Schlenzi

Das Unerfreuliche zuerst.

Social Media. Man hätte es ahnen können, dass das nicht lange gut geht. Diese Diskrepanzen zwischen Sein und Schein, zwischen Augenschein und Avatar, das haut nicht hin. Die Inszenierungen und Lügengebäude diverser Charaktere in diesem Netz, insbesondere auf Twitter, halten dem Abgleich mit der Kohlenstoffrealität oft nicht stand. Bisweilen lädt man Leute in sein Leben ein, auf seine Geburtstagsfeste, auf Magazin-Releasepartys, in sein Zuhause, die hätte man niemals einladen dürfen. Das zerrt an den Nerven, denn digitale Menschen sind, anders als Menschen aus der Kohlenstoffsozialität, immer irgendwie gegenwertig. Man kann sie kaum richtig blocken und vergessen, sie kommen immer wieder, immer wieder. So ist das Internet.

Aber

es gibt auch andere Erfahrungen. Es gibt nämlich doch Menschen in dieser Internetwelt, derentwegen man den Begriff Freundschaft neu, anders definieren muss. Nichts ist wie früher™. Damals nämlich waren Freunde Leute, zu denen die Freundschaft gewachsen ist in langen Jahren der Vertrauensschaffung, der Prüfung, der Umzugsaktivitäten, durch Nähe, Besuche, Betrinken, Knutschen. Und dann hätte man vorsichtig jemanden Freund genannt. Und am Anfang von Social Media war es ganz und gar empörend, wenn man Leute, die einem näher kamen, „Freunde“ genannt hätte. Was ist mit dem Begriff doch alles verknüpft, was für eine Tiefe, was für ein Gedöns (lange Jahre der Vertrauensschaffung, Prüfung, Umzugsaktivitäten, Nähe, Besuche, Betrinken, Knutschen). Doch dann erfand Facebook die Freundschaft neu und plötzlich hatte man sehr viele Freunde. Oft kannte man diese noch nicht mal, aber sie griffen ins Leben ein, kommentierten Geschehnisse und gingen einem mit „Meinungen“ auf den Sack, kamen, nahmen, gaben und verließen einen wieder. Alles digital. So weit so gut. Aber dann traf man sich. Große Feuer brannten auf der Prärie der Erwartungen. Wen traf man da und kann man mit dem eine Familie gründen? Wann wurde mir zum Beispiel sehr klar, dass ich ja gar nicht das süße, kleine Lamm war, das man anfangs als Avatarbildchen auf meinem Twitteraccount fand? Nein, denn ich bin ein mürrisches Nilpferd. Allenfalls. Wir alle sind mürrische Nilpferde.

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Den einen nämlich

Tobias Schlenzalot Schramm. Tobias war so erschreckend dem @schlenzalot ähnlich, den ich auf Twitter in den Nächten der Jahre 2008/2009 entdeckte. Ein Charmeur, ein Klicke di klack, ein kritischer Geist, aber auch eben ein Schlenzalot. Einer, der seinen Namen so ungewöhnlich gut ausfüllt. Nie arg, nie beleidigend, scheinbar nie mutlos und immer einen kessen Spruch auf der Lippe. Man dachte neidlos, der kriegt sie alle. Er sah sogar so aus. Und er sah ziemlich aus. Nicht viele Menschen sehen aus, als wären sie auf diese wunderbare Weise speziell. Als wären sie Teil einer HBO-Serie, Teil einer Idee von Thomas Pynchon, Teil Deiner ganz eigenen Story, die nie passiert, weil Du Dich nichts traust, außer große Töne auf Twitter zu spucken. Tobias war wie einer, den ich ganz lange kenne, obwohl ich ihn gar nicht sooooooooooo lange kannte und auch sicher nicht so kannte, wie es sich gehört hätte. Aber er war immer wieder da. Im Leoparden-Jackett und der neongrünen Jogginghose. Immer mit einem Tässchen Mokka und abgespreiztem kleinen Finger auf einem Sessel aus der Gründerzeit sitzend, den man gar nicht besitzt, den nur seine Erscheinung projeziert. Immer einen Steptanz aufführend. In Echt mit einem Lächeln bewaffnet. Abwartend, höflich lauernd um den „Einen“ dann rauszuhauen, siezend bis ins Mark. Einer, der in den Schwarzwaldstuben einen Zapfhahn mit seinem Namen besaß. So einer. Einer wie aus Seinfeld, aber auch sehr Rainer Werner Fassbinder-esk.

Und dann diese absurd anmutende Nachricht, die gar nicht absurd ist, weil sie so unbedingt zum Leben gehört. Die Nachricht vom Ableben. Vom plötzlichen Ableben. So früh, zu früh. Obwohl er doch „alt genug“ sei, wie er behauptete. Aber wer ist schon alt genug? Seinen aktuellen Avatar habe ich ihm mal anlässlich der re:publica im Jahre 2013 gebastelt. Wir hatten da eine etwas missglückte Show, was garantiert nicht an ihm lag. Er kam ja auch nicht zu Wort.

Gar nicht so lange her – da hatte er das Bild plötzlich als Twitteravatar. Als hätte er es geahnt. Er mit einem Heiligenschein. Und verrückterweise wünschen und wähnen ihn jetzt die eifrigen Twitter-Atheisten alle in den Himmel, was zum einen an seinen enormen und zu Recht explodierenden Sympathiewerten liegt und zum anderen daran, dass die meisten Menschen nicht nachdenken. Schon gar nicht im Moment der Trauer. Und weisste was, das ist ja auch ok so. Dass ich mich nicht immer ärgern und aufregen soll, hat er mir öfter geraten. Ich hab das natürlich nicht angenommen. Sich nicht aufzuregen, hilft ja auch nicht immer weiter. Zum Glück muss man nicht oft Zeitzeuge des Ablebens eines (Twitter-)Kumpanen sein, aber beim Schlenzi sieht man, dass es den Leuten nahe geht, ungewöhnlich nahe, was vielleicht ein Trost sein könnte, für die Leute, die ihn jetzt vermissen und vielleicht, falls das doch irgendwie möglich ist, sitzt er dann da weißlich schimmernd in seinem Leoparden-Jackett, lächelnd, wie er nur er das kann und irgendwann haut er Einen raus. Ganz elegant, schmunzelnd und so, dass man ihn am liebsten drücken möchte.

