Es wird prima für uns Primaten

Jetzt möchte ich aber auch ins Finale. Also ich jetzt, ganz persönlich. Mit Neymar wäre mir das zwar lieber gewesen (den hätte ich locker weggeputzt), aber hier, man kann es sich nicht aussuchen. Auf jeden Fall wünsche ich ihm alles Gute und baldigste Genesung und ich wünsche mir Schiedsrichter mit einem Sinn für die Gesundheit der Spieler. Hört nicht immer auf Sepp Blatter, der hat auch nicht immer Recht.

Die WM geht mir dieses Jahr ja auf den Sack. Ich weiss nicht, womöglich hat Freddy Valeng doch Recht und die Begeisterung will nicht erwachen, weil Löws Knaben so realistisch spielen. So irgendwie abgezockt, so italienisch. Nicht so wie früher, eher so wie Erwachsene. Und was haben wir doch 2010 für Tränen in den Augen gehabt, als der konsternierte Diego Armando Maradona eingeblendet wurde und wie man die Herren aus Argentinien mit 0:4 nach Hause geschickt hat. Und jetzt ist es, als spiele dauernd Bayern München unter Ottmar Hitzfeld und am Ende gewinnt Bayern München auch noch. Immer was zu meckern. Aber vielleicht ist es am Ende doch auch mal schön, wieder Weltmeister geworden zu sein. Also wenn ich jetzt Weltmeister würde, so ganz persönlich. Ich habe meine erste Firma einen Tag nach dem verlorenen Finale 2002 gegründet. Es war trübselig. Irgendwie saßen wir an unseren Rechnern und dachten an Oliver Kahn und wie traurig er war. Allein schon das… hh hh h. Und wie wäre das jetzt? Vielleicht wären wir da wirklich happy und alles wäre anders und irgendwie schön? Die Menschen in den Wartehallen des Sozialamtes würden sich mit Prosecco aus Dosen zuprosten, Frauen bekämen die gleichen Gehälter wie Männer. Mein Hexenschuss plagte mich nicht mehr. Die Milch würde nicht mehr sauer werden. Kühe wären lila. Es wehte stets ein kühles Lüftchen. Blühende Landschaften. Ach naja. Das ist ja auch egal.

1974, da war ich sieben und ich kann mich nicht erinnern, dass sich da irgendwas geändert hätte. Mein Vater hatte vor und nach dem Finale Koteletten. Und 1990 hatte ich ganz andere Probleme. Wieder wer zu sein, wäre mir jetzt persönlich nicht so wichtig. Bin ja schon wer. Irgendwer. Jetzt zum Beispiel ein Freak, der sich stumpf und relativ gefühllos Fußballspiele anschaut. Ich bin beileibe nicht der Freund der vergangenen Zeit und will nichts zurück und keine Konstellation von früher wäre mir lieber als die jetzige und ich bin mir sicher, dass früher nicht alles besser war. Vielleicht vor 7.000 Jahren, aber auch da nur vielleicht. Diese Gegenwart hält mich aber auch immer so auf Trab, dass ich mich gar nicht mit gestern beschäftigen kann. Mit morgen aber auch irgendwie nicht so richtig. Ich muss weniger arbeiten. Mehr schlafen. Mehr im Garten auf der Hollywoodschaukel sitzen. Mehr Bücher lesen. Mehr Feuer ohne Feuerzeug anzünden. Die Saftpresse öfter benutzen. Wieder mehr Musik hören. Endlich ein Wohnmobil kaufen und mit der Frau nach Finnland fahren. Aber ich muss ja arbeiten.

