ein bisschen lästig und man muss eben damit klarkommen, dass Menschen einen mitleidig anschauen. Mitleid ist ja im Grunde ganz lieb gemeint und darum auch klaglos anzunehmen (HAHAHAHAHAHAHAAHAA KLAGLOS). Das und diverse andere Abenteuer in meinem Leben haben die Perspektive verschoben. Ich sehe „es“ anders, als viele andere. Mir ist schneller wuppig, aber ich bin auch von einem blauen Himmel derart zu begeistern, dass ich dann fast heulen könnte vor Freude und Glücksempfindung. Boderline? Dazu kommt ein Umstand der mich schon seit Kindesbeinen an begleitet (DOPPELPUNKT) Mein Kopf schreit mich an. Das führt einerseits zu kreativen Prozessen, lustigem Gehampel, vielen, vielen Ideen, Visionen, Zuständen, Träumen, Aufgeregtheiten, endlosen Monologen, Selbstgesprächen, schreiend davonlaufen, es mit Kiffen und/oder Alkohol versuchen, innerer und äußerer Einsamkeit, Nervendefekten, Tinnitussys und aber manchmal ist es auch scheiße. Ich suche daher Ruhe. Ruhe, Langeweile, den Zustand des Dösens… das wären drei Wünsche an die Zukunft. Und weil das so ist, weil weder Ruhe, Langeweile und/oder der Zustand des Dauerdösens hier fröhliche Urständ feiern, kann ich manchmal nicht noch zusätzlich einen Kriegsschauplatz aufmachen. Ich kann oft schlicht und ergreifend die Relevanz-Messlatte nicht mehr überspringen. In mir schreien sich so viele Geschichten an, dass ich in mir kaum noch andere Geschichten aufnehmen kann. Mir ist zu viel Geschichte in mir. Ich kann oft keine Filme ertragen, schon gar keine Serien, nur wenige Bücher, Timelines nur partiell. Alles rattert. Nur Dokus über Teichfolien und Putzerfische gehen. Ich bin ein sogenannter Kreativer. LOL.

Das alles macht mich nicht unglücklich und ich empfinde mein Leben auch eher okay und schon auch wahnsinnig (HAHAHAHAHAHA WAHNSINNIG) spannend und ich hab mit allerlei seltsamen (ich meine das schöne seltsam) Menschen zu tun. Auch die Frau, die hier mit mir wohnt und die ich besitzergreifend und wenn mich der Hafer sticht, manchmal als MEINE Frau bezeichne, die machen das Leben schön. Ich wohne zudem da wo andere noch nicht mal Urlaub machen. Irgendwie habe ich es ein bisschen zu was gebracht (iPad im Klo, Auto mit Rückwärtsgang) und auch in meinem seltsamen Beruf (eigene Tastatur, Kreditkarte, Visitenkarte mit silbernem Pony drauf). Das hat sich aufgebaut und entwickelt und ich kenne auch die Zeiten ohne Krankenversicherung und eher zukunftsperspektivisch im Goldenen Handschuh am sein, aber ich halte diese Unkenzeiten für extrem wichtig um das wesentliche, wirkliche Glück überhaupt als solches zu erkennen. Drum hat mich auch die Geschichte von Claudius Holler nicht ganz kühl gelassen. Aber ich kann will einfach keine bemüht politisch und/oder megametasozial anmutende Dinge ins Netz schreiben, weil ich sie mir vorher umständlich überlegen und an ihnen arbeiten müsste und mit deren Wirkung, deren Umständen, an dem was sie mit mir machen und eventuell mit anderen, müsste ich leben, kann ich aber nicht. Das Bild: Ein brennender drei Meter großes Clown läuft schreiend in eine Menschenmasse und mahnt dann zu Ruhe und Besonnenheit. So wäre das dann. Ich kann das nicht. Ich bin nicht die Ruhe selbst. Ich bin die Ambivalenz, der Schrei, die Sirene, der Hund, der unablässig auf der Gummiente herum kaut, das komplizierte Arschloch, der misanthrope Klassenclown. Mir ist grad nicht danach. Es kommt bestimmt wieder. Eines Tages mach ich das. Eines Tages. Doch nicht jetzt. Ich denke auch lieber nicht darüber nach, warum ich das hier überhaupt aufschreibe. Vielleicht veröffentliche ich das auch gar nicht.

Ach Mist, zu spät.

Kann man nichts machen.

Schlenzi

Das Unerfreuliche zuerst.

Social Media. Man hätte es ahnen können, dass das nicht lange gut geht. Diese Diskrepanzen zwischen Sein und Schein, zwischen Augenschein und Avatar, das haut nicht hin. Die Inszenierungen und Lügengebäude diverser Charaktere in diesem Netz, insbesondere auf Twitter, halten dem Abgleich mit der Kohlenstoffrealität oft nicht stand. Bisweilen lädt man Leute in sein Leben ein, auf seine Geburtstagsfeste, auf Magazin-Releasepartys, in sein Zuhause, die hätte man niemals einladen dürfen. Das zerrt an den Nerven, denn digitale Menschen sind, anders als Menschen aus der Kohlenstoffsozialität, immer irgendwie gegenwertig. Man kann sie kaum richtig blocken und vergessen, sie kommen immer wieder, immer wieder. So ist das Internet.