Aber man kann einen Schlenzalot nicht einfach drücken. Und jetzt erstmal schon gar nicht mehr. Allerdings, wenn das eines Tages möglich wäre, und es ist in seiner ganzen Lazarushaftigkeit eine geradezu berückende Vorstellung, falls Du jemals wieder vor unserer Tür stündest, Du wärst jederzeit und immer willkommen.

*tropfend ab*

 

 

Jahresrückblick, der Adventskalender unter den Internetbestandteilen

Diesmal aber wirklich. Schon wieder is(s)t eine Leere in mir, die mir nicht erlaubt, einen klaren Gedanken zu entwicklen. Auf dem Klo, im Auto, im Meeting, im Suff, während tiefgreifender Gespräche und beim Essen fallen mir Dinge ein, die ich unbedingt niederschreiben müsste. Die es wert sind, zu Ende gedacht zu werden. Aber dann sitze ich vor dem Editor und bin ein einziger stummer Schrei nach Inhalt.

So!

2015 war irgendwie okay. Noch immer schleppe ich zwar Leid und Elend aus meinem 10-wöchigen Krankenhausaufenthalt im Jahre 2011 mit mir herum, aber man soll ja nicht so viel jammern. 2015 war okay, immerhin sind wir Fußballweltmeister geworden. Ja, wir. Und dann war es ein knorkes Geschäftsjahr. Das Finanzamt ist jetzt mit uns befreundet und schenkt uns Kugelschreiber zu unseren Geburtstagen und der der Typ bei dem wir Austern bestellen würden, wenn wir sie nicht bei Deniz koofen würden, hat uns ein Messer zu Weihnachten geschenkt. Also muss es ein gutes Jahr gewesen sein.

Wir sind umgezogen ins Quasi-Paradies. Man muss immer Abstriche machen (lol, Abstriche), aber es ist schon das Paradies. Der Umzug war ungefähr so supi, wie die anderen 26 Umzüge in meinem Leben zuvor. Ich möchte nicht mehr umziehen. Ich möchte hier bleiben. Im Park mit dem angrenzenden Wald, den Weinbergen, den Rehen, die die Rosen anknabbern, weswegen es eine Whatsapp-Gruppe gibt, in der wir die Rehe melden, damit sie erschossen werden können. Rehe und wilde Hasen und – oink – auch Wildschweine, die sehr schüchtern drüben im Wald, mehr Angst als Verstand, das Geklongel aus dem Walde bei Nacht bilden. Auch im Winter, der keiner ist. Hier möchte ich bleiben und nächstes Jahr Bilder von Dingen malen, die ich sehe. Aber in mir drin. Natürlich haben wir hier nur einen sehr gurkigen Internetanschluss. Wir haben viel menschliches Versagen erlebt im Zuge der Erlangung eines Internetanschlus, mit dem man Netflixvideokassetten kukken kann. Sehr viel Elend. Wir wissen, dass es technisch möglich ist, aber die deutsche Menschheit ist unfähig. Aber dafür haben wir einen Weihnachtsbaum. Ich habe nicht viel übrig für das Weihnachtsbrimborium, aber ab und zu ein Weihnachtsbaum, natürlich bio und aus Naturschutzgebieten mit einem toten Reh am Fuße der Nordmann Tanne. Also umgezogen, Weihnachtsbaum, Fußballweltmeister geworden, Bonsai erworben, weil, Baum am Bett. Ich habe mir eine Tasche gekauft und gelbe Stühle. Der Frau, die neben mir auf dem Bett sitzt, geht’s gut, wir sind guter Dinge. Twitter brach ein und zwar bei deiner Mutter. Ich habe Menschen auf Twitter kennengelernt, die das scheusslichste sind, was ich überhaupt kennengelernt habe in meinem Leben (Edit: Ich soll sagen, dass es sich hierbei ausdrücklich NICHT um das blutende Bärchen… äh… das blutjunge Pärchen handelt, das wir im Internet kennengelernt haben und welches uns beim Streichen des Inneren des Hauses geholfen hat) . Wahrscheinlich, weil man auf Twitter plattform- und stilübergreifend Leute an sich ranlässt, die sonst nie, nie, nie ins Blickfeld rücken täten, was sehr, sehr, sehr gut ist. Und also habe ich meinen alten Twitteraccount ins Bett gebracht, was man eigentlich nicht darf. Es heißt ja auch das Blog. Der neue besteht nur aus Irren und einer Kurdin. Das ist okay. Da kann man nicht viel falsch machen. Einfach nur nicht die Leute nach Hause einladen, dann kann das ewig so gehen.