Also morgen. Morgen ist Dienstag, der 8. Juli 2014. Da gewinnt Deutschland gegen Brasilien mit 5:1. Davon kann man ausgehen. Ich bin mir relativ sicher. Und nach dem Abpfiff ist es mucksmäuschenstill im Stadion. Zu recht. Gerade habe ich überlegt, ob ich mucksmäußchen mit ß schreiben sollte. Ich habe das dann relativ schnell wieder verworfen. Manches kommt einem ja auch seltsam vor. Gestern Abend zum Beispiel, da wollte ich Fußball kukken. Ich wollte gar kein Spiel sehen, ich wollte Oliver Kalkofe und Oliver Kahn sehen oder diesen Dings aus Viva und den Mehmet Scholl mit ihren gurkigen Sprüchen. Diese seltsamen Analysen von Urs Meier, dieses unsinnige Geschwurbel des Fachbrasilianers Giovane Élber. Das hat mir gefehlt. Soweit ist es schon gekommen. Und Spiele in Begleitung der Twittersleut zu schauen und den ganzen Unsinn, den man dann schreibt, dieses Zusammenhanglose, dieses Gefühl Public Viewing ohne das Publicum zu sehen. Nur zu lesen. Dieses Nette, das Freundliche am Wir-Gefühl. Wie wir mit ausgerechnet der USA gelitten haben und traurig über das Ausscheiden der Chilenen waren und so. Und so ging’s gestern der Frau auch. Wir saßen am Fenster und schauten uns das Unwetter an und drückten der Hollywoodschaukel die Daumen. Wir hofften, dass sie den Sturm meistert, so wie der Ast unter dem unser Auto stand, auch den Sturm bittschön schadlos überstehen sollte. Dachten wir und dann schüttete ich Eiswürfel in die Rührschüssel mit der Sprite Zero/Mineralwasser-Mischung, so wie ich es auch am Dienstag machen werde und dann trank ich wie so ein Schweinchen meine Eiswürfel-Limmo aus der Rührschüssel und es war eine gute Zeit, da zusammen mit meiner Frau am Fenster zu sitzen mit dem Sturm und der Rührschüssel mit der Limonade.

Und jetzt gehen Sie zum Pfandleihhaus, verticken Sie Ihre Gibson Les Paul und setzen Sie von dem bisschen Geld, was Sie dann noch haben alles auf Sieg und kaufen sich danach ein Klavier. Sie werden es nicht bereuen.

Faunenklitterung

Ich kenne einen Typen, der heißt Frank Reich und ich fahre ab und zu nach Wissembourg zum einkaufen. Aber reicht das? Gekochter Schinken schmeckt in Frankreich besser. Und dann diese Mayonnaise mit Senf drin und dass die so eingeschweißte Hummer auf Holzplatten mit Salat und Beilagen anbieten. Und rosa Klopapier und diese Sprache. Und dann – total verrückt: Immer wenn wir nach Wissembourg fahren, gehen wir zu McDonalds. Da finde ich mich seltsam. Warum mache ich das? Warum?!??!?!? Was stimmt mit mir nicht? Ich habe es so satt, dass ich so ein Vollidiot bin. Warum gehe ich nicht in irgendein Restaurant am Straßenrand oder in der Innenstadt oder Rande irgendeiner Siedlung. Warum gehe ich zu McDonalds? Früher bin ich oft die Route nationale 7 runtergefahren. So ab Pouilly-sur-Loire und dann dem Süden entgegen. Wenn am Straßenrand… immer dieser Straßenrand… Salamis in Olivenöl eingelegt angeboten werden und Honigmelonen in Honig eingelegt und Lavendel in Lavendelöl eingelegt und Wein in Weinbrand eingelegt, dann ist alles gut. Eingelegtes ist eh King. Wenn ich dieser Sprache je Herr würde, zöge ich nach Frankreich.

Meine Freundin Nina hat ein Haus an der Ardèche. Da muss man nach der Ankunft erstmal 250 Skorpione aus dem Haus scheuchen und nächsten Morgen dann vom Kopfkissen schnipsen und aus den Schuhen fischen. Das gefällt mir gar nicht an Frankreich. Warum beschweren sich so wenige Leute über Skorpione? Das ist überhaupt kein Thema. Während der ganzen WM 1998 hat kein einziger Beitrag im Fernsehen das Skorpionenproblem in der Ardeche thematisiert. Was soll das?! Faunenklitterung? Will man uns was vorenthalten? Das hat sicher Gründe. Dieses geheimnisvolle Frankreich. Ich weiss noch wie dieser seltsam, irre Jean-Baptiste Grenouille sich…