Aber

es gibt auch andere Erfahrungen. Es gibt nämlich doch Menschen in dieser Internetwelt, derentwegen man den Begriff Freundschaft neu, anders definieren muss. Nichts ist wie früher™. Damals nämlich waren Freunde Leute, zu denen die Freundschaft gewachsen ist in langen Jahren der Vertrauensschaffung, der Prüfung, der Umzugsaktivitäten, durch Nähe, Besuche, Betrinken, Knutschen. Und dann hätte man vorsichtig jemanden Freund genannt. Und am Anfang von Social Media war es ganz und gar empörend, wenn man Leute, die einem näher kamen, „Freunde“ genannt hätte. Was ist mit dem Begriff doch alles verknüpft, was für eine Tiefe, was für ein Gedöns (lange Jahre der Vertrauensschaffung, Prüfung, Umzugsaktivitäten, Nähe, Besuche, Betrinken, Knutschen). Doch dann erfand Facebook die Freundschaft neu und plötzlich hatte man sehr viele Freunde. Oft kannte man diese noch nicht mal, aber sie griffen ins Leben ein, kommentierten Geschehnisse und gingen einem mit „Meinungen“ auf den Sack, kamen, nahmen, gaben und verließen einen wieder. Alles digital. So weit so gut. Aber dann traf man sich. Große Feuer brannten auf der Prärie der Erwartungen. Wen traf man da und kann man mit dem eine Familie gründen? Wann wurde mir zum Beispiel sehr klar, dass ich ja gar nicht das süße, kleine Lamm war, das man anfangs als Avatarbildchen auf meinem Twitteraccount fand? Nein, denn ich bin ein mürrisches Nilpferd. Allenfalls. Wir alle sind mürrische Nilpferde.

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Den einen nämlich

Tobias Schlenzalot Schramm. Tobias war so erschreckend dem @schlenzalot ähnlich, den ich auf Twitter in den Nächten der Jahre 2008/2009 entdeckte. Ein Charmeur, ein Klicke di klack, ein kritischer Geist, aber auch eben ein Schlenzalot. Einer, der seinen Namen so ungewöhnlich gut ausfüllt. Nie arg, nie beleidigend, scheinbar nie mutlos und immer einen kessen Spruch auf der Lippe. Man dachte neidlos, der kriegt sie alle. Er sah sogar so aus. Und er sah ziemlich aus. Nicht viele Menschen sehen aus, als wären sie auf diese wunderbare Weise speziell. Als wären sie Teil einer HBO-Serie, Teil einer Idee von Thomas Pynchon, Teil Deiner ganz eigenen Story, die nie passiert, weil Du Dich nichts traust, außer große Töne auf Twitter zu spucken. Tobias war wie einer, den ich ganz lange kenne, obwohl ich ihn gar nicht sooooooooooo lange kannte und auch sicher nicht so kannte, wie es sich gehört hätte. Aber er war immer wieder da. Im Leoparden-Jackett und der neongrünen Jogginghose. Immer mit einem Tässchen Mokka und abgespreiztem kleinen Finger auf einem Sessel aus der Gründerzeit sitzend, den man gar nicht besitzt, den nur seine Erscheinung projeziert. Immer einen Steptanz aufführend. In Echt mit einem Lächeln bewaffnet. Abwartend, höflich lauernd um den „Einen“ dann rauszuhauen, siezend bis ins Mark. Einer, der in den Schwarzwaldstuben einen Zapfhahn mit seinem Namen besaß. So einer. Einer wie aus Seinfeld, aber auch sehr Rainer Werner Fassbinder-esk.

Und dann diese absurd anmutende Nachricht, die gar nicht absurd ist, weil sie so unbedingt zum Leben gehört. Die Nachricht vom Ableben. Vom plötzlichen Ableben. So früh, zu früh. Obwohl er doch „alt genug“ sei, wie er behauptete. Aber wer ist schon alt genug? Seinen aktuellen Avatar habe ich ihm mal anlässlich der re:publica im Jahre 2013 gebastelt. Wir hatten da eine etwas missglückte Show, was garantiert nicht an ihm lag. Er kam ja auch nicht zu Wort.