Aber: „Man lernt nie. Aus!“ (S. Lobo)

Und jetzt verschimmeln diese On- und Offlinewelten wieder. Verschimmeln? Verschwimmen. Man darf nur niemanden zu sich nach Hause einladen oder sich in Berlin in Spelunken treffen oder zusammen arbeiten oder Alkohol trinken. Dann ist alles gut. Die Internetironie lässt sich nicht ins Offlineleben übertragen. Die Menschen sind nicht ihre Twitteregos. Ich habe Menschen kennengelernt, die sich derart überinszenieren, dass… ich habe vergessen was ich sagen wollte. Was sie so denken, wen sie ficken oder von wem sie gefickt werden, was sie arbeiten, wieviel und warum auch. Was sie alles nicht essen. Wie furchtbar abwertend sie zu Menschen sind oder sein wollen und wie cool. All das hat null Bestand in der Kohlenstoffwelt. Man darf das nicht verwechseln. Auch ich bin ein Opfer der Zwangsironisierung der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts und der Zeit mit und in dem Internet, wie wir es heute kennen. So war das. Keine Nonmention ist hier verzahnt. Es ist alles so ein Gedanke. Niemand ist gemeint. Außer Dir natürlich. Jetzt ist alles wieder gut. Ich kann Austern öffnen. Zwar mit allerlei Austernschalenbruch im Inneren des Glibbers, aber ich kann sie öffnen und bisher und hoffentlich für immer, ohne mir das Austernmesser in die Pulsadern zu rammen, was ich sehr, sehr, sehr gut finde. Jetzt haben wir eine schöne Küche mit einem Lamm an der Wand und jetzt ist mir schlecht (Wegen der Austern eben?) Oder der Bratkartoffeln oder der Papriki, Paprikanten, Paprikas. Man weiß es nicht. So war das Jahr. Wir haben jetzt eine Treppe. Also wohnen wir in einem #Haus und nicht mehr in einer #Wohnung. Natürlich in einem #kleinen #Haus. Manchmal, wenn ich mich durch die Eingangstür hinein ins Haus zwänge, dann kommt es mir so vor, als sei es kleiner als ich. Aber man hat keine Nachbarn und keine Kinder stehen unter dem Schlafzimmerfenster um Heroinbongs zu rauchen und andere Kinder abzustechen. Ein Hund, der heißt Texas und zwei Katzen (Trip Trap und Pinky), ein toter Bär und zwei Kaninchen mit dem Namen Pumm und Kaiserin Elisabeth van Poppel. Die Frau strickt einen Schal, den 246.887sten Schal in diesem Jahr. Mich beruhigt diese Gleichmäßigkeit. Die innere Unruhe sucht eine Wohnstatt woanders und ich möchte ihr behilflich sein, diese zu finden. Nun darf ich verraten, dass mich die Tastatur des iPads verrückt macht und ich wieder auf die Tastatur des Macbooks und dem damit verleimten Macbook gewechselt bin. Das wird man ja nochmal sagen dürfen. Deutschland hat sich verändert oder es ist gleich geblieben. Je nachdem. Delikte sind es mehr geworden. Mehr brennende Asylunterkünfte. Nazis sind gleich geblieben, glaube ich. Nur äußern sich die Faulen und Feigen jetzt mehr und weitreichender, weil, sie haben jetzt Facebook und Flüchtlinge. Darf man noch Flüchtling sagen? Naja, egal. An meiner Haltung zu diesen Menschen ändert das nichts. Ich kann, aus verschiedenen Gründen, niemanden bei uns wohnen lassen, aber es gibt ja noch andere Mittel und Wege Hilfe darzubieten. Würde ich jedem empfehlen. Man braucht ja nicht dauernd mit dem Flugzeug nach Düsseldorf zu fliegen. Lieber mal skypen oder die Klappe halten. Das Jahr ist fast rum und ich mag noch immer keinen Gin. Zu tief sitzt der Gedanke, dass ich mir mal habe sagen lassen, der Gin, den ich gerade trank (es war der 7. Juni 1983), sei 4711. Und endlich, nur 32 Jahre später, habe mir einen Elektroroller gekauft. So einen kleinen mit einer Batterie so schwer wie ein Sack Zement. Ein zwei Meter dicker Mann sieht ungünstig aus auf einem solchen Roller, aber so kann ich über meine Ländereien cruisen, um Bänke und Baumstümpfe aufzusuchen, um meinen geschundenen Leib und seinen darin wohnenden geschundenen Geist niederzulassen und inne zu halten. Manchmal alleine, manchmal mit meiner zauberhaften Frau, die dann klickediklacker mit den Stricknadeln klackert und mir zulächelt, als gäbe es angesichts meiner etwas zu lächeln. Was bin ich froh über die Gegenwart dieser Person. So ein Glück. Man sollte öfter darauf hinweisen. Alle sollen es wissen. Zwölf Jahre. Eijeijei und bald sind es 13. 60 sollten es schon werden. Darauf sollte man wert legen. Dieses Jahr. Es war so ein schöner Herbst. Vielleicht der schönste Herbst der Welt. Und wir haben Lampen mit Diamanten aus Glas oder Plastik, das wie Glas und wie Diamanten zugleich aussieht. Darauf möchte ich mein Glas, das wie Plastik aussieht, erheben. Und ein Buch darf ich empfehlen. „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel. Es spielt in meiner Hood und in meiner Kindheit. Der Protagonist ist in den gleichen Gässchen umhergeirrt, wie ich. Man kann also nachlesen, was ich so gemacht habe, früher, 10 Jahre später. Eine Platte hat mir gut gefallen. Aber ich kann sie nicht verlinken, weil die Band sich seltsam im Internet präsentiert. Ich habe viel vergessen und noch mehr gegessen. Das muss jetzt alles wieder raus oder rein, je nachdem. Das Gegessene muss raus. Das muss weg. Im Sommer habe ich die Bikinifigur und ein Haus, in welchem ich meine Leinwände einsauen kann. Außerdem hätte ich gerne einen Sessel, Frieden, Liebe, Gesundheit (auch allen möglichen Menschen) und Orangen, die wie Diamanten aussehen.

Von Säureminen, Schwefelfeldern und Fabriken, die heißer sind als 1000 Sonnen

In mir ist immer, dass ich ich meine, dass nicht ich auch noch Senf auf die Wurst schmieren muss, weil, da ist ja schon kein Platz mehr auf der Wurst.