Naja, auf alle Fälle schießt Karim Benzema (ich muss das sagen) 1-3 Tore in der ersten Halbzeit. Alle sind beleidigt und gehen mit hängenden Köpfen in die Kabine, wie weiland Uwe Seeler 1966, der von hinten aussah, als hätte er gar keinen Kopf. Aber dann endlich, endlich, endlich popendlich… und ich möchte hier nicht ins selbe Horn petzen, wie all die 82 Milliarden Fußballphilosophen dieses Landes… Philipp Lahm bitte raus aus der Nummer und rein in sein Kompetenzzentrum. Damit die Abwehr steht. Und Klose mal rein. Und ich will gar nicht erst wissen, was Frédèríç Valin, so lieb ich ihn auch habe, dazu sagen würde. ES INTERESSIERT MICH NICHT!!! Es geht hier um Dings. Um die ganz große Sache. Ich möchte nicht ausgelacht werden, wenn ich dereinst wieder in Wissembourg in den McDonalds gehe und auf die Fresse falle, weil wieder mal gerade geputzt wurde und außer zwei algerischen Kindern niemand dort ist, außer uns zwei deutschen Kindern. Ich möchte nicht, dass die sagen, gumma, der Typ da drüben kommt aus einem Land, das es besser hätte wissen müssen, aber das Land hat ja auf ein Nivea-Testimonial gehört, das sich vor laufenden Kameras auch mal einen Butzemann aus der Nase holt, statt auf Umstände einzugehen. Hahahaha! Und dann rutscht er auch noch so albern aus, die Sau. Schaut nur, wie er da liegt und der Burger da oben an der Decke klebt und schaut nur wie der Burger gleich von der Decke fällt und ihm auf dem Kopf purzeln wird, dem Typen aus dem Land mit dem Nivea-Testimonial, das sich vor laufenden Kameras auch mal einen Butzemann aus der Nase holt, statt auf die Umstände einzugehen. Ich möchte, dass Özil seine 50 Millionen wert war und der Müller auch (2:3 in der 82. und 3:3 in der 89.) und der olle Klose (aus dem Hintergrund müsste Klose schießen) nochmal auf seine ollen Tage was richtig Großes reißt und dass wir alle nicht bis zum Ende wie die Bekloppten vor der Glotze sitzen müssen… mein Gott, schreit Robbie Williams vielleicht laut… und die Nerven liegen blank. Das liegen sie ja dann eh schon 120 Minuten plus scheiß Tagesthemen oder heute journal, was weiß ich denn, welcher Sender dieses Spiel morgen übertragen wird. Und dann möchte ich hinterher nicht mehr drüber reden. Ich mag ja den Jogi Löw. Ich weiss nicht. Er sieht einfach anders aus als Hans-Hubert Vogts und Ulrich Stielike. Das ist schon was wert, wenn der Bundestrainer gut aussieht. Das ist schon was wert. Thomas Tuchel sieht auch gut aus. Verlassen Sie sich drauf und auf ein knappes 4:3 in dem Jahrhundertspiel morgen im Estádio do Maracanã.

Danke.

Däutschfffflannnttt

Zunächst einmal ist es mir inzwischen egal, wer Weltmeister wird. Ein paar Einschränkungen habe ich dennoch. Bis gestern hätte Holland den Titel ausnahmsweise auch mal verdient, aber nun habe ich die Sorge, dass Arjen Robben zusammenbricht, wenn man ihm den Pokal in die Hand drückt. Dieses Drama dann. Ach nöööh… lass mal. Gestern haben ich im Fernsehen gesehen, wie Hans-Joachim Rauschenbach auf verächtliche Weise algerische Journalisten ausgelacht hatte, weil sie die Verwegenheit besaßen, auf einen Sieg Algeriens im Spiel Algerien vs. Deutschland im Rahmen der WM 1982 zu tippen. Er drehte sich lachend weg und winkte ab. Huh huh huh, wie dämlich. Der Algerier hat ja wirklich zu lange in der Wüstensonne gestanden, schien er uns sagen zu wollen. Das Spiel ging 2:1 für Algerien aus. Man kann jedoch sagen, dass Deutschland noch nie gegen Algerien verloren hat, außer 1982 und 1964. Es hat allerdings auch nur 1964 und 1982 gegen Algerien gespielt. Irgendwas ist ja immer.