Gar nicht so lange her – da hatte er das Bild plötzlich als Twitteravatar. Als hätte er es geahnt. Er mit einem Heiligenschein. Und verrückterweise wünschen und wähnen ihn jetzt die eifrigen Twitter-Atheisten alle in den Himmel, was zum einen an seinen enormen und zu Recht explodierenden Sympathiewerten liegt und zum anderen daran, dass die meisten Menschen nicht nachdenken. Schon gar nicht im Moment der Trauer. Und weisste was, das ist ja auch ok so. Dass ich mich nicht immer ärgern und aufregen soll, hat er mir öfter geraten. Ich hab das natürlich nicht angenommen. Sich nicht aufzuregen, hilft ja auch nicht immer weiter. Zum Glück muss man nicht oft Zeitzeuge des Ablebens eines (Twitter-)Kumpanen sein, aber beim Schlenzi sieht man, dass es den Leuten nahe geht, ungewöhnlich nahe, was vielleicht ein Trost sein könnte, für die Leute, die ihn jetzt vermissen und vielleicht, falls das doch irgendwie möglich ist, sitzt er dann da weißlich schimmernd in seinem Leoparden-Jackett, lächelnd, wie er nur er das kann und irgendwann haut er Einen raus. Ganz elegant, schmunzelnd und so, dass man ihn am liebsten drücken möchte.

Aber man kann einen Schlenzalot nicht einfach drücken. Und jetzt erstmal schon gar nicht mehr. Allerdings, wenn das eines Tages möglich wäre, und es ist in seiner ganzen Lazarushaftigkeit eine geradezu berückende Vorstellung, falls Du jemals wieder vor unserer Tür stündest, Du wärst jederzeit und immer willkommen.

*tropfend ab*

 

 

Jahresrückblick, der Adventskalender unter den Internetbestandteilen

Diesmal aber wirklich. Schon wieder is(s)t eine Leere in mir, die mir nicht erlaubt, einen klaren Gedanken zu entwicklen. Auf dem Klo, im Auto, im Meeting, im Suff, während tiefgreifender Gespräche und beim Essen fallen mir Dinge ein, die ich unbedingt niederschreiben müsste. Die es wert sind, zu Ende gedacht zu werden. Aber dann sitze ich vor dem Editor und bin ein einziger stummer Schrei nach Inhalt.

So!

2015 war irgendwie okay. Noch immer schleppe ich zwar Leid und Elend aus meinem 10-wöchigen Krankenhausaufenthalt im Jahre 2011 mit mir herum, aber man soll ja nicht so viel jammern. 2015 war okay, immerhin sind wir Fußballweltmeister geworden. Ja, wir. Und dann war es ein knorkes Geschäftsjahr. Das Finanzamt ist jetzt mit uns befreundet und schenkt uns Kugelschreiber zu unseren Geburtstagen und der der Typ bei dem wir Austern bestellen würden, wenn wir sie nicht bei Deniz koofen würden, hat uns ein Messer zu Weihnachten geschenkt. Also muss es ein gutes Jahr gewesen sein.

Wir sind umgezogen ins Quasi-Paradies. Man muss immer Abstriche machen (lol, Abstriche), aber es ist schon das Paradies. Der Umzug war ungefähr so supi, wie die anderen 26 Umzüge in meinem Leben zuvor. Ich möchte nicht mehr umziehen. Ich möchte hier bleiben. Im Park mit dem angrenzenden Wald, den Weinbergen, den Rehen, die die Rosen anknabbern, weswegen es eine Whatsapp-Gruppe gibt, in der wir die Rehe melden, damit sie erschossen werden können. Rehe und wilde Hasen und – oink – auch Wildschweine, die sehr schüchtern drüben im Wald, mehr Angst als Verstand, das Geklongel aus dem Walde bei Nacht bilden. Auch im Winter, der keiner ist. Hier möchte ich bleiben und nächstes Jahr Bilder von Dingen malen, die ich sehe. Aber in mir drin. Natürlich haben wir hier nur einen sehr gurkigen Internetanschluss. Wir haben viel menschliches Versagen erlebt im Zuge der Erlangung eines Internetanschlus, mit dem man Netflixvideokassetten kukken kann. Sehr viel Elend. Wir wissen, dass es technisch möglich ist, aber die deutsche Menschheit ist unfähig. Aber dafür haben wir einen Weihnachtsbaum. Ich habe nicht viel übrig für das Weihnachtsbrimborium, aber ab und zu ein Weihnachtsbaum, natürlich bio und aus Naturschutzgebieten mit einem toten Reh am Fuße der Nordmann Tanne. Also umgezogen, Weihnachtsbaum, Fußballweltmeister geworden, Bonsai erworben, weil, Baum am Bett. Ich habe mir eine Tasche gekauft und gelbe Stühle. Der Frau, die neben mir auf dem Bett sitzt, geht’s gut, wir sind guter Dinge. Twitter brach ein und zwar bei deiner Mutter. Ich habe Menschen auf Twitter kennengelernt, die das scheusslichste sind, was ich überhaupt kennengelernt habe in meinem Leben (Edit: Ich soll sagen, dass es sich hierbei ausdrücklich NICHT um das blutende Bärchen… äh… das blutjunge Pärchen handelt, das wir im Internet kennengelernt haben und welches uns beim Streichen des Inneren des Hauses geholfen hat) . Wahrscheinlich, weil man auf Twitter plattform- und stilübergreifend Leute an sich ranlässt, die sonst nie, nie, nie ins Blickfeld rücken täten, was sehr, sehr, sehr gut ist. Und also habe ich meinen alten Twitteraccount ins Bett gebracht, was man eigentlich nicht darf. Es heißt ja auch das Blog. Der neue besteht nur aus Irren und einer Kurdin. Das ist okay. Da kann man nicht viel falsch machen. Einfach nur nicht die Leute nach Hause einladen, dann kann das ewig so gehen.