ABER

Wie ich seit Jahren im Strahl an die Wand kotze. Ich lebe in einem geradezu paradiesähnlichen Dingsbumms. Land. Wir haben Trinkwasser, manchmal sogar kostenlos, läuft es aus den Quellen und Hähnen. Zum Beispiel aus dem Grunzelsbörnchen. Und nachts sind die Straßen beleuchtet. Das muss man sich mal vorstellen. Und wir können uns Getränke kaufen in Flaschen, Dosen, Beuteln, die wir für quasi einen Knopf & Klicker beim Händler erwerben können. Es kostet fast nichts, seinen Durst zu stillen und es ist jederzeit möglich. Das ist ja aber schon alleine deswegen möglich, weil wir tollen Saftsäcke hier so formidable Maschinen bauen können und einfach weitestgehend von Naturkataströphlichkeiten verschont bleiben. Und kein Vulkan platzt und keine Erde bebt und keine Heuschrecke plagt uns. Und wenn die Sonne scheint, dann ziehen wir uns alle aus und laufen hinaus und erfreuen uns daran. Wenn nächste Woche das Marzipan und der Lebkuchen in den Läden steht, dann ist regen wir uns darüber total krass auf, weil, das ist ja wirklich unerträglich. Lebkuchen im August. Es rackern auf der ganzen Welt dafür Menschen, zum Teil bis zum Hals in der Scheiße steckend, in Säureminen, auf Schwefelfeldern, in Fabriken, die heißer sind als 1000 Sonnen und giftiger als Kai Diekmann. Damit wir unseren Lebkuchen nochmal extra in Staniolpapier eingewickelt bekommen, damit wir die Kapitalistenbrause in Weißblechdosen abgepackt überhaupt für 49 Pfenning bei der Frau Kreischer erwerben können. Damit geht es uns ganz gut. Zu viel Zucker ist übrigens ungesund. Überall auf der Erde sitzen Kinderlein in bruchigen Buden, liegen in schimmligen Bettchen und verzichten auf Liebkosungen ihrer Eltern, falls sie nicht selbst bis zum Hals in der Scheiße stecken, in Säureminen, auf Schwefelfeldern, in Fabriken arbeiten müssen, die heißer sind als 1000 Sonnen und giftiger als Kai Diekmann und werden nicht geliebt und nicht gelobst, weil, das Leben ist hart. Stell Dir das doch mal vor. Dein verrosteter Wecker bimmelt um 4:15 Uhr und Du läufst die 11 Kilometer runter in die Säureminen, wo Du dann, starr vor Dreck, zwei Schichten schiebst. Jeden Tag, auch sonntags. Ja, auch wenn der Tatort läuft und am Ende des Monats reichts grad mal für die Miete und zwei lumpige Schüsseln Dampf. Dafür brennt aber Deine Haut im Gesicht und die Finger sind taub, der Rücken knackt, die Füße sind Wund und die Seele hat sich schon längst am nächsten entlaubten Baum erhängt. Aber Du kannst Dich ja nachts zwei Stunden erholen, in Deinem Bett aus Müll. Und das machst Du alles nur, damit wir hier günstig unsere Schokokackhaufen in Alufolie einwickeln oder mit fettigen Fingern auf dem Telefondisplay herumtippen können, um zum Beispiel dämlichen Hass in die ach so soziale Medienlandschaft zu erbrechen.

Nochmal zum Mitschreiben: Da schuften sich also ein paar Milliarden Typen dumm & dämlich, damit Du Dir Dein beschissenes Telefon kaufen kannst um damit dann diese Leute anzupöpeln und zu deren Ermordung aufzurufen, weil sie irgendwann keinen Bock mehr haben, dies zu den allerletzten Bedingungen zu tun. Dann nennst Du die Wirtschaftsflüchltinge und kommst dir ganz wahnsinnig schlau vor. Wenn das diese Typen in den Säureminen wüssten, dann wär aber was los. Aber sie ahnen ja nicht, wie das hier ist. Sie wissen nichts von Hundefriseuren, Butterbergen, Überfluss und 80 Zoll Fernsehgeräten und Pizzalieferanten, vor sich hin tropfende Wasserhähnen und Freital und dieser ewigen Unzufriedenheit mit allem. Und nur ein ganz kleiner Teil, der kratzt irgendwann das letzte Moos zusammen, lässt sich von irgendwelchen Motherfuckern übers Ohr hauen, nur um sich irgendwann, nach dem nur noch die Hälfte der Familie überhaupt am Ufer des Mittelmeeres angekommen ist, auf einem Schüttelschiff wiederzufinden, wo die Lenzpumpe schon längst am Arsch die Räuber und auch sonst… ist. Und das machen die alles nur, weil sie denken, sie könnten hier irgendeine Scheiße arbeiten, ganz, ganz unten, noch nicht mal bei McDonalds, hahahaha, das wäre ja wie im Paradies, nein, ganz lame, ganz schön gelackmeiert, Jobs, die wir nie machen würden, auch nicht könnten, weil wir faule Weicheier sind, diese Jobs. Die streben diese Menschen an. Und sie denken nicht etwa: „Hach, wenn ich in der Bundesrepublik Deutschland, am besten in Bayern bin, dann melde ich mich erstmal arbeitslos und dann haue ich mal so richtig auf die Kacke. Dann kauf ich mir erstmal ein iPhone 6 und einen tiefergelegten BMW und nehme denen die Frauen weg und wenn ich lustig bin, die Männer obendrein.“ Das denken die nicht. Die wollen irgendwas arbeiten und die wollen, dass ihre Kinder irgendwann zur Schule gehen und ordentliche Schuhe tragen und vielleicht eines Tages eine schöne Wohnung haben und studieren, das wär toll. Die denken nicht, „Na, da stell ich mich doch einfach an die Straßenecke und biete meine Leib feil oder verkaufe ein bisschen Crystal Meth. Davon habe ich ja schon mein ganzes Leben geträumt.“ Die kommen, weil sie hier was verloren haben. Weil denen hier irgendwie was gehört. Weil wir auf deren Buckel uns den Wohlstand angehäuft und hinten wieder auf die Müllkippe geworfen haben. Ich vermute einfach mal, dass die am lautesten krakelen und am dümmsten schwadronieren, dass Flüchtlinge eine Bedrohung des Abendlandes sind, bisher noch nichts Wesentliches geleistet, gelernt oder geschaffen haben. Und zum Beispiel auch nichts vorzuweisen haben, was irgendjemand denen wegnehmen könnte, selbst wenn man wollte. Sie sind also nicht in Gefahr, jedenfalls nicht deswegen. Sie sind auch nicht gefragt. Diesmal nicht. Statt den ganzen Tag auf Dummbatzseiten im Internet zu verbringen, könnten sie ja zur Abwechslung und Erbauung mal das hier lesen.

Wir müssen hier noch nicht mal großzügig sein um die, analog zum Gesamtdrama, eher geringe Menge an Menschen aufzunehmen, die es bis hier über die Grenze überhaupt lebend geschafft haben. Wir müssen nichts aushalten. Auf so gut wie nichts verzichten. Es wird auch weiterhin Döner an jeder Straßenecke geben. Wir müssen einfach mal die Fresse halten und unsere Arbeit verichten. Es wird schon nicht so schlimm werden. „Es wird schon nicht so schlimm werden“ klingt jetzt nicht so überzeugend, was? Aber, und ich möchte jetzt nicht allzu euphorisch wirken, aber wäre es nicht großartig, wenn es nicht ganz so schlimm würde, wie es zu werden durchaus im Stande ist? Ich denke ja. Wünsch Dir doch das und den anderen da draußen.

Die merkwürdige Merkung

Manchmal denke ich darüber nach, was wohl gewesen wäre, wenn es am 11. September 2011 Twitter oder das soziale (hihihi) Internet schon gegeben hätte. Das hätte dem Ereignis noch gefehlt. Oder beim Kennedy-Attentat oder während der „Mondlandung„. Der (seltsame) Mann, mit dem ich diese Firma habe, hat heute (oder war es gestern?) (sinngemäß) gesagt, dass es doch schon früher ein bisschen „anders“ gewesen wäre, als man noch keine schwarzgefärbten Account-Avatare oder französisch-sprachige Zugehörigkeitsfloskeln in Verwendung nahm, wenn mal was passiert ist. Ja, das war anders. Aber es war ja nur deshalb anders, weil man Informationen vermeindlich sortiert und um 20 Uhr zum Abendessen oder morgens beim Kacken serviert bekam. Ich habe dann lieber nichts dazu gesagt, was nach der Iranischen Präsidentschaftswahl am 12. Juni 2009 mit den Avataren passiert ist oder vor und während der re:publica. Das darf er um Himmelswillen niemals erfahren, sonst sind wie hier geliefert.

Mehr…

Titel hier eingeben

Es ist schon Monate her, dass ich schrub. Man (also ich) verliert ja den Duktus des Bloggers, den man (also ich) eigentlich schon 2002 verloren hatte, eh man (also wirklich) überhaupt anfing. Mehrfach war ich dewegen im Beleidigtengefängnis bei trocken Stoch und einem faden Nurzensüpplein, fast täglich. Damals schrub ich über Ello und wie ich nicht mehr etwas in Twitter reinschreiben möchte. Mehr…

Ich hab geträumt, ich wäre Ochsen- schwanzsuppe essen mit meinem Webmaster E. Smith

Gut, es gibt so Lebensmittel. Ravioli zum Beispiel. Als ich mein Elternhaus in die erste Alleinwohnung verlassen habe, war da ein Mikrowellenherd in dieser Wohnung verbaut. Mein erster Mikrowellenherd. Da ich zwischen einem Buch- und Schallplattenantiquariat und dem Lebensmitteldiscounter „Plus“ wohnte und darüberhinaus um wenig Penunzen verfügte, kaufte ich, statt, wie es korrekt gewesen wäre, im Bioladen mit der unfreundlichen Inhaberin, lieber Dinge bei Plus, die ich in der Mikrowelle mit Käse überbackte. Man kann quasi alles mit Käse überbacken. Man kann auch ein rohes Ei mal in der Mikrowelle erhitzen. Mehr…

Sag Ello zu einem Fremden

Hier, es gibt ein neues Socialdings. Nämlich das hier. Ja, okay. Das gibt es auch, aber ich meine natürlich dies hier. Da bin ich jetzt. Also ich bin natürlich in erster Linie im Ponyhof-Büro und an der Seite meiner Frau. Ich bin natürlich in erster Linie an der Seite meiner Frau und im Ponyhof-Büro. hh hh h. So rum. Und ich bin auch viel im Bett. Ich bin quasi immer im Bett. Ich habe schon Magazine im Bett gefertigt, die anschließend Designpreise gewonnen haben. Mehr…

Alkmaar

„Die Frau“ zu sagen, finde ich irgendwie seltsam. So Sibylle Bergesk. Also so, wie jemand, der so sein will. Also Sibylle Berg zu sein, ist sicher nicht das Schlechteste, aber Leute, die sein wollen wie andere, die sie nie sein werden, auch nicht so vom Geschmack her und sogar noch nicht mal die die Frisur wird je so sein, die sind ja immer so ein bisschen… hh hh h. Aber „meine Frau“ zu sagen, klingt so besitzergreifend. Sie gehört ja leider nicht mir. Also, sie gehört (hoffentlich für sie) auch keinem anderen, sie gehört (hofffentlich für sie) nur sich selbst. Also sag ich halt „die Frau“, aber ich möche nicht wie jemand anderes sein, auch wenn das jetzt seltsam klingen mag für Leute, die mich kennen. Die Frau hat heute gesagt: „Komm, wir fahren mal nach Alkmaar“. Ich habe vergessen, wieso. Ich könnte sie fragen, sie sitzt ja da drüben zwischen mir und dem Meer, aber dann ist es ja auch langweilig. Also sind wir nach Alkmaar gefahren. Wenn die Frau es sagt, dann fahre ich (und die Frau auch) nach Alkmaar. Immerhin gibt es einen Rudi Carrellplaats und mit dem AZ Alkmaar einen Erstligaclub und – Sie werden ausrasten – Alkmaar ist Partnerstadt von Darmstadt!!! Interessanterweise habe ich heute die ganze Zeit die Frau mit der Frage gelöchtert, ob wohl irgendjemand in Holland Rudi Carrell kennt. Den ganzen Tag. Das war ein bisschen wie bei Lady Di. Und dann… ja, es ist richtig, Rudi Carrell kommt aus Alkmaar. Wer hätte das gedacht? Eventuell hätten Sie es von der Tatsache der Existenz eines Rudi Carrellplaats ableiten können. Aber Sie denken ja nicht mit.