Wissen Sie, ich habe im Prinzip gar keine Zeit. Ich habe Deadline, Stress, Action und krassen Shit am Laufen. Manchmal habe ich einen romantischen Rückblick auf eine Zeit, als ich Fernsehen auf einem Schwarzweiß-Bildschirm mit 10cm Bilddiagonale, der in einen Ghettoblaster eingebaut war, schauen musste. Unter Hinzunahme bestimmter Hilfsmittel aus dem Lebensmittelbereich, war das Bild sogar ein bisschen farbig. Heute schaue ich mir die Begegnungen in HD auf einem Buntfernseher an, habe aber keine Zeit mich zu freuen. Ich muss arbeiten. Wenn also Deutschland rausflöge, müsste ich nicht mit meinen nervigen, nichtsnützigen sogen. Freunden am Freitag da sitzen und mir die Viertelfinalbegegnung gegen Dings ankukken. Dann könnte ich auch da arbeiten. Ich arbeite so gerne. Gestern hatte ich mal Urlaub von 12:45 bis 16:00 Uhr. Das war toll. Ich saß einfach nur so da. Dann fielen mir die Augen zu und ich schlief ein. Ich träumte von einem Fußballspiel von elf uralten Männern mit Brisk im Haar und Dreitagebärten im Gesicht, die gegen elf schwitzende Knaben aus dem Paradies antraten. Sie spielten auf einem Fußballfeld aus Karamelpudding und alles war, wie es in Träumen üblich ist, wie in Zeitlupe. Ich weiss nicht, ob ich schon mal erzählt habe, dass ich früher™ gedacht habe, es hieße „Zeitklupe“. Was ich mir wohl dabei gedacht habe? Als ich erwachte, hatten doch tatsächlich die Männer aus dem Paradies gewonnen. Ausgerechnet der Ex-Eintracht-Frankfurt-Fußballspieler Theofanis Gekas verschoss den entscheidenden Elfmeter. Ich musste an meinen alten Kumpel Georgios G. denken und wie er sicher weinend vor dem Fernseher zusammebrach und seine Familie und seine Freunde ihm weinend in den Armen lagen und bittere, salzige Tränen ergossen sich über das längst am Boden liegende Fasolakia. Traurig. Und da wird mir schlagartig klar, dass es mir doch lieber wäre, wenn die deutschen Knaben heute gewinnen würden. Eine Kundin sagte mir auch, warum das besser sei: „Die sehen besser aus.“ Das ist natürlich ein unschlagbares Argument. Bei Gelegenheit wende ich es mal bei einer Frauenfußball-WM an. Heute jedoch, ja heute, geht die Begegnung der schönen Männer aus dem Okzident gegen die Männer mit den inneren Werten aus Nordafrika 5:0 aus. Ich habe mir das diesmal gut überlegt. Und zwar taucht der stets wie-auf-180-seiend aussehende Islam Slimani gefährlich vor dem deutschen Tor auf, aber da zippelt Neuer die eine oder andere Torchance wie ein wahrer Glanzparadeur aus den oberen und unteren Ecken, was zum Erwachen der deutschen Mannschaft führt. Daraufhin schießt Thomas Müller in der 23. Minute das 1:0, in der 27. Minute das 2:0 und in der 44. Minute schnell noch das 3:0, bevor es in die Kabine zu einer Runde Wassereis geht. Trotz des Fehlens des schönen Mats Hummels macht die Abwehr dann hinten zu und als alle schon dachten, das war’s und das war ja auch schon ganz schön, da schlenzt zunächst der kurz zuvor eingewechselte Miroslav Klose in der 85. Minute das Kunstleder in Eckige. Und dann, als alle schon mit dem Kopf auf der Heimreise ins Hotel sind, da glaubt nochmal Shkodran Mustafi „er wär’s“ und kickt ein zum 5:0 in der 92. Minute.