Aber: „Man lernt nie. Aus!“ (S. Lobo)

Und jetzt verschimmeln diese On- und Offlinewelten wieder. Verschimmeln? Verschwimmen. Man darf nur niemanden zu sich nach Hause einladen oder sich in Berlin in Spelunken treffen oder zusammen arbeiten oder Alkohol trinken. Dann ist alles gut. Die Internetironie lässt sich nicht ins Offlineleben übertragen. Die Menschen sind nicht ihre Twitteregos. Ich habe Menschen kennengelernt, die sich derart überinszenieren, dass… ich habe vergessen was ich sagen wollte. Was sie so denken, wen sie ficken oder von wem sie gefickt werden, was sie arbeiten, wieviel und warum auch. Was sie alles nicht essen. Wie furchtbar abwertend sie zu Menschen sind oder sein wollen und wie cool. All das hat null Bestand in der Kohlenstoffwelt. Man darf das nicht verwechseln. Auch ich bin ein Opfer der Zwangsironisierung der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts und der Zeit mit und in dem Internet, wie wir es heute kennen. So war das. Keine Nonmention ist hier verzahnt. Es ist alles so ein Gedanke. Niemand ist gemeint. Außer Dir natürlich. Jetzt ist alles wieder gut. Ich kann Austern öffnen. Zwar mit allerlei Austernschalenbruch im Inneren des Glibbers, aber ich kann sie öffnen und bisher und hoffentlich für immer, ohne mir das Austernmesser in die Pulsadern zu rammen, was ich sehr, sehr, sehr gut finde. Jetzt haben wir eine schöne Küche mit einem Lamm an der Wand und jetzt ist mir schlecht (Wegen der Austern eben?) Oder der Bratkartoffeln oder der Papriki, Paprikanten, Paprikas. Man weiß es nicht. So war das Jahr. Wir haben jetzt eine Treppe. Also wohnen wir in einem #Haus und nicht mehr in einer #Wohnung. Natürlich in einem #kleinen #Haus. Manchmal, wenn ich mich durch die Eingangstür hinein ins Haus zwänge, dann kommt es mir so vor, als sei es kleiner als ich. Aber man hat keine Nachbarn und keine Kinder stehen unter dem Schlafzimmerfenster um Heroinbongs zu rauchen und andere Kinder abzustechen. Ein Hund, der heißt Texas und zwei Katzen (Trip Trap und Pinky), ein toter Bär und zwei Kaninchen mit dem Namen Pumm und Kaiserin Elisabeth van Poppel. Die Frau strickt einen Schal, den 246.887sten Schal in diesem Jahr. Mich beruhigt diese Gleichmäßigkeit. Die innere Unruhe sucht eine Wohnstatt woanders und ich möchte ihr behilflich sein, diese zu finden. Nun darf ich verraten, dass mich die Tastatur des iPads verrückt macht und ich wieder auf die Tastatur des Macbooks und dem damit verleimten Macbook gewechselt bin. Das wird man ja nochmal sagen dürfen. Deutschland hat sich verändert oder es ist gleich geblieben. Je nachdem. Delikte sind es mehr geworden. Mehr brennende Asylunterkünfte. Nazis sind gleich geblieben, glaube ich. Nur äußern sich die Faulen und Feigen jetzt mehr und weitreichender, weil, sie haben jetzt Facebook und Flüchtlinge. Darf man noch Flüchtling sagen? Naja, egal. An meiner Haltung zu diesen Menschen ändert das nichts. Ich kann, aus verschiedenen Gründen, niemanden bei uns wohnen lassen, aber es gibt ja noch andere Mittel und Wege Hilfe darzubieten. Würde ich jedem empfehlen. Man braucht ja nicht dauernd mit dem Flugzeug nach Düsseldorf zu fliegen. Lieber mal skypen oder die Klappe halten. Das Jahr ist fast rum und ich mag noch immer keinen Gin. Zu tief sitzt der Gedanke, dass ich mir mal habe sagen lassen, der Gin, den ich gerade trank (es war der 7. Juni 1983), sei 4711. Und endlich, nur 32 Jahre später, habe mir einen Elektroroller gekauft. So einen kleinen mit einer Batterie so schwer wie ein Sack Zement. Ein zwei Meter dicker Mann sieht ungünstig aus auf einem solchen Roller, aber so kann ich über meine Ländereien cruisen, um Bänke und Baumstümpfe aufzusuchen, um meinen geschundenen Leib und seinen darin wohnenden geschundenen Geist niederzulassen und inne zu halten. Manchmal alleine, manchmal mit meiner zauberhaften Frau, die dann klickediklacker mit den Stricknadeln klackert und mir zulächelt, als gäbe es angesichts meiner etwas zu lächeln. Was bin ich froh über die Gegenwart dieser Person. So ein Glück. Man sollte öfter darauf hinweisen. Alle sollen es wissen. Zwölf Jahre. Eijeijei und bald sind es 13. 60 sollten es schon werden. Darauf sollte man wert legen. Dieses Jahr. Es war so ein schöner Herbst. Vielleicht der schönste Herbst der Welt. Und wir haben Lampen mit Diamanten aus Glas oder Plastik, das wie Glas und wie Diamanten zugleich aussieht. Darauf möchte ich mein Glas, das wie Plastik aussieht, erheben. Und ein Buch darf ich empfehlen. „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel. Es spielt in meiner Hood und in meiner Kindheit. Der Protagonist ist in den gleichen Gässchen umhergeirrt, wie ich. Man kann also nachlesen, was ich so gemacht habe, früher, 10 Jahre später. Eine Platte hat mir gut gefallen. Aber ich kann sie nicht verlinken, weil die Band sich seltsam im Internet präsentiert. Ich habe viel vergessen und noch mehr gegessen. Das muss jetzt alles wieder raus oder rein, je nachdem. Das Gegessene muss raus. Das muss weg. Im Sommer habe ich die Bikinifigur und ein Haus, in welchem ich meine Leinwände einsauen kann. Außerdem hätte ich gerne einen Sessel, Frieden, Liebe, Gesundheit (auch allen möglichen Menschen) und Orangen, die wie Diamanten aussehen.

Von Säureminen, Schwefelfeldern und Fabriken, die heißer sind als 1000 Sonnen

In mir ist immer, dass ich ich meine, dass nicht ich auch noch Senf auf die Wurst schmieren muss, weil, da ist ja schon kein Platz mehr auf der Wurst.

ABER

Wie ich seit Jahren im Strahl an die Wand kotze. Ich lebe in einem geradezu paradiesähnlichen Dingsbumms. Land. Wir haben Trinkwasser, manchmal sogar kostenlos, läuft es aus den Quellen und Hähnen. Zum Beispiel aus dem Grunzelsbörnchen. Und nachts sind die Straßen beleuchtet. Das muss man sich mal vorstellen. Und wir können uns Getränke kaufen in Flaschen, Dosen, Beuteln, die wir für quasi einen Knopf & Klicker beim Händler erwerben können. Es kostet fast nichts, seinen Durst zu stillen und es ist jederzeit möglich. Das ist ja aber schon alleine deswegen möglich, weil wir tollen Saftsäcke hier so formidable Maschinen bauen können und einfach weitestgehend von Naturkataströphlichkeiten verschont bleiben. Und kein Vulkan platzt und keine Erde bebt und keine Heuschrecke plagt uns. Und wenn die Sonne scheint, dann ziehen wir uns alle aus und laufen hinaus und erfreuen uns daran. Wenn nächste Woche das Marzipan und der Lebkuchen in den Läden steht, dann ist regen wir uns darüber total krass auf, weil, das ist ja wirklich unerträglich. Lebkuchen im August. Es rackern auf der ganzen Welt dafür Menschen, zum Teil bis zum Hals in der Scheiße steckend, in Säureminen, auf Schwefelfeldern, in Fabriken, die heißer sind als 1000 Sonnen und giftiger als Kai Diekmann. Damit wir unseren Lebkuchen nochmal extra in Staniolpapier eingewickelt bekommen, damit wir die Kapitalistenbrause in Weißblechdosen abgepackt überhaupt für 49 Pfenning bei der Frau Kreischer erwerben können. Damit geht es uns ganz gut. Zu viel Zucker ist übrigens ungesund. Überall auf der Erde sitzen Kinderlein in bruchigen Buden, liegen in schimmligen Bettchen und verzichten auf Liebkosungen ihrer Eltern, falls sie nicht selbst bis zum Hals in der Scheiße stecken, in Säureminen, auf Schwefelfeldern, in Fabriken arbeiten müssen, die heißer sind als 1000 Sonnen und giftiger als Kai Diekmann und werden nicht geliebt und nicht gelobst, weil, das Leben ist hart. Stell Dir das doch mal vor. Dein verrosteter Wecker bimmelt um 4:15 Uhr und Du läufst die 11 Kilometer runter in die Säureminen, wo Du dann, starr vor Dreck, zwei Schichten schiebst. Jeden Tag, auch sonntags. Ja, auch wenn der Tatort läuft und am Ende des Monats reichts grad mal für die Miete und zwei lumpige Schüsseln Dampf. Dafür brennt aber Deine Haut im Gesicht und die Finger sind taub, der Rücken knackt, die Füße sind Wund und die Seele hat sich schon längst am nächsten entlaubten Baum erhängt. Aber Du kannst Dich ja nachts zwei Stunden erholen, in Deinem Bett aus Müll. Und das machst Du alles nur, damit wir hier günstig unsere Schokokackhaufen in Alufolie einwickeln oder mit fettigen Fingern auf dem Telefondisplay herumtippen können, um zum Beispiel dämlichen Hass in die ach so soziale Medienlandschaft zu erbrechen.

Nochmal zum Mitschreiben: Da schuften sich also ein paar Milliarden Typen dumm & dämlich, damit Du Dir Dein beschissenes Telefon kaufen kannst um damit dann diese Leute anzupöpeln und zu deren Ermordung aufzurufen, weil sie irgendwann keinen Bock mehr haben, dies zu den allerletzten Bedingungen zu tun. Dann nennst Du die Wirtschaftsflüchltinge und kommst dir ganz wahnsinnig schlau vor. Wenn das diese Typen in den Säureminen wüssten, dann wär aber was los. Aber sie ahnen ja nicht, wie das hier ist. Sie wissen nichts von Hundefriseuren, Butterbergen, Überfluss und 80 Zoll Fernsehgeräten und Pizzalieferanten, vor sich hin tropfende Wasserhähnen und Freital und dieser ewigen Unzufriedenheit mit allem. Und nur ein ganz kleiner Teil, der kratzt irgendwann das letzte Moos zusammen, lässt sich von irgendwelchen Motherfuckern übers Ohr hauen, nur um sich irgendwann, nach dem nur noch die Hälfte der Familie überhaupt am Ufer des Mittelmeeres angekommen ist, auf einem Schüttelschiff wiederzufinden, wo die Lenzpumpe schon längst am Arsch die Räuber und auch sonst… ist. Und das machen die alles nur, weil sie denken, sie könnten hier irgendeine Scheiße arbeiten, ganz, ganz unten, noch nicht mal bei McDonalds, hahahaha, das wäre ja wie im Paradies, nein, ganz lame, ganz schön gelackmeiert, Jobs, die wir nie machen würden, auch nicht könnten, weil wir faule Weicheier sind, diese Jobs. Die streben diese Menschen an. Und sie denken nicht etwa: „Hach, wenn ich in der Bundesrepublik Deutschland, am besten in Bayern bin, dann melde ich mich erstmal arbeitslos und dann haue ich mal so richtig auf die Kacke. Dann kauf ich mir erstmal ein iPhone 6 und einen tiefergelegten BMW und nehme denen die Frauen weg und wenn ich lustig bin, die Männer obendrein.“ Das denken die nicht. Die wollen irgendwas arbeiten und die wollen, dass ihre Kinder irgendwann zur Schule gehen und ordentliche Schuhe tragen und vielleicht eines Tages eine schöne Wohnung haben und studieren, das wär toll. Die denken nicht, „Na, da stell ich mich doch einfach an die Straßenecke und biete meine Leib feil oder verkaufe ein bisschen Crystal Meth. Davon habe ich ja schon mein ganzes Leben geträumt.“ Die kommen, weil sie hier was verloren haben. Weil denen hier irgendwie was gehört. Weil wir auf deren Buckel uns den Wohlstand angehäuft und hinten wieder auf die Müllkippe geworfen haben. Ich vermute einfach mal, dass die am lautesten krakelen und am dümmsten schwadronieren, dass Flüchtlinge eine Bedrohung des Abendlandes sind, bisher noch nichts Wesentliches geleistet, gelernt oder geschaffen haben. Und zum Beispiel auch nichts vorzuweisen haben, was irgendjemand denen wegnehmen könnte, selbst wenn man wollte. Sie sind also nicht in Gefahr, jedenfalls nicht deswegen. Sie sind auch nicht gefragt. Diesmal nicht. Statt den ganzen Tag auf Dummbatzseiten im Internet zu verbringen, könnten sie ja zur Abwechslung und Erbauung mal das hier lesen.

Wir müssen hier noch nicht mal großzügig sein um die, analog zum Gesamtdrama, eher geringe Menge an Menschen aufzunehmen, die es bis hier über die Grenze überhaupt lebend geschafft haben. Wir müssen nichts aushalten. Auf so gut wie nichts verzichten. Es wird auch weiterhin Döner an jeder Straßenecke geben. Wir müssen einfach mal die Fresse halten und unsere Arbeit verichten. Es wird schon nicht so schlimm werden. „Es wird schon nicht so schlimm werden“ klingt jetzt nicht so überzeugend, was? Aber, und ich möchte jetzt nicht allzu euphorisch wirken, aber wäre es nicht großartig, wenn es nicht ganz so schlimm würde, wie es zu werden durchaus im Stande ist? Ich denke ja. Wünsch Dir doch das und den anderen da draußen.

Die merkwürdige Merkung

Manchmal denke ich darüber nach, was wohl gewesen wäre, wenn es am 11. September 2011 Twitter oder das soziale (hihihi) Internet schon gegeben hätte. Das hätte dem Ereignis noch gefehlt. Oder beim Kennedy-Attentat oder während der „Mondlandung„. Der (seltsame) Mann, mit dem ich diese Firma habe, hat heute (oder war es gestern?) (sinngemäß) gesagt, dass es doch schon früher ein bisschen „anders“ gewesen wäre, als man noch keine schwarzgefärbten Account-Avatare oder französisch-sprachige Zugehörigkeitsfloskeln in Verwendung nahm, wenn mal was passiert ist. Ja, das war anders. Aber es war ja nur deshalb anders, weil man Informationen vermeindlich sortiert und um 20 Uhr zum Abendessen oder morgens beim Kacken serviert bekam. Ich habe dann lieber nichts dazu gesagt, was nach der Iranischen Präsidentschaftswahl am 12. Juni 2009 mit den Avataren passiert ist oder vor und während der re:publica. Das darf er um Himmelswillen niemals erfahren, sonst sind wie hier geliefert.

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Titel hier eingeben

Es ist schon Monate her, dass ich schrub. Man (also ich) verliert ja den Duktus des Bloggers, den man (also ich) eigentlich schon 2002 verloren hatte, eh man (also wirklich) überhaupt anfing. Mehrfach war ich dewegen im Beleidigtengefängnis bei trocken Stoch und einem faden Nurzensüpplein, fast täglich. Damals schrub ich über Ello und wie ich nicht mehr etwas in Twitter reinschreiben möchte. Mehr…

Ich hab geträumt, ich wäre Ochsen- schwanzsuppe essen mit meinem Webmaster E. Smith

Gut, es gibt so Lebensmittel. Ravioli zum Beispiel. Als ich mein Elternhaus in die erste Alleinwohnung verlassen habe, war da ein Mikrowellenherd in dieser Wohnung verbaut. Mein erster Mikrowellenherd. Da ich zwischen einem Buch- und Schallplattenantiquariat und dem Lebensmitteldiscounter „Plus“ wohnte und darüberhinaus um wenig Penunzen verfügte, kaufte ich, statt, wie es korrekt gewesen wäre, im Bioladen mit der unfreundlichen Inhaberin, lieber Dinge bei Plus, die ich in der Mikrowelle mit Käse überbackte. Man kann quasi alles mit Käse überbacken. Man kann auch ein rohes Ei mal in der Mikrowelle erhitzen. Mehr…

Sag Ello zu einem Fremden

Hier, es gibt ein neues Socialdings. Nämlich das hier. Ja, okay. Das gibt es auch, aber ich meine natürlich dies hier. Da bin ich jetzt. Also ich bin natürlich in erster Linie im Ponyhof-Büro und an der Seite meiner Frau. Ich bin natürlich in erster Linie an der Seite meiner Frau und im Ponyhof-Büro. hh hh h. So rum. Und ich bin auch viel im Bett. Ich bin quasi immer im Bett. Ich habe schon Magazine im Bett gefertigt, die anschließend Designpreise gewonnen haben. Mehr…

Alkmaar

„Die Frau“ zu sagen, finde ich irgendwie seltsam. So Sibylle Bergesk. Also so, wie jemand, der so sein will. Also Sibylle Berg zu sein, ist sicher nicht das Schlechteste, aber Leute, die sein wollen wie andere, die sie nie sein werden, auch nicht so vom Geschmack her und sogar noch nicht mal die die Frisur wird je so sein, die sind ja immer so ein bisschen… hh hh h. Aber „meine Frau“ zu sagen, klingt so besitzergreifend. Sie gehört ja leider nicht mir. Also, sie gehört (hoffentlich für sie) auch keinem anderen, sie gehört (hofffentlich für sie) nur sich selbst. Also sag ich halt „die Frau“, aber ich möche nicht wie jemand anderes sein, auch wenn das jetzt seltsam klingen mag für Leute, die mich kennen. Die Frau hat heute gesagt: „Komm, wir fahren mal nach Alkmaar“. Ich habe vergessen, wieso. Ich könnte sie fragen, sie sitzt ja da drüben zwischen mir und dem Meer, aber dann ist es ja auch langweilig. Also sind wir nach Alkmaar gefahren. Wenn die Frau es sagt, dann fahre ich (und die Frau auch) nach Alkmaar. Immerhin gibt es einen Rudi Carrellplaats und mit dem AZ Alkmaar einen Erstligaclub und – Sie werden ausrasten – Alkmaar ist Partnerstadt von Darmstadt!!! Interessanterweise habe ich heute die ganze Zeit die Frau mit der Frage gelöchtert, ob wohl irgendjemand in Holland Rudi Carrell kennt. Den ganzen Tag. Das war ein bisschen wie bei Lady Di. Und dann… ja, es ist richtig, Rudi Carrell kommt aus Alkmaar. Wer hätte das gedacht? Eventuell hätten Sie es von der Tatsache der Existenz eines Rudi Carrellplaats ableiten können. Aber Sie denken ja nicht mit.

Alkmaar hat auch ein Gewerbegebiet und Straßen, in denen rechter- und linkerhand würfelförmige Häuser aus Glas stehen, auf den die Logos von Kleidungs- und Lebensmittelunternehmen stehen, welche eventuell, so behauptet es der Verdacht, Menschen, mit (für uns ausgestopfte Puffottern) unvorstellbaren Minimallöhnen ausgestattet, für Ihre niederen Zwecke missbrauchen. Und mit „Menschen“ meine ich jetzt nicht Berliner Medienschaffende, das sind ja strenggenommen keine richtigen Menschen, sondern richtige Menschen. Aber so ist das ja bei uns im Kapitalismus. Es gibt also Kriege, Ungerechtigkeiten, Kochsendungen, Mokkalikör, Kohlrabi und es gibt Gewerbegebiete.

Aber Alkmaar hat Sträßlein, Grächtlein und Örtlein mit putzigen geringelten Aufbauten zur Verkehrsleitung, kleine niedliche Menschen, die kleine und große niedliche Bäumchen gepflanzt haben und sie haben Bötchen im Wassser, welches durch ihre Grachten fließt, stehen. Diese Orte sind so von Wunderbarsupidupihaftigkeit durchdrungen, dass mir ganz schwummi wird. Man kann das nicht fotografieren. Ich habs versucht. Man kann es nur anschauen und in sein Herz einschließen oder man sollte versuchen, so man in irgendeinerweise auch nur einen Hauch von Stil und Großherzigtum in sich wohnen hat, dort hinzuziehen und diese Wunderbarsupidupihaftigkeit gemeinsam mit den Ureinwohnern zu bewahren, zu bewohnen und ggfl. zu bewässern. Ich habe schon viel gesehen in meinem Leben, naja, jetzt auch nicht soooo viel, aber in Europa schon ziemlich viel, fast alles, nein, nicht alles, aber schon eine ganze Menge, mehr als Du zum Beispiel. Aber diese Altstadt in Alkmaar, dieser Anblick heute, dieser Frieden, diese Ruhe… wenn das also ein dort wohnendes Volk vermag zu erschaffen, dass es so ist, dann muss dieses Volk unbedingt auch mal Fußballweltmeister werden. Ich fände also, dass Holland durchaus in Katar Weltmeister werden sollte. Die Verbindung von Louis van Gaal zu dieser Stadt (also Alkmaar) erwikipedien Sie sich einfach mal selbst. Ich saß also in Alkmaar auf dieser Bank. Da auf der anderen Seite, schräg gegenüber, sprangen Kinder in die Gracht. Sie taten das erfüllt mit Freude und ohne sich gegenseitig zu schubsen, zu treten oder alberne Parolen auf Häuserwände zu sprühen. Es war wie in Bullerbü. Und keine Erwachsenen machten Ihnen einen Strich durch die Rechnung. Keine miese Nachricht aus der Welt des Zähneknirschens, der Zänkereien und des Verderbens trübte ihre Sinne. Es war Kindheit. So wie sich Leute in ihren Wahnvorstellungen ihre eigenen Sommerferien früher vorstellen. Nur halt in echt. Vielleicht ist dieser Ort das Paradies. Backsteinhäuschen mit putzigen Vorgärtchen und wilden Hintergärtchen, mit Grundstückchen am Wasser, mit Stegen mit Booten, die schwappend und schmatzend hin und her wippten. Die Luft, die Farbe der Luft wie Vanilleeis mit heißen Himbeeren, trug nur Laute von Tüdelü und Hach mit sich. Mir schwanden die Sinne. Wenn es die Holländer bitte möglich machen, dass das bis in alle Ewigkeit dort stattfindet, wie in irgendeiner nicht geschriebenen Geschichte von Astrid Lindgren oder Erich Kästner. Dass der selten gewordene Frieden da bitte erhalten bleibt und alle Birken, Japankiefern, Weiden und Pappeln genauso da stehen blieben, bis ich und die Frau uns eines der dort zum Kauf angebotenen Häuschen leisten können und dort dann ein Teil der Puzighaftigkeit werden (und hoffentlich nicht kaputt machen). Ach wär das schön. Wir richten auch Gästezimmerchen ein und Sie dürfen uns alle dort besuchen. Aber einer nach dem anderen.

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