Being a peacock – Tag 20

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Die Dadraußenhaftigkeit ist formidabel. Bei noch geschlossenen Fenstern.

Es ist ja so: Wir sind gut prepariert, weil sich in unserem Leben nicht viel geändert hat und unsere Berufe zum Glück (big shoutout ans Glück!) auch online und via Videokonferenz machbar sind. Ansonsten gehen wir nicht mehr gerne in die Kneipe und schon gar nicht in Clubs. Und, abgesehen vielleicht vom Heaven am Sedanplatz (big shoutout an Linda Zimmermann), wo soll man auch hingehen? Es macht einfach keinen Spaß mehr. Besonders, wenn man schon mal in der Großstadt mit einem richtigen Nachtleben gelebt hat, geht das in Wiesbaden nicht mehr, und die Jugend habe ich ja beizeiten schon verschwendet. Ich trinke keinen Alkohol mehr und so macht das auch keinen Sinn für mich. Da würde ich ja alle Menschen gleichzeitg (ironisches shoutout an die sensory-processing sensitivity) wahrnehmen und auch die Arschlöcher. O Gott, o Gott, das geht nicht. Und ich hab auch keine Lust mehr. Die Frau ja eh nicht. Also merken wir fast nix, Zoom finde ich voll klasse und morgen werde ich mal im Pfauenhaus arbeiten. Mal sehen ob das geht. Naja. Wenns uns eines Tages erwischt, wird man sehen. Vielleicht machen wir dann Schnaps oder irgendwas mit Online-Shops. Keine Ahnung. Die Der Bernd Ringsdorf-Fernuniversität und ich, wir sind schon ein gutes Trio. Vielleicht machen wir dann auch Feierabend und gehen in Rente. Ach naja. Wir schaffen das schon. Wir sind ja nicht auf den Kopf ge … fal … len … hh hh h

Die Nacht im Pfauenhäuschen war wundervoll. Nur, dass die Frau nicht neben mir war. Es war eiskalt, so um die 0°C und ich dachte so bei mir, zum Glück biste nicht in Tschakiski Glomm und stehst bis zur Hüfte in Säure unten in den Säureminen am laburischen Quarz. Sondern liegst hier eingepackt in 3 Decken und draußen laufen Tiere an der Hütte vorbei und falls auch eine Äskulapnatter dabeiwar, so habe ich Sie nicht gehört. UND DAS IST AUCH GUT SO! die meiste Zeit habe ich ja auch geschlafen. Das muss man ja auch mal sagen. Ich bin ja nicht so ein großer Fan vom Schlafen. Eher vom Dösen. Dösen ist wundervoll. Wenn ich mal groß bin, will ich nur noch dösen. Aber in verschienden Ländern Europas (plus Marokko), an verschiedenen Küsten, an Flüssen, Bergen, Seen, Wiesen, Weiden, Wäldern. Im Wohnmobil, in der Hängematte, im Klappstuhl, im Bett, im Pfauenhaus. Das wäre toll. Wenn das irgendwann klappen würde. Big shoutout ans Irgendwann-klappen. Aber bis dahin werde ich fleißig arbeiten, ein guter Man sein, freundlich zu den Menschen, und auch mal ein paar Flocken da investieren, wo man das kann und wo es Sinn macht. Und deshalb rufe ich dazu auf, investieren Sie Flocken, da wo es nötig ist und wo Sie helfen könne. Drücken Sie den Leuten auch mal ein Trinkgeld in die Hand, die Ihnen die Post und die Pakete bringen, der Kassierer*in, der Putz*frau, den Leuten in der Arztpraxis. Fragen Sie, wie man helfen, spenden und da sein kann. Immer weiter den Beruf ausüben, wie früher, so lange und so weit das geht. Fragt doch mal den Friseur, ob er Euch einen Langharrschneider verkauft (statt bei Amazon) und überweist immer dann einen Obolus, wenn Ihr grade zum Friseur gehen müsstest. Werbt, druckt, singt, nutzt Dienstleistungen. Es muss ja immer weitergehen. Nicht, dass wir in 1 Jahr da stehen und es gibt keine Geschäfte und Unternehmen mehr. Da würden wir aber schön dumm aus der Wäsche kukken. Ich kann nur warnen.

Es ist so, wie ich es sage!

05.04.2020 / 13:22

Pfauentag – 19

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Tag 19 von was?! Vom Leben? Die komplett überteuerte iPad-Tastatur ist noch nicht mal beleuchtet! – Das prangere ich an. Sie sehen, das sind RICHTIGE Probleme. Nun aber bin ich mal für heute Abend ins Pfauenhäuschen gezogen. Die Frau sitzt ca. 250 Meter Richtung Rhein in unserem Häuschen und wir facetimen und, nun ja, es ist ja nicht weit. Aber ich musste mal die Pfauenhäuschensaison eröffnen, denn man muss dem Frühling zuvor kommen.

Und nun versuche ich das hier auf dem iPad zu tippen, mittels der zweifelhaften WordPress-App. Das Blogbild erarbeite ich in Affinity Photo und da musste ich also zuvor die Schrift „Ultra“ auf dem iPad installieren, was ja überhaupt der totale Burner ist, dass das geht. Dass ich jede Schrift hier auf dem iPad installieren kann. Kann man sich dass vorstellen??!?! Das ist sagenhaft. Als ich festellte, dass das geht, da habe ich gedacht, das ist nach dem Rad, der Mondrakete, Waldmeisterbrause, dem Internet und dem elektrischen Parmsanhobel die größte Errungenschaft der Menschheit. Und nun sitze ich hier, und neben mir geht die Sonne unter und irgendwie muss ich mich schon sehr konzentrieren, um irgendwie die Dimensionen dieser Situation, in der wir gerade sind, zu begreifen. Dabei ist das Internet und das Fernsehprogramm voll damit. Die Dystopien vom Spiegel, der ja schon seit Jahr und Tag den Untergang der Wirtschaft prognostiziert, kann ich nicht mehr lesen. Was für Schlüsse soll ich daraus ziehen? Schreien? Preppern? Mich selbstentleiben? Keine Ahnung. Das sehen wir dann, wenn es soweit ist. Aber jetzt sitze ich hier und wir machen alles, was die Regierung vorschlägt. Ich halte das auch für logisch und ich glaube, wir machen das hier ganz gut.

Hier laufen in der Nacht schonmal Rehe, Waschbären, Hasen, Füchse, Äskulapnattern und Wildschweine vorbei. Bären nicht und Wölfe habe ich auch noch keine gesehen. Mäuse schon. Naja Mäuse. Als ich mal in meinem Häuschen in Nieder-Olm, wo ich mal aus unerfindlichen Gründen von 1999-2000 wohnte, eineMaus entdeckte, wie sie an der Wand entlang huschte und hinter dem Bett verschwand, bin ich tasächlich, komplett gänsehautisiert, auf einen Stuhl gesprungen und habe gekrischen wie Daisy Duck. Nächsten Tag habe ich mir eine Falle gekauft. Aber nicht eine, wo die Maus zerquetscht wird. Ich legte also ein Stück Käse, so hätte es Daisy Duck auch gemacht, in die Falle und wartete ab.

Irgendwann fiel ich in einen nervösen Schlaf und träumte davon, wie ich mit dem Kanu den Yukon runterpaddelte und vom Ufer aus einen Bär sah, der, als er mich entdeckte, einem anderen Bär seinen Hut und den Lachs gab, den er gerade verspeiste und ins Wasser sprang und in meine Richtung schwamm. Ach Du grüne Neune, dachte ich und paddelte mir einen ab und dem Bär zu entkommen. Aber der Bär holte mich ein und kletterte in mein Kanu. „Fahr einfach weiter und dreh Dich nicht um,“ sagte der Bär und ich tat wie mir geheißen, denn ich fürchtete mich vor dem Bären. „Weg, ich will nur weg hier. Das ist alles ganz schön hier und die Leute sind ja auch irgendwie ok, aber hier leben, nein Danke. So, Freundchen und nun fahren wir nach Russian Mission und dort gehe ich von Bord. Dort wohnt ein Cousin von mir, er wird mir Unterschlupf gewähren. Leider hat er kein Telefon, sonst hätte ich mich angekündigt.“ „Aber ich wollte doch nur nach Nulato.“ merkte ich an und „Haben Bären überhaupt Telefone? Das wage ich doch zu bezweifeln. Bären sind doch … äh … Bären.“ „Höre ich da den überheblichen Unterton der Menschheit gegenüber den Tieren, die Euch doch so vorzüglich schmecken. Na, an!“ „Ich esse keine Tiere mehr!“ hörte ich mich sagen, als der Bär ein tropfendes mobiles Endgerät aus seinem Fell zog. „Es ist kaputt. Dabei ist es doch fast neu.“ heulte der Bär. Wir sind hier in Whitehorse, bis nach Russian Mission sind es 1500 Kilometer über den Daumen gepeilt. Wie soll ich das dem Bären denn erklären. Ich betrachtete den Bären, er vergrub sein Bärengesicht in seinen Tatzen. Jetzt tat er mir leid. „Ach, Bär, weine doch nicht. White Russian ist bestimmt super. Da fahren wir hin.“ „White Russian ist ein Cocktail. Wir wollen nach aber nach Russian Mission. Ich bin doch ein Bär. Russland, Bär, verstehste?“ „Aber Russian Mission liegt doch in Alaska, nicht in Russland.“ Der Bär schaute mich verblüfft an. Eventuell hat er schon lange keine Zeitung mehr gelesen und weiß nicht, dass Russland Alaska 1867 an die USA verkauft hatte. „Ich weiß, ich weiß, aber man wird doch noch träumen dürfen.“

Als ich erwachte, war die Falle leer und genau in diesem Moment fiel mir das Sprichwort „Mit Speck fängt man Mäuse“ ein. In der kommenden Nacht machte es „Klack“. Ich stand auf und zog die Falle mit dem Besen hervor, dann hob ich die Maus samt Falle in eine Tüte und betrachtete das Tier. Ich hatte schon deutlich mehr Angst vor der Maus, als sie vor mir. Das war klar. So hat es die Evolution vorgesehen. Man soll eine Maus mindestens 150 Kilometer vom Ort, wo man sie gefangen hat, aussetzen, damit sie nicht zurückfindet. Ich schlief wieder ein. Am nächsten Morgen fuhr ich mit Fahrrad nach Würzburg und ließ dort die Maus frei. Danach kaufte ich mir einen Döner und trank dazu eine schöne Dose Coca Cola. Als ich die Cola ausgetrunken hatte, rülpste ich die Titelmelodie von „Dalli Dalli“ und fuhr heim.

Das war 1999. Heute, 21 Jahre später sitze ich im Pfauenhäuschen, tippe das hier und schaue mir das seltsame Leben von Joe Exotic an. Mit Katzen fühle ich mich emotional nicht verbunden. Was nicht ist, kann ja noch werden. Ich bin müde. Und es ist kalt.

05.03.2020 / 21:55 Uhr

Tocotronic – Tag 18+

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Jetzt mal was ganz anderes.

Ich liebe Tocotronic, seit dem ich 1995 in der Spex, glaube von Kerstin Grether, eine Plattenbesprechung über die „Digital ist besser“ von Tocotronic gelesen habe. Die Besprechung war so euphorisch (und meta), dass es mir total wurscht war, was das für eine Musik ist, ich musste mir diese Platte sofort kaufen. Ich war der festen Überzeugung, dass es sich hierbei um elektronische Musik handelt. Aber dann kam alles anders.