Darauf können Sie wetten. Vergessen Sie aber nicht Ihren gesamten Monatslohn zu setzen, hinterher ärgern Sie sich wieder und dann heißt es wieder, warum hat der denn nichts gesagt?!

Liebe in Zeiten der Fußi-WM

Tja. Also übermorgen, am Samstag, den 28. Juni Zwotausenddingsbumms spielen also Brasilien und Chile miteinander Fußball. Ich hab’s fast geschafft. Die WM ist bald vorbei. Nochmal zur Erinnerung: Fußball-WM war mal für mich der absolute Burner auf der Welt. Ich war wochenlang vorher aufgeregt, kaufte mir alle Kicker- und Sonstwasfußballvorschauhefte mit allen Mannschaften, Listen, Tabellen, Fotos, Vorhersagen, Sepp Maier-Humor, Hansi Müller-Erklärungen und Ernst Huberty-Lobhudeleien die es zu kaufen gab. Man hatte ja kein Internet und keine Twittersleut‘ und keine Dings und kein Wikipedia und keine Sendungen, in denen Z-Promis ihre Empfindungen daher lallen. Ich will eigentlich nur unter einem Baum sitzen und auf einen Ententeich starren. Und ich will weder, dass der Baum vom Sturm gefällt oder vom Blitzschlag malträtiert wird. Ich will meine Ruhe und ich will in meiner Firma arbeiten und dann wieder meine Ruhe. Arbeiten und Ruhe und meine Frau soll für immer da sein und ich kaufe Ihr Erdbeeren und seidenes Geschmeide und Weihrauch ihr zu Ehren. Und einen Beamer und Cola aus Usbekistan. Und Liebe, die geb ich umsonst her. Das will ich. Das mach ich.