Alkmaar hat auch ein Gewerbegebiet und Straßen, in denen rechter- und linkerhand würfelförmige Häuser aus Glas stehen, auf den die Logos von Kleidungs- und Lebensmittelunternehmen stehen, welche eventuell, so behauptet es der Verdacht, Menschen, mit (für uns ausgestopfte Puffottern) unvorstellbaren Minimallöhnen ausgestattet, für Ihre niederen Zwecke missbrauchen. Und mit „Menschen“ meine ich jetzt nicht Berliner Medienschaffende, das sind ja strenggenommen keine richtigen Menschen, sondern richtige Menschen. Aber so ist das ja bei uns im Kapitalismus. Es gibt also Kriege, Ungerechtigkeiten, Kochsendungen, Mokkalikör, Kohlrabi und es gibt Gewerbegebiete.

Aber Alkmaar hat Sträßlein, Grächtlein und Örtlein mit putzigen geringelten Aufbauten zur Verkehrsleitung, kleine niedliche Menschen, die kleine und große niedliche Bäumchen gepflanzt haben und sie haben Bötchen im Wassser, welches durch ihre Grachten fließt, stehen. Diese Orte sind so von Wunderbarsupidupihaftigkeit durchdrungen, dass mir ganz schwummi wird. Man kann das nicht fotografieren. Ich habs versucht. Man kann es nur anschauen und in sein Herz einschließen oder man sollte versuchen, so man in irgendeinerweise auch nur einen Hauch von Stil und Großherzigtum in sich wohnen hat, dort hinzuziehen und diese Wunderbarsupidupihaftigkeit gemeinsam mit den Ureinwohnern zu bewahren, zu bewohnen und ggfl. zu bewässern. Ich habe schon viel gesehen in meinem Leben, naja, jetzt auch nicht soooo viel, aber in Europa schon ziemlich viel, fast alles, nein, nicht alles, aber schon eine ganze Menge, mehr als Du zum Beispiel. Aber diese Altstadt in Alkmaar, dieser Anblick heute, dieser Frieden, diese Ruhe… wenn das also ein dort wohnendes Volk vermag zu erschaffen, dass es so ist, dann muss dieses Volk unbedingt auch mal Fußballweltmeister werden. Ich fände also, dass Holland durchaus in Katar Weltmeister werden sollte. Die Verbindung von Louis van Gaal zu dieser Stadt (also Alkmaar) erwikipedien Sie sich einfach mal selbst. Ich saß also in Alkmaar auf dieser Bank. Da auf der anderen Seite, schräg gegenüber, sprangen Kinder in die Gracht. Sie taten das erfüllt mit Freude und ohne sich gegenseitig zu schubsen, zu treten oder alberne Parolen auf Häuserwände zu sprühen. Es war wie in Bullerbü. Und keine Erwachsenen machten Ihnen einen Strich durch die Rechnung. Keine miese Nachricht aus der Welt des Zähneknirschens, der Zänkereien und des Verderbens trübte ihre Sinne. Es war Kindheit. So wie sich Leute in ihren Wahnvorstellungen ihre eigenen Sommerferien früher vorstellen. Nur halt in echt. Vielleicht ist dieser Ort das Paradies. Backsteinhäuschen mit putzigen Vorgärtchen und wilden Hintergärtchen, mit Grundstückchen am Wasser, mit Stegen mit Booten, die schwappend und schmatzend hin und her wippten. Die Luft, die Farbe der Luft wie Vanilleeis mit heißen Himbeeren, trug nur Laute von Tüdelü und Hach mit sich. Mir schwanden die Sinne. Wenn es die Holländer bitte möglich machen, dass das bis in alle Ewigkeit dort stattfindet, wie in irgendeiner nicht geschriebenen Geschichte von Astrid Lindgren oder Erich Kästner. Dass der selten gewordene Frieden da bitte erhalten bleibt und alle Birken, Japankiefern, Weiden und Pappeln genauso da stehen blieben, bis ich und die Frau uns eines der dort zum Kauf angebotenen Häuschen leisten können und dort dann ein Teil der Puzighaftigkeit werden (und hoffentlich nicht kaputt machen). Ach wär das schön. Wir richten auch Gästezimmerchen ein und Sie dürfen uns alle dort besuchen. Aber einer nach dem anderen.

Ich wünschte, ich würde mich für Desinteresse interessieren

Wenn man nicht so mobil ist, ist Mobilität ein großes Thema. Ich sage das weil: Komplizierteste Sachverhalte wollen es, dass ich auf Krückies durch die Gegend tanze. Vorteil: Ich muss niemandem beim Umzug helfen, man trägt mir Kaffee an den Schreibtisch und schaut mich traurig an. Nachteil: Bla bla bla bla bla und so weiter und so fort plus Mitleid. Freddy Nietzsche schrub dazu in seinem knorkigen Bestseller „Der Antichrist“: „Nochmals gesagt: Dieser depressive und kontagiöse (ansteckende) Instinkt kreuzt jene Instinkte, welche auf Erhaltung und Wert-Erhöhung des Lebens aus sind: er ist ebenso als Multiplikator des Elends, sowie als Konservator alles Elenden ein Hauptwerkzeug zur Steigerung der decadence.“ Ein paar Zeilen vorher schreibt er noch: „Das Leiden selbst wird durch das Mitleid ansteckend.“ Alles von Nietzsche ist gut. Mitleid ist unlustig und sogar noch unlustiger, als eh schon die Immobilität. Diese Widerum ist gar nicht so unlustig. Sie ist vor allen Dingen lästig, weil alle default erwarten, dass man rumsteht, tanzt und die Berge und die Fußgängerzonen auf und ab wandert. Und die Welt ist auch so gemacht. Will man beispielsweise in den Urlaub fahren, fährt man genau bis zum Zielort und ab da ist alles Leben wandern. Man wandert die Schongse Lisseh lang oder auf den Mt. Pommes Schranke oder durch Bankok bei Nacht oder wenigstens wohnt man in einem vierstöckigen Appartment ohne Aufzug und mit Treppen aus Höllenhackfleisch. So ist das Leben. Geher sind on top, Humpelnde oder Sitzies sind der letzte Dreck. Wenn sich die Gerechtigkeitsindustrie da mal was einfallen lassen würde. Danke.

Doch genug gejammert. Fiel mir nur grad so ein. Persönliche Details zum Thema per DM oder im Zwiegespräch bei einem Maßkrug Rotwein-Cola. Viel zu viel Zeit wende ich für mein Hobby „Interesse“ auf. Interesse ist lästig. Man ist sich ständig am Interessieren und kommt zu nichts. Ich habe daher erst neulich mein Interesse an der bildenden Kunst und an der von mir gehörten Musik abgelegt. Es hat mir zu viel Kopfzerbrechen gemacht. Beide Kulturbrummer sind vom Kommerz und den Gedanken an den nächsten Kommerz in mundgerechte Stücke zerhackt worden. Nur, wer ganz am Anfang allen Denkens steht, also ein junger Mensch oder der Inhaber eines Lebenszeit raubenden Accounts bei Twitter, kann sich mit der präkomplexen Komplexität der Komplexität auf komplexe Weise beschäftigen ohne, dass die Gefahr einer Gehirnimplosion besteht. Oder zum Beispiel Greg LeMond, der Gewinner der Tour de Francen 1986, 1989 und 1990, der hat eine eigene Sitzstange, also eher so ein Ständer, auf dem er verkrampft lehnt, wenn er in einer nach ihm benannten Sendung auf dem Sportkanal Eurosport zu den Vorgängen des aktuellen Tour de France-Tages schweigt. Ich kann noch nicht mal ahnen, was das zu bedeuten hat. Ich würde gerne dahinter kommen, aber ich sehe ihn so selten, dass ich kaum einen Moment finde, ihm eine Stellungnahme zu diesen eigenartigen Vorkommnissen abzuringen. Genaugenommen sehe ich ihn nie. Ich habe keinen Kontakt zu ihm. Ich kenne ihn praktisch ja auch nur aus dem Fernsehen, für dessen Inhalte mich durchaus interessiere, nicht jedoch für Kunst und für Musik und das aber auch erst seit neulich, aber auch nicht für Greg LeMond, wenn ich ehrlich bin. Viele im Geiste jung und also auf eine charmante Weise auch Zurückgebliebenen, welche sich durchaus in meiner Altersgruppe befinden, so runzel- und haarausfalltechnisch, meinen mir erzählen zu müssen und meinen es nicht nur, sondern sie erzählen es mir auch und zwar brühwarm, wie sehr sie mein Desinteresse an der Kunst verachten oder sich zumindest nicht sicher sind, ob nicht zufällig… ich hab den Faden verloren. Dafür habe ich es mal gedanklich durchgespielt, wie mein Leben sich verbesserte, würde ich mich für Fernsehübertragungen von Dartturnieren interessieren. Es sind in etwa 11,3% Verbesserung. Naja. Nicht schlecht. Aber nochmal zurück zu Greg LeMond. Der sitzt also bei Eurosport auf so einer Stange, so einem Gestell, und neben ihm steht ein Typ, der aussieht wie der leibhaftige Barbier von Sevilla und LeMond sagt kein Wort in dieser Sendung. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum er dann da sitzt und musste mit Erschrecken feststellen, dass er nur wenige Jahre älter ist, als ich. Aber er sagt weniger. Genauer gesagt, sagt er nichts. Vielleicht ist das die Zukunft des Fernsehens. Schweigende Protagonisten. Ich glaube gelesen zu haben, irgendjemand hat Greg LeMond mal mit einer Schrotflinte in den Hintern geschossen. Aber warum sitzt er dann auf dieser Stange? Manchmal wünsche ich mir, dass meine Fragen beantwortet würden. Dass einfach mal ein Leser, gerne auch eine attraktive Leserin, in den Kommentarfeldern auf meine Fragen und wenn möglich auch auf meine Gefühle eingehen möge. Aber das wird wohl nur ein Wunsch bleiben, der irgendwann am Rande des Wunschalls still implodiert und ein schwarzes Loch hinterlässt, welches milliardenfache Sonnenmassen in sich… äh… dingsbumms. Sie wissen schon.

Die Geburt des Popantentums

Jetzt wo ich Pippi muss, fang ich an zu bloggen. Großartig. Gestern hatte ich den Twitterlöschbutton schon angedingst. Aber dann hab ich’s doch sein lassen. Man kennt ja so viele Leute die einem Witze erzähen, da möchte an doch nicht drauf verzichten. Oder Non-mentions. Die sollte man im Auge behalten. Meistens meint das Internet Dich selbst. Es geht ja nur um Dich und um mich. Die meinen  doch mich, oder?

Eigentlich ist es ja auch egal. Ich habe mir neulich eine Hobbyklimaanlage gekauft. Nix großes. Nur so für Spinner. Aber es hilft diese Gluthitze aus dem Zimmerchen zu vertreiben. Die Eiswürfelmaschine macht Blopp. Alles von kühl ist gut. Heute habe ich im Büro gesessen und auf den Monitor gestarrt. Ich dachte, man könnte ja mal was erzählen, wie man es besser machen könnte, aber nach einer Weile angeregten und zweckstiftenden Gerede merkt man, wie die Leute einfach wegfallen, in sich zusammensacken. Ich rede dann einfach noch ein bisschen weiter, bis es selbst mir zu blöd ist und ich freue mich, dass ich einen Drehstuhl habe, mit dem ich mich 1A wegdrehen kann. Auch innerlich. Möglicherweise ist die Mute-Funktion auf Twitter so etwas ähnliches, wie nicht mehr zuhören, aber noch da sitzen und visuell den Anschein erwecken, als sei man ganz Ohr. Hab ich mir gerade überlegt. Ach naja. Man kann es sich nicht aussuchen. Man hat ja auch immer so viel zu erzählen. Das Gehirn spuckt unentwegt Lochkarten mit Inhalt aus. Aber wer kann schon Lochkarten lesen? In meiner Phantasie geht der unweigerliche Moment des letztendlichen Verrücktwerdens so: Man sitzt so da und alles klimpert, klirrt, scheppert und macht bla bla bla um einen herum. Dann hört man ein Klicken und eh man sich noch fragen konnte, was das wohl für ein Klic… Rauschen. Und das ist es dann. Ich glaube das Rauschen ist etwas ähnliches wie Erleuchtung nur ohne anstrengende Fakirmaßnahmen oder teure ZEN-Kurse. Man kann prima abschalten. Dann. Endlich. Die Höchststrafe für jemanden wie mich, ist ein Massenbüro. Ich konnte mir früher® noch nicht mal vorstellen, wie das gehen sollte. Ich dachte® immer, das kann doch niemand wirklich wollen. Das ist doch Folter. Es ist aber auch ein bisschen wie Zirkus. So wie 360°-Kino. In HD, 3D und Dolby-Surround und ein bisschen wie, wenn man eine Bratwurst in zu heißes Pfannenfett wirft. So wie S-Bahnsurfen. Wie in einer zu kleinen Umkleidekabine im Hochsommer, die Hose reißt im Schritt und von draußen ruft das Frollein, ob alles in Ordnung sei. Aber auch wie bei „Einer flog über das Kuckucksnest“. Auch für die anderen. Wahrscheinlich. Ich sag mir immer, Junge, schalt ab. Setz Dir Kopfhörer auf, nimm bewusstseinsunterdrückende Drogen, schlaf Dich mal richtig aus. Aber, ach… es ist ja mein Beruf. So berrückend und erquickend zu sein und immer an der Kante, nie um eine Idee verlegen, immer einen kessen Spruch auf Lager. Es ist ja mein Leben. Morgens der Frau ein Bussy geben und ihr wünschen, sie möge nicht hinfallen und dann durch den Wald auf den Ponyhof, wo das Ponybüro wohnt und abends mit Fun-Tinnitus wieder heim und der Frau ein Bussi geben und fragen ob sie nicht hingefallen sei. Ich musste eben wikipedien, ob es Bussy oder Bussi heißt. Ich bin nicht so bussigesellschaftlich anerkannt, ich kenne mich nicht aus. Ich sähe mürrisch aus, sagt man meine Frau. Also so default sähe ich mürrisch aus. Ich bin aber eher, naja, sagen wir… wie sagt man gleich? schläfrig, wie Ammoniumnitrat, traurig und happy wie so ein Wahnsinniger zugleich. Wie Cola. Wie so ein Colarausch, den man hatte, wenn man früher in der Linie 25 auf der letzten Bank saß und Cola aus Durstgründen gesoffen hat. Als die Cola noch in Weißblechdosen gelagert wurde. Damals war Cola ja wie so ein Heilmittel. Wenn mir schlecht war, trank ich Cola und mit dem schaumigen Rülpser entfleuchte das Unwohlsein aus meinem Leib hinaus in die Welt, wo es am Firmament zerplatzte. Das geht nicht mit Cola-Zero aus Polyethylenterephthalatflaschen. Auch okay, aber nichts im Vergleich zu Cola, gekühlt, 0,33l und aus Weißblechdosen. Aber die Zeit bleibt nicht stehen. Morgen fahre ich wieder durch’s Wäldchen in den Ponyhof und ärgere mich über Sport Utility Vehicle-Fahrer, die ihr beklopptes Fahrzeug nicht in den Randstreifen lenken können, wenn man ihnen auf der schmalen Straße entgegen kommt. Eines Tages erbitte ich den Fahrer oder die Fahrerin eines Sport Utility Vehicles höflich aus dem Fahrzeug zu steigen und ersuche sodann um die Erlaubnis jenen oder jene gemeinsam mit einem Sport Utility Vehicle, welches mittels eines stabilen Seiles an sein oder ihre Fesseln gefesselt ist, in einen reißenden Fluss schmeißen zu dürfen. Nächste Woche wünsche ich mir von der Kollegin gefüllte Pfannkuchen mit Hackfleisch und Champignons. Dazu saufen wir Vla aus dem Tetrapak und sitzen dabei unter dem neuen Sonnenschirm. Die Ponys quieken, die Vögel quaken und die Zeit plätschert so dahin. Vla tropft mir aufs frischgewaschene Hemd. Der Salzstreuer fällt runter. Wir unterhalten uns in Dialekten. Fliegen krabbeln kitzelnd über meinen rechten Arm. Telefongebimmel feiert fröhliche Urständ.

So ist das.

Jeden sapperloten Tag, bis in alle Ewigkeit.

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