Nun bin ich entschiedener Fan der frühen Alben „Digital ist besser“, „Nach der verlorenen Zeit“, „Wir kommen um, uns zu bescheren“, „Es ist egal, aber“. Das merkt auch gleich, an der folgenden Playlist. Doch hören Sie selbst. Lassen Sie sich drauf. Reißen Sie die Lautstärkeregler hoch und singen Sie lauthals mit!

Mit dem bestem Gruß an Steffi Fiebrig.

Kernel panic – Tag 18

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Wissen Sie was eine Kernel Panic ist? Ich habe manchmal den Wunsch ganz weit weg zu laufen. Aber ich kann nicht und eigentlich will ich ja auch nicht. Und jetzt erzähle ich Ihnen mal von ein paar meiner 1st-world-problems. Es sind gar nicht viele.

ABER

  • Photoshop CC 2020 stürzt alle 3 Minuten ab
  • InDesign CC 2020 stürzt dauernd ab
  • InDesign CC 2020 stürzt aber besonders dann ab, wenn man auf „Textrahmen anpassen“ klickt. Ich kotze.
  • Shortcuts alle gelöscht
  • USB-C-Kabel abgeknickt
  • Die Wii ist kaputt
  • Und das Hobby-Wald-und-Wiesen-Macbook hat Kernel panic

Ich tippe ja gerade an diesem Macbook. Wird schon klappen. Aber es ist ja so, dass meine Endgeräte Teil meines Lebens sind. Nicht, weil ich unbedingt von morgens bis abends Tik Tok „machen“ muss, sondern weil ich damit arbeite und mich komplett organisiere. Zum Beispiel das Licht an und aus schalten. UND WENN DAS NICHT GEHT, WAS SOLL DENN DANN NUR WERDEN?!?!?!?!?! Ich habe sämtliche Verbindungen zu Menschen abgebrochen, die mich im Jahre 2015 immer noch gefragt haben, warum ich ein Telefon mit Internetzugang brauche.

Ich. kann. es. nicht. mehr. hören.

Jeder kann es machen wie er will, aber ich will mit denen, die immer noch hoffen, die Achtzigerjahre kommen wieder zurück … Leute … diese Zeit ist vorbei. Gestern ist vorbei. Eben ist vorbei. Jetzt ist das hier und das ist ok. Meine Meinung. Naja. Früher ist man erfroren oder man hat sich im Wald verlaufen und ist daran verstorben, heute ist Kernel panic. Was ist besser?

Ja, und Corona ist ja auch noch. Und was noch so? Wir verspüren immer noch keinen Lagerkoller. Wir befinden uns ja auch nicht in einem Lager. So weit kommt’s noch. Die Firma Office-Discount möchte mir Partout kein Klopapier schicken, während fast alle meine Kollegen ihre Bestellung geliefert bekamen. Ich hasse die Firma Office-Discount so, wie ich sie zuvor geliebt habe. Aber, hier, scheiß drauf. Mir fällt jetzt immer noch nicht ein, was mir jetzt persönlich an diesem zuhause sein nicht gefallen könnte. Manchmal fänd ich es gut, mit den Kollegen da zu sitzen und irgendwas zu besprechen. Dass man sich mal sieht. Aber man sieht sich ja auch so. In the Internet. Und nix gegen die Kollegen, ich liebe sie sehr, aber den einzigen Menschen, den ich anfassen möchte, ist die Ehefrau. Und natürlich meine Endgeräte. Was soll denn die ganze Anfasserei auch? Das hat uns doch in den Abgrund geführt. Die Menschheit ist doch für die ganze Anfasserei gar nicht mehr präpariert. Und, bumms, haben wir Corona. Ich finde Zoom (Webex, Skype, Facetime, Google Hangout, etc.) wundervoll. Und wenn man nicht so viel arbeiten müsste (eigentlich seit dem Home Office so viel am Stück wie nie zuvor). Oder höchstens in den Neunzigern, als man noch bis in die Puppen in der Agentur saß, weil man das chic fand und man noch nichts von Zeitmanagement wusste. Man hatte ja nichts. So! Und spätestens jetzt, da wir diese Situation™ haben, da müssen wir dringend umdenken. Die Menschheit sollte sich nicht mehr anfassen. In Zukunft, wenn einem mal was runterfällt, dann muss man lernen es alleine aufzuheben. Im Bierzelt (für mich die Hölle pur) müssen die Leute auch „nach Corona“ (LOL) jeweils 1,50 Meter auseinander sitzen. Auch in der Achterbahn. Im Aufzug. im Wartezimmer beim Arzt. Beim Tandemfallschirmspringen. Im Puff. Im Bus. Et cetera. Es müssen viel größere Busse gebaut werden. Busse so große wie C-Beams. Andererseits müssen ja auch in Zukunft viel weniger Leute Bus fahren, wenn man das so macht, wie ich es will. Flugzeuge werden ganz abgeschafft. Wer nach Amerika will, fährt mit dem Schiff oder macht Zoom, WebEx, Skype, Facetime, Google Hangout. Manchmal fuhren wir 500 und 1.000 Kilometer durch die Lande, um an einem 2-stündigen Meeting teilzunehmen. Das MUSS aufhören. Wir müssen lernen, dass Kennenlernen nicht bedeutet, seine Kohlenstoffstruktur im Rahmen von abgrundtiefen Emissionsausstößen durch den Raum und die Zeit zu bewegen. Freunde sind gefälligst nur noch im Umkreis von 3 Kilometern zu akquirieren. Wer ein Tier essen will, geht zum Jäger. Wer Drogen essen will, wird künftig auf Birkenrinde, Tollkirschen, Stechäpfel und Fliegenpilze zurückgreifen müssen. Tja.

Ach was weiß ich denn.

Das ist doch auch keine Lösung.

Machen Sie doch was Sie wollen.

Sie machen doch eh, was Sie wollen.

Ich hasse Sie!

Außer Sie hören endlich auf mich.

03.04.2020 / 23:13 Uhr

Und am – Tag 17

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Mir ist grad was eingefallen. Das fällt mir eigentlich jede Nacht ein, aber dann, am Morgen, habe ich es wieder vergessen. Wie so ein alter Hund. Oder ein altes Nilpferd. Alte Nacktmulle sind sicher auch nicht besser. Tiere sind scheiße. Darum esse ich sie ja auch nicht mehr. Die können mich schön am Arsch lecken. Klar, die stehen jetzt in ihren Käfigen und kukken blöd aus der Wäsche. Aber was haben Tiere uns gebracht? Mal von Ostereiern abgesehen und natürlich Känguruhoden im Dschungelcamp. Das war’s aber auch schon. Aber kennt man Tiere, die auf dem Gipfel der Evolution stehen, wie Speakerinnen oder Life Coaches? Fehlanzeige. Oder dass Tiere mal mitdenken. Wüsste ich jetzt auch nicht. Stattdessen schauen sie uns ruhig zu, wie wir Hitler an die Macht wählen und dann reiten die uns schön nach Stalingrad und wollen hinterher noch roh verspeist werden. Roh! Die feinen Damen und Herren Pferd. Kein Wunder, dass man sie in Vogelkäfige sperrt und Frühstücksfleisch aus ihnen macht. Ich bin stinksauer.

Aber das ist es gar nicht, was mir eingefallen ist. Mir ist nämlich eingefallen, dass wir es ja folgendermaßen machen könnten, wenn wir, die glorreiche Menschheit, das Virus erstmal zur Strecke gebracht haben. Dann könnten ja zur Abwechslung all die, die Gutes getan haben, all die Freundlichen, Hilfsbereiten, Fleißigen, die Virologen, die Supermarktregaleinräumer, Krankenhausmitarbeiter und alle die, die in der Krise was Gutes in sich entdeckt haben, die die Krise gut gemeistert haben oder die sich hinterher wieder berappelt haben, die was aus der Scheiße gemacht haben, dass alle die sich mal laut im fucking Internet und den scheiß „sozialen“ Medien breit machen und auch weiterhin und danach und für immer, oder jedenfalls für die nächsten 1.250 Jahre, den Ton angeben. Oder lauthals Ihre Meinung rausposaunen auf Twitter, statt das Schwachköpfen, die sich @realDonaldTrump oder @Arschhaarzopf nennen, zu überlassen. Ich kenn mich mit fucking Twitter ja nicht mehr aus. Ich bin ausgestiegen aus der Szene. Trotzdem find ich die Grundidee von sowas wie Twitter oder halt auch von Facebook eigentlich™ ok. Wenn man menschlich ist, wenn man bei sich bleibt. Aber das ist vor allem deswegen nicht möglich, weil das Narrativ vorgibt, wie es ist und wie man sich fühlt und nicht die Tatsächlichkeit. Wer kennt schon die Realität. Man kann es ja nur annehmen, was sich in dieser Realität zuträgt. Wahrscheinlich, und ich kann es selbst fast nicht mehr glauben, sind die meisten Menschen voll total ocheeso und wollen nur Peace und mit den anderen einen Trinken gehen. Oder Beischlaf ausüben, aber in gegenseitigem Einverständnis. Oder einfach nur unter einem Apfelbaum dösen. Oder tolle Klamotten herstellen, ohne eine Spur von Blut hinter sich herzuziehen. Oder faire, gute Werbung machen, für die man sich nicht schämen muss. Oder so. Ich denke, das, was die meisten Leute bei der Sache mit den vielen Geflüchteten 2015 gemacht haben, war richtig anständig und die Leute haben sich den Arsch aufgerissen, sind zusammengerückt und haben sich und die Situation entsprechend organisiert. Gleichwohl natürlich auch Arschlöcher über das Mittelmeer gepaddelt sind. Kann ja sein. Mein geliebter Freund Maximilian, der beruflich mit geflüchteten Jugendlichen zu tun hat, die keine Eltern mehr hatten oder denen man jedenfalls keine nachweisen konnte, der sagte immer, es seien so 5% Arschlöcher dabei und dass die allermeisten einfach nur froh waren, dass sie aus ihrer Scheiße daheim in ein Land kamen, wo in den meisten Fällen keine Granate neben einem einschlägt oder das Kinderzimmer der Geschwister verwüstet, während man selbst in den Säureminen knechten muss. Und auch jetzt sind die Leute kreativ, basteln sich ihre Mundschütze und bleiben schön daheim. Flatten die Curve, dass es nur so kracht. Wir müssen natürlich viele Dinge in den Griff kriegen und wir stehen da vor einem Berg, dessen Gipfel wir nicht sehen. Wenn wir Dinosaurier wären, würden wir jetzt einfach aussterben. Oder wir würden einen auf gefährdete Tierart machen und uns in den Zoo sperren lassen. Machen wir aber nicht, wir sind fucking Menschen und wir können es schaffen. Ja, gut, eventuell nur noch ca. 100 Jahre, aber bis dahin will ich, dass Sie Bäume ausreißen. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Die Bäume bleiben stehen! Wir werden tröten und verkünden und laut schreien, dass wir Gutes getan haben und dass wir uns von diesen Schwachköpfen nicht dauernd die Deutungshoheitsbutter vom Brotnarrativ dieses Gegenwartfrühstücks nehmen lassen, an dessen Tafel wir hier sitzen. Es ist genug für alle da.

Aber das müssen Sie halt auch erstmal lesen, damit Sie dann danach darüber nachdenken, was ich wohl gemeint habe und dann nehmen Sie Ihre Stimme und gehen zu ihrem Nachbarn und fragen ihn, ob er was braucht. Oder wie’s ihm geht und sagen Sie ihm, wer Sie sind, und dass Sie die frühen Sachen von John Coltrane und Thelonius Monk mögen und ob er den Verkauf von Blue Note Records an EMI auch nicht so knorke fand. So kommen Sie ins Gespräch. Jazz mag ja schließlich jeder. Jeder liebt zum Bleistift die „Bitches Brew“ von Miles Dsvis. Alle Nachbarn feiern Sie dafür, wenn Sie die mal so richtig laut machen und die Lautsprecher zum Beispiel ans Fenster stellen. Und am Ende der Corona-Situation werden Sie mit Ihren Nachbarn im Hof, auf der Straße oder im Garten sitzen, die Nachmittagssonne güldet vor sich hin und Sie hören die „Ascenseur pour l’échafaud“ rauf und runter. Dazu gibts kalten, grünen Tee oder Sie rauchen einen Joint oder trinken ein Bier von den Typen von um die Ecke, die in der Corona-Situation von Druckerei auf Brauerei umgestiegen sind. Die Hallen waren ja da und der Lieferwagen steht vor der Tür und gesoffen wird immer. Ich sag’s wie’s ist. Auch wenn Sie das jetzt noch nicht sehen, es gibt Chancen und Möglichkeiten und Wege. Immer und immer wieder. Ja, Manno. Das klingt bisweilen wie ein Hohn, aber was willste denn machen? Es ist immer schwierig und schön zu gleichen Teilen, das Leben.

Gehen Sie nun raus und überprüfen Sie den Luftdruck von Ihrem Lowrider Bike und fahren mal durch die Hood. Alleine, mit 2 Meter Abstand zu den Nächsten und dann legen Sie sich ins Bett und morgen ist irgendwie auch wieder so ein verrückter Tag in dieser bizarren Welt und dann denken Sie sich, immerhin leben Sie nicht in Nord-Kivu oder in Nord-Korea oder in Ischgl. Schauen Sie nur, es läuft trinkbares Wasser aus Ihren Wasserhühnern. Wahrlich, ich sage Ihnen, die da oben haben mir im Laufe meines Lebens schon so gut wie alles abgestellt, aber Trinkwasser gab es immer.

Halleluja!

02.04.20 / 22:37 Uhr

Der stumme Diener – Tag 16

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Kennen Sie „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros? Das ist ein sehr schönes Lied und es stimmt ja auch. Und soeben sangen es der Herr Mark Forster und der andere Typ, der immer auch so traurig daher singt. Ach ich hab’s, Max Gießkanne! Außerdem frage ich mich, warum ich Sie hier immer sieze. Das ist ja auch total albern, aber duzen ist so persönlich. Wir kennen uns ja nicht. Wer weiß, was Sie für ne Flitzpiepe sind. Man kann sich das ja nicht aussuchen. Auch nicht, ob man immer den Humor trifft. Ich finde es immer noch TOTAL lustig, wenn man Leute, die Nicole oder Victoria oder Nikolaus oder Wicki heißen, Ficki nennt. Da könnt ich mich wegwerfen. Ich frage mich natürlich, ob Βασιλική Παπαθανασίου wirklich Ficki genannt werden will. Oder ob sie es wenigstens ein bisschen lustig findet. Ficki … Muahaha. Das ist doch lus … tig … Nein? Naja, vergessen Sie’s.

Fangen wir nochmal von vorne an. Ich bin müde. Aber jetzt nicht dramatisch vom Leben, sondern nur vom Tag und von dem vielen Nachdenken (beruflich) und mit der Maus Zickzacklinien beschreiben und tippe di tapp auf der Tastatur mit jeder Menge Tippflehre. Ich habe mir überlegt. dass ich jetzt zu jedem „Digger“ sage. Das sagt man ja „jetzt“ so. Aber ich würde es wie „Dicker“ aussprechen und alle wären verunsichert, weil, wie ich ja oft vernehme, finden sich alle Menschen zu dick. Ich muss dann immer lachen. „Köstlich!“, sage ich dann und haue mir so fest auf die Schenkel (Mmmmh Schenkel), bis mir rechts und links die Tränen in den Bart fließen, so dass er ganz nass ist und nach kurzer Zeit schon anfängt zu müffeln. Heute war eine Frau hier im Raume, die sieht aus wie ein tapezierter Kleiderständer, also positiv gemeint jetzt. So Haut-und-Knochen-mäßig. Und sie sagte mir, sie sei viel zu fett geworden. Sie sagte „fett“. Nicht dick oder ein bisschen zu dick, nee, fett. Und dann zog ich den Bauch ein, saugte meine Wangen in den (meinigen) Mundinnenraum und antwortete: „Ach, echt?!“ Das Zwiegespräch war an dieser Stelle beendet und der tapezierte Kleiderständer legte mir noch umfassend dar, wie wirklich saudoof alle Menschen wären, nur halt außer 1 Mensch und der wäre sie selber. Ich sagte verblüfft: „Ach, echt?!“ und nahm das Zwiegespräch gezwungenermaßen wieder auf, denn ich wollte ja „Ach, echt?!“ sagen. „Ja!“, sagte der Kleiderständer und vertiefte einen Monolog, der mir meine inneren Schleudern im Kopf (3 Stück) schier zerbersten ließ, worauf ich angestrengt auf die Stelle schaute, an welcher normalerweise eine Armbanduhr prangt. Doch da war keine Uhr und so glaube ich, dass die Frau die Transferleistung nicht hingekriegt hat, dass ich keine Zeit mehr hätte und sie redete sich immer mehr in Rage. Ich fragte mich indes, ob sie auch mich meinte, wenn sie davon sprach, dass ALLE MENSCHEN dumm seien. Aber sie muss mich ja meinen, denn sie sprach ja von ALLEN MENSCHEN. Aber das darf ja eigentlich nicht sein. Sie wird doch nicht mich meinen, dachte ich. Ich fing an angestrengt in das Computergerät zu starren und mit der Maus Zickzacklinien zu beschreiben. Mir fiel ein, dass sie mich ja nicht meinen konnte, da ich ja nachweislich sehr, sehr schlau bin, was man an meiner reinen Sprache und den nahezu perfekten Satzbauten, die ich stets abzuliefern im Stande bin, sehr gut ablesen kann. Irgendwann bin ich bewusstlos geworden. Als ich wieder aufwachte, befand ich mich in einem Zoom-Meeting.

Was mir ja fehlt, ist, dass der Wind meine Hosenbeine durchlüftet, wenn ich im Auto mit offenen Fenster durch die Stadt fahre. Das fällt ja jetzt weg, denn ich fahre ja nur noch 2x in der Woche mit dem Auto und dann fast immer nach Oestrich-Winkel oder zum Arzt. Das Auto ist schon ganz traurig. Es wirft mir oft herzzerreißende Blicke zu, wenn ich am Fenster vorbeigehe und es mich von draußen sieht, wie ich gerade am Fenster vorbeigehe. Ich tue dann so, als ob ich es nicht sehen würde, halte mir die Hand vor die Augen und blicke verstohlen zwischen den Fingern hindurch auf das vorwurfsvoll, traurig dreinblickende Auto. Dass Autos auch immer so viel von einem wollen, statt sich einfach als Diener der Menschheit zu begreifen. Jetzt ist Otto Waalkes im Fernsehen. Otto Waalkes ist ein wahrer Diener der Menschheit. Vielleichte sollte die UNO den Titel „Diener der Menschheit“ verleihen. Also, ich wäre gerne mal so ein „Diener der Menschheit“, das böte sich ja geradezu an. Fragen Sie gerne mal meine Frau. Der „Diener der Menschheit“ müsste ein Wanderpokal in der Form eines Stummen Dieners sein, den man, wie könnte es auch anders sein, auch Herrendiener nennt. Ich hasse diese menschenverachtende, chauvinistische Scheißwelt. Naja. Jeden Monate bekäme einer den „Diener der Menschheit“ und müsste den dann, ähnlich wie beim Iffland-Ring, an einen, seiner Meinung nach geeigneten „Diener der Welt“ weitergeben. Nur mit dem Unterschied, dass der aktuelle Diener der Menschheit nicht sterben müsste um den Wanderpokal weiterzugeben. Sonst wäre das ja auch … Außerdem müsste das natürlich „Diener*in der Menschheit“ heißen. Ja, das wäre wirklich toll. Das wäre nun aber mal wirklich großartig, wenn man das bewerkstelligen könnte. Ich wäre so dankbar. Und ich würde jeden Tag auf Wikipedia oder in der taz nachschauen, wer der aktuelle „Diener*in der Menschheit“ wäre. Ich schlage mich selbst vor und dann Siegfried März.

01.04.2020 / 22:48 Uhr

Kreisel in the head – Tag 15

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Wenn man (also ich jetzt) nachts wach liegt und nachdenkt, dann denkt man (ich) nicht selten das Falsche und schämt sich nicht mal, weil man (…) ja nicht weiß, dass es das Falsche ist. Man (ich schon wieder) denkt zum Beispiel: „Alles ist aus, Schluss, vorbei. Es wird nie wieder besser. Hilfe!“ Und morgens denkt man (jå jåå) sich: „Zum Glück bin ich so vergesslich. War was?“. Dann zieht man™ sich die Socken an und duscht sich, bzw. anders rum. Und dann macht man (immer noch ich) sein Tagwerk. Das Tagwerk besteht daraus, dass man (Sie wissen schon) ab 7:45 Uhr am Computergerät sitzt und hineinspricht oder Bilder von A nach B schiebt und am Ende wird die Rechnung geschrieben. Plötzlich ist es 19:30 Uhr und man (ich) sagt sich: „Jetzt ist alles aus, Schluss, vorbei.“ und die Frau sagt, dass wir vegane Worscht essen müssten, denn morgen kommt der Bofrost-Mann. Und ich sage, dass ich gerne mit dieser Frau von eben (die gesagt hat, dass wir vegane Worscht essen müssten, weil morgen der Bofrost-Mann kommt) vegane Worscht esse. Nur manchmal und dann auch nur ein bisschen gerne würde ich echte Worscht essen. Aber die Nachteile wiegen schwer:

– Fett
– Knorpel
– Knochenreste

Blei
– Kadmium
– Chernobyl
– gequälte Kreaturen (Schwein, Hund, Katze, Maus, etc.)
– Kalorien
– Tod
– Verderben

Also vegane Worscht. Mit Sempf. Und dann sitzen wir so da und denken uns und sagen uns das auch, dass wir das ja ganz gut hinkriegen, dass das jetzt zwar nur zwei Wochen, von vielleicht 60 Wochen sind, in denen das so oder so ähnlich ist, dass das aber schon ein gutes Zeichen ist, wenn man (also wir jetzt) es hinkriegt. Wir Drinnies sind ja auch gerne drinnen und dann, und Achtung jetzt kommt’s, können wir ja auch ganz leicht rausgehen. Wir leben ja am Rande des Waldes (und des Wahnsinns). Wenn man (also Sie jetzt) denkt, der hat ja auch nur gut Lachen, dem wächst ja die Sonne aus dem eigenen Arsch, bei dem ist ja Eiter Sonnenschein, der reitet ja auf dem ganz hohen Elfenbeinturm, muss ich energisch auf Sie einwirken, denn ich kann nicht gehen und ich trage in meinem Kopf drei vibrierende Schleudern mit mir herum, die mir das Leben bisweilen zum Graus machen. Wenn ich hier und auch sonst, so optimistisch nach vorne schaue, dann ist das nur, weil ich ja weiß, wie’s ist und dass man (Mann) es schaffen kann. Auch kann man (Frau) es schaffen, hinaus aus dem düstersten Tal. Man (Trans) kann das schaffen und man (Divers) muss jeden Tag neu denken, umdenken, anders denken. Das wird ja nun jetzt klarer als je zuvor, seit man (leck mich doch am Arsch) nach dem Krieg aus Bucheckern Kaffee gekocht hat. Und, wie gesagt, ich habe nicht leicht reden. Aber reden, ja das kann ich. Davon können andere ein Lied des blutigen Ohres singen.

So! Heute also haben wir wieder einen Tag aus dem Ärmel geschüttelt und wir haben uns gegenseitig Lieblichkeit vorgetragen und die eine hat dem anderen Kaffee gekocht und Osterbrot an den Arbeitsplatz gebracht. Wie lieblich ist das denn?! Dazu kann ich nur raten. Nicht immer nur an den Beischlaf denken, sondern auch mal was liebliches „machen“. Auch mal an Schlaf denken oder wie man mit Ziegen über eine Wiese tollt. Oder einen Esel füttern. Geht raus und füttert einen Esel oder nehmt mal einen ausgewachsenen Ziegenbock an den Hörnern und schaut was passiert. Beobachtet, wie der aufgebrachte Ziegenbock seine Hörner in Euren Sack bohrt und freut Euch darauf, wenn der Schmerz nachlässt. Denn nachlassender Schmerz ist wirklich eine ganz tolle Erfindung des Gesundheitssystems. Apropos Schmerz … was macht eigentlich Friedrich Merz? Hatte der nicht Coronavirus disease 2019? Und – haben wir nicht schon längst 2020?

Das (alles) frage ich Siegfried März und das Virus. Und ich erwarte endlich Antworten.

31.03.2020 / 22:26 Uhr

Versäumnis – Tag 14

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Das ist schon auch langweilig, wenn man den Header des Blogges jedesmal nur marginal ändert. Das stimmt schon. Aber es ist ja auch langweilig, das Leben. Also, wenn man so da sitzt und nur in den Monitor des Laptopfes starrt, wie ich halt den ganzen Tag. Beruflich und hinterher auch privat. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich gerade Reinigungsmittel getrunken habe. Ich warte mal ab. Mir juckt auf jeden Fall schon die Kopfhaut. Das wäre aber das, was ein bisschen Spannung in mein Leben brächte. Und dann fällt mir wieder ein, warum wir hier alle sitzen und dann läuft’s mir eiskalt den Rücken runter. Allerdings muss ich mich auch arg konzentrieren, um nur in etwa das Ganze zu verinnerlichen. Also, wir haben jetzt Corona. So so. Wer hätte das gedacht. Als ich zum Beispiel 1988 in meiner Wohnung in der Blücherstraße im Wiesbadener Westend erwachte und feststellte, dass man mir den Strom abgestellt hat, weil ich den Strom nicht zahlen konnte und ich dann dachte, ei ja, erstmal Musik anmachen, ach, geht ja gar nicht. Strom ist ja aus. Wieviel Uhr ist es eigentlich? … Ach, der Strom ist ja aus. Überbäckste Dir erstmal was mit Käse. Ach, geht ja gar nicht … Machste erstmal Licht a… Ach egal. Ja, so war da damals. Und da dachte ich, das ist jetzt Scheiße. Wie soll’s denn jetzt weiter gehen?! Da dachte, das ist schon ein Dilemma. Mal kurz auf die Matratzenkante setzen und nachdenken, ob es noch schlimmer kommen könnte.

Ich bin dann rausgegangen, es war ja Sommer 1988, und erstmal in den Park und erstmal (ein) Bier trinken. Und erstmal kukken. Erstmal überlegen. Und mal mit den Leuten besprechen, wie das jetzt weitergeht. Und wenn dann jemand Mauerfall, 11. September, die Eintracht steigt ab oder Corona gesagt hätte, was hätten wir da gelacht. Alles total absurd. Alles irgendwie so Kafka-esk (Aluhüte gab es ja damals noch nicht). Alles nicht zu fassen. Man kann so weit nicht denken. Das würde nicht durchgehen, ohne, dass man in der Nervenheilanstalt landen würde. Jetzt ist es ja so, jetzt ist Corona-Time. Und dass sich da jeden Tag Leute hinstellen und einigermaßen klar und deutlich und offenbar sogar überlegte, angemessene Informationen über so eine Groteske vermelden können, das ist eine große Leistung der Menschheit und der Evolution. Wenn ich diese Entscheidungen, die hier getroffen werden müssen, treffen müsste, ich würde einfach weglaufen. Vielleicht nach Lappland oder in die Mongolei oder nach Usbekistan. Wenn das hülfe. Aber mich hinstellen und Dinge ausrechnen und wieviel man darniederliegenden Unternehmen auszahlen müsste, damit sie nicht zerbrechen an so einer Situation, oder ob und wann die Welle unser Krankenhaussystem kaputt überschwemmt oder auch nicht oder auch noch schlimmer. Und wieviel Tote es vielleicht gibt oder ob italienische Verhältnisse hier „fröhliche“ Urständ feiern würden und was ich dazu dächte und ob ich dazu was verbindliches sagen könnte. Es ist ein Graus. Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen und aufhören soll zu denken, um dann zu handeln. Also, wenn man mir 1988 das hier erzählt hätte, dann wäre das Science Fiction-Horrorshow gewesen und ich hätte gelacht. Oder 2003. Da hätte ich der Frau gesagt: „Hej, ich kenn grad erst seit neulich, lass uns in ein gemeinsames Leben torkeln. Nur 2020 wird es ein bisschen komisch, aber das stehen wir durch und zwar anhand von dieser Formel.“ Und dann hätte die Frau sich „diese Formel“ mal genau angeschaut und mir anschließend liebevoll den Hinterkopf getätschelt.

Aber jetzt haben wir den Salat und mein Gehirn kann es nicht erfassen. Ich höre Dr. Drosten, ich lese verschiedene Leitmedien, die ich gerne Leitmedien nennen möchte, weil sie mir helfen, einzuordnen. Ich halte die Öffentlich-Rechtlichen immer noch für (einigermaßen) seriös und nachvollziehbar. Ich versuche, das einzuordnen, einzuteilen und ich will irgendwas fühlen, aber ich fühle nur große Seltsamkeit. Ich denke oft, dass man das Gute sehen muss, da ist vielleicht nicht viel Gutes, vor allen Dingen für die Betroffenen. Man denke mal an den hessischen Finanzminister Thomas Schäfer oder die ganzen Bankrotten oder Infizierten mit schwerem Verlauf. Aber was bleibt denn, wenn man nicht das Gute rauszieht. Dass sich vielleicht das Ding, dass man nicht mehr den ganzen Tag die Straßen verstopft, um zu jedem abstrusen Meeting durch die Republik zu gondeln, durchsetzt. Oder, dass die Deutschen merken, wie toll Klopapier eigentlich ist und, dass man es mal wieder zu schätzen weiß. Klopapier hatte ja mit der Zeit ein eher mieses Image. Oder, dass Menschen in Pflegeberufen Helden sind. Und Leute, die den Müll abholen. Oder Leute an Kassen in Supermärkten oder die, die unbemerkt von Mensch und Maus die Supermarkt-Regale auffüllen, so dass wir inzwischen glauben, das steht da von selbst da und es geht NIE zu Neige. Oder dass diese Scheiße mit der Privatisierung von Krankenhäusern oder des Gesundheitssystems eine riesengroße Scheiße ist. Wer ist denn dafür eigentlich verantwortlich?

Hallo!!!! Hallo!!!!!!!

Ich werde das googeln und morgen nenne ich Namen. Dann wird hier mal der Vorhang aufgezogen. Dann rollen Kröpfe! Da können sich die Verantwortlichen warm anziehen. Ich deckke auf. Wie der Sozialphilosoph und größter Aufdecker der Menschheit von Missständen aller Zeiten: Mario Barth. Man darf gespannt sein.

30.03.2020 / 20:37 Uhr

Zuhause sein – Tag 010

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… und dann mach ich’s auch nicht. Also beschweren. Finde ich eigentlich Ali Neumann schlimmer oder Laura Karasek? Jedenfalls ist mir sehr heiß, aber nicht wegen Laura Karasek. Ist es Fieber? Mir ist ja schon schwummi ob der Gesamtsituation und wenn der Paketbote hier was abgibt, muss ich schnell nochmal nachgoogeln wie lange die Virenhaltbarkeit auf Kartons ist. Das ist schlimm. Jedenfalls sind meine Hände noch ganz, von der ganzen Wascherei, anders als bei der geliebten Frau. Jedenfalls** wollte ich gerade das Büro verlassen, da fiel mir ein, dass ich ja gestern gar nicht vom Nichts berichtet habe. Also, Büro verlassen bedeutet, das Macbook schließen. Wo wir ja im Bette hausen, essen, arbeiten und manchmal sogar auch schlafen, also einschlafen, Sie wissen schon, ist der Weg vom Büro ins Bett ja quasi nur ca. 5 Millimeter.

Eben hat mit jemand 1 SMS geschrieben (Dem seine Frau ich grüßen und Gesundheit wünschen möchte und was man so wünscht diese Tage, das wünsche ich dem uns dem seiner Frau). Das muss man sich mal vorstellen. Das ist ja wie damals™. Ich fühle mich ins Jahr 1998 versetzt, da ich mir mein erstes Handy kaufte. Das ist ja erst 22 Jahre her. Das ist ja schon 22 Jahre her. Und das erste iPhone. Das ist ja erst 13 Jahre her. Wie habe ich denn vorher nur gelebt? Ich denke ja, in diesen Tagen stellen sich die Weichen neu. Eventuell siegt das Digitale nun und tritt die Herrschaft der Andersdenkenden an und wir bleiben alle in der Bude und gehen nur raus, weil, wegen des Waldes und des Flures. Dafür kann ich mich begeistern. Wir müssen dringend lernen mit diesen Dingen umzugehen. Zum Beispiel muss ich lernen: Distanz zum Beruf. Nicht wie heute um 6 Uhr den Computer zu Erwerbszwecken öffnen und um ihn um 22:50 Uhr wieder zu schließen … doch halt Moment, bloggen … Das ist Wahnsinn. Das muss ich lernen. Wie ich ja ohnehin noch 165.554.443 Dinge lernen müsste.

Aber jetzt kann ich nicht mehr. Morgen kann ich vielleicht wieder. Aber am Samstag habe ich keine Zeit, denn das Tascam US-4×4 ist gekommen und jetzt fehlt mir nur noch der eine Schnuddel für das Headset von Kiki und dann und dann … ich kann Ihnen sagen. Ich kann es Ihnen sagen Es wird ganz wunderbarhaft. Und wenn dieser verdammte Durst noch leben würde … aber naja.

Gute Nacht!

26.02.2020 / 23:19 Uhr