Und heute habe ich ein Foto gepostet auf dem vermeintlich die US-Regierung von damals zu sehen ist, wie sie, so soll man es denken und so wird es auch behauptet, Soldaten dabei zuschaut, wie sie Osama Bin Dingsbumms umlegt. Jeder kennt dieses Bild. Dazu schrieb ich, dass die US-Regierung beim Fußballkukken auch schon mal fröhlicher aussah und ich wollte den Eindruck erwecken, als schaute sich die damalige US-Regierung das 0:1 ausgegange WM-Fußballspiel USA vs. Deutschland an. Ja, und das ist dann witzig. Es wäre möglicherweise auch makaber und geschmacklos, wenn man das möchte und wenn man davon ausgeht, dass man dort irgendwas dokumentarisch-entsetzliches sähe, aber man sieht ein für die Medien erzeugtes Bildnis von Menschen, die so aussehen, als schauten sie sich Antropophagus II an oder das Spiel Manchester United gegen Bayern München (1999) oder die Lindenstraße. Es ist sozusagen egal, was die Protagonisten dieses Bildes schauen, es ist unwirklich. Es ist das Zeitalter der Medien. Es ist eine Inszenierung. Die Welt ist so ein Schrotthaufen und man denkt irrtümlicherweise, man könne sich den Schrotthaufen von jeder Perspektive anschauen, aber man schaut sich Photoshop an oder Gimp oder After Effects. Vielleicht spielen die Protagonisten auch Pac Man. Und ich wurde dann darauf hingewiesen, dass dies ein Dokument der Unlustigkeit sei, es erinnere an Drohnen, es stimme traurig. Ich habe nie das Gegenteil behauptet. Mich erinnert es in erster Linie an Gewehre, Granaten, tote Menschen in sengender Hitze, Typen, die in Schlafzimmern mit Badewannen durch die Welt fliegen und wegen denen Menschen, von denen ich dachte, sie hätten irgendwie dieses Dings da oben im Kopf, zum Brandenburger Tor tippeln um diese Typen beim Ablesen von Phrasen zu beobachten und irgendwie was mit Wahrheit, Wahrhaftigkeit und ich habe die Tatsächlichkeit im Griff ist auch noch dabei. Aber vielleicht sollte man sich mal mit einer ungarischen Salami beschäftigen. Oder jemanden mal liebevoll über die Wange streicheln oder mal ein Schäfchen am Ohr zauseln. Nicht immer nur ficken wollen und die Werbung in Modezeitungen überblättern. Es ist beides relativ aussichtslos und nur von mäßigem Erfolg. Sagt doch einfach mal zu dem Typ da drüben, dass er nicht scheiße ist, sagt doch mal der Frau in der Kneipe, die Euch unentwegt Gläser auf den Tisch stellt, dass ihr sie irgendwie verdammt nochmal gern habt, weil sie Gläser mit Bier auf den Tisch stellt. Und hier, Frau, die Du die Gläser diesen leidigen Typen auf den Tisch stellst, sag doch mal „Hey, schön, dass ihr da seid, ihr Typen unbekannter Herkunft.“ Und gebt der Frau Trinkgeld und legt dem Typen da drüben was in den Schlafsack und sagt Eurer Trulla gute Nacht und dass sie nicht hinfallen soll, wenn sie morgen zum Bus läuft. Macht das doch mal. Sagt doch mal dem @Schlenzalot und dem @HansHuett und der Murkel Graham und der @Ingapopinga, dass sie ganz schönes Zeug twittern und kauft das Buch von der wunderbaren @rudelbildung. Sagt zum Bleistift denen doch mal, dass Ihr die knorke findet. Ist nur ein Vorschlag. Oder sagt es denen, die ihr gut findet. Findet einfach mal jemanden gut. Nicht immer nur meckern. Freut Euch mal morgen aufs Büro und bringt den Asseln da Kaffee mit. Die freuen sich dann. Kauft mal gute Kartoffelchips, statt immer diesen Billigscheiß oder richtet so wunderbar Spargel auf einem Teller an wie es die knorkige Luzilla Schrottpresse immer macht. Trinkt mal Rotwein mit Cola, das ist gar nicht so übel und es ist sogar beim Kotzen noch ganz okay. Macht das mal. Seid mal so ein fröhliches, dickes Kind wie ich jetzt. Es lohnt sich.

P.S.: Brasilien vs. Chile 12:11 im Elfemeterschießen. Für wen verrate ich nicht.

Was kümmert mich mein Geschwätz von morgen

Was wird mich mein Geschwätz von morgen gekümmert haben. Ach, ich will natürlich, dass Deutschland weiter kommt und die USA rausfliegt. Nicht, weil ich USA-Hater wäre, ich bin keines Landes Hater, sondern, hier, einfach so. Aus Gründen und weil ich es kann.

Ich war mal anlässlich der EM in Schweden, im Jahre 1992, im Finale für Dänemark. Der Helmo, der Felix und ich haben uns Prince Denmark-Zigaretten, Tuborg Beer und dänische Fähnchen gekauft und sind zu einem halböffentlichen Fußkukken gegangen. Das fanden natürlich alle putzig, wie wir so für Dänemark waren, wo doch Deutschland der Finalgegner war und die Dänen… Hahaha… natürlich ja auch gar keine Chance haben würden. Hahahaha. Die Dänen. Hängen den ganzen Tag in Fleischklopsbude rum und wollen dann… Hahaha… da die Vorrunde überstehen. Hahaha! Aber die Dänen haben nicht nur die Vorrunde, das Viertelfinale und das Halbfinale überstanden, sie sind auch Europameister geworden. Hahaha… Hust! Und dann sind wir so durch die Stadt, was war noch nicht die Zeit der ganz großen Autokorsokrawalle. Alle waren schräg drauf rum. Da dachte ich, die Party zwei Jahre zuvor war irgendwie besser, so will ich’s doch nicht haben. 1990 hatte ich dann sogar mal ausschweifen gejubelt. Hatte ja sonst nichts vor. Mit einer Deutschlandfahne oder auch nur im Ansatz mit Schwarzrotgold hatte das nichts zu tun und das finde ich immer noch seltsam. Ich muss es seltsam finden, ich bin Deutscher. Ich weiss aber auch gar nicht, ob ich das nicht auch komisch finden würde, wenn die ganz Nazischeiße nicht gewesen wäre oder wenn ich aus Burkina Faso käme. Wie kann man sich denn im Rahmen der Abspielung eines Liedes ergriffen ans Herz greifen und dann auch noch heulen?!? Das wird mir im ganzen Leben keiner mehr erklären können. Und jetzt will der Sohn des Bäckermeisters aus Göppingen auch noch beide Hymnen mitsingen, in seinem Captain America-Pullover. Seltsam.

Ich werde ewig rätseln, wie es wohl so ist FrèdèríçVálìn zu sein? Wie es ist Deutscher im Ausland zu sein, weiß ich. Lesen Sie sich den Aufsatz ruhig durch und, falls Sie Erich Mühhsam nicht kennen, seien Sie gespannt, wann der ihn geschrieben hat. Ich kann allerdings das Geläster und Geheule auf Teilnehmer unseres Landes ebenso wenig leiden, wie Geläster und Geheule auf alle anderen Länder der Welt, außer Liechtenstein. Die Liechtensteiner haben es nicht anders verdient, mit ihrem begradigten Fluß da in der Mitte und dann auch noch falsch geschrieben.  Aber auf was wollte ich denn eigentlich hinaus?

Es ist kalt. Ich weiss gar nicht, ob das okay ist oder ob man da jetzt auf den Sommer schimpfen müsste. Vielleicht informieren mich meine drei Leser ja mal, wie man sich diesem Sommer gegenüber so verhält. Mache ich alles richtig? Warten Sie, ich muss zuerst noch in meine Lämmerwurst beißen. Der Fußball kann mich nicht mehr erheitern. Was muss man eigentlich machen, wenn man gesalzene Mandeln isst und eine davon ist plötzlich total bitter. Muss man dann was machen? Ich kenne jemanden, der hat angeblich mal Jermaine Jones mit Gipsbein in einer Disco gesehen, obgleich der krank geschrieben war. Also Jermaine Jones. Ich kann das nicht dulden. Ich habe ja Eintracht Frankfurt, dort stand er damals unter Vertrag, mitfinanziert. Alleine deswegen muss die USA morgen verlieren und ausscheiden Und was auch immer sie ausscheiden möchte, Deutschland muss gewinnen. DEUTSCHFFWWLANTTT. Na diese Typen, die hier dauernd in der Zeitung stehen und so ulkige Namen haben wie Müller (Hihihi!) oder Lahm (Muahahaha!). Ich kenn doch sonst keinen, außer vielleicht Samuel Eto’o, Mario Balotelli, Frederic Valin, Bernd Schuster, Julio Cesar, Mario Kempes, Horst Hrubesch, Manfred Kaltz, Rudi Kargus, Caspar Mehmering, Jan Aage Fjortoft, Mehmet Scholl, Just Fontaine, Didier Six, Paolo Rossi, Diego Maradona, Paul Breitner, Horst Eckel, Eike Immel, Dietmar Eilts, Anthony Yeboah, Uwe Bein, Jay Jay Okocha, Jürgen Pahl (Hihihi!), Luigi Riva, Paul Steiner, Roberto Boninsegna, Nobby Stiles, George Best, Éric Cantona, Kleberson (Hihihi!), Bernd Schneider, Jürgen Sparwasser, Johann Neeskens, Paolo Maldini, Daniel Passarella, Franco Baresi, Zbigniew Boniek, Marco Tardelli und Lew Jaschin. Aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob die noch mitspielen. Trotzdem gewinnt Deutschland morgen 6:1 durch Tore von Manuel Neuer, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger (Hihihi!), Lukas Podolski, Jerome Boateng, Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Mario Götze, Toni Kroos, Mesut Özil und sieben Tore von Thomas Müller. Das Tor für die USA schießt Tim Howard auf dem Weg zur Kabine. Ausversehen. Kann ja mal passieren.

Neues vom Prognosen-King

Spieltag 13. Argentinien kann nicht mehr ausscheiden. Laaaaangweilig. Nigeria, joa oder lieber Iran in der Gruppe F? Ach, was weiss denn ich. Die Gruppe E ist da ein bisschen aufregender, weil, da geht es ja um das Land in das wir alle unsere Einnahmen hinschaufeln, um dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Die Schweiz könnte noch weiterkommen, wenn sie gegen Honduras gewänne. Ich denke mal die Schweiz gewinnt gegen Honduras spektakulär mit 71:0. Vielleicht reicht auch ein Unentschieden, wenn Ecuador gegen Frankreich verliert. Frankreich kann ja auch nichts mehr falsch machen und ist quasi im Achtelfinale. Laaaaaangweilig. Immer diese Europäer, die eine Runde weiterkommen. Kicher. Die Schweiz und ihr überemotionaler Trainer Ottmar Hitzfeld, DAS Fußballland überhaupt. Ja, wer hat denn gegen Deutschland das erste Länderspiel bestritten? Ja, wer hat denn nach dem Weltkrieg (dem 2. und bestimmt auch nach dem 1.) gegen Deutschland gespielt, als alle Kinder (zu recht) nicht mit Deutschland spielen wollten? Das war die Schweiz. Und wo ist denn der Geist von Spiez zu Hause? Na, in Spiez. Das war jetzt einfach. Hier, aber ich kann jetzt gar nichts zur Schweiz sagen. Es ist mir so furchtbar egal. Mir ist so vieles an der WM egal. Es passiert irgendwas komisches, aber es scheint noch nicht so komisch zu sein wie die WM 2002. Es ist aber irgendwie alles total… nein, nicht langweilig… es ist so egal. Ja, wenn Deutschland jetzt Weltmeister würde, klar, da würde ich mich schon auch mal eine viertel Stunde freuen, aber was würde das mit mir tun? Was würde sich zwischen meiner Frau und mir ändern (Hoffentlich nix)? Was wäre am 14. Juli anders im Büro?

Ich habe meine erste Firma am Tag nach dem Finale 2002 gegründet. Es kütt mir vor, als wenn es vor 10.000 Jahren (gewesen) wär‘. Alles so egal. Und das ist verdammt nochmal Scheiße! Was ist geschehen? Ich glaube viel in mir ist ein gläsernes Kaninchen zerbrochen, als die WM 2022 nach Katar vergeben wurde. Da war ja wohl dem letzten Träumer klar, dass die Zeit von Uwe Seeler vorbei ist. Fußball ist kaputt. Völkische Überambitioniertheit und eine seltsame Führungsriege ganz oben, haben den Fußball kaputt gemacht. Drogba greift sich an den Sack. Diese WM ist irgendwas komisches, daraus resulitierendes. Es sind keine Fans mehr im Stadion. Keine richtigen Fans. Nur so Typen, die gar nicht wissen, wann sie jubeln sollen. Man kann sich ja auch keine Karten für bestimmtes Spiel kaufen. Man muss durch irgendwelche Gremien und dann wird gelost und geschoben, eh man sich die Begegnung Molwanien gegen Absurdistan anschauen darf. Ich kenne Typen, die haben am Vortag vom Finale 1990 zu mir gesagt, komm wir fahren nach Rom, vielleicht kriegen wir ja Karten. Da habe ich gesagt: “ Hahahaha! Ja, ihr Spinner. Fahrt schön mal alleine. Kein Mensch kriegt für dieses Spiel noch Karten.“ Und wer saß dann im Stadion und hat sich das Finale Deutschland gegen Argentinien angeschaut? Ich jedenfalls nicht. >:- (

Ich hasse Fußball.

Ich habe geträumt, ich wäre Pizza Sofia Loren essen mit Ralf E. Weber

Ich hab mal nachgerechnet. Wenn England gegen Costa Rica mit 251:0 gewänne und gleichzeitig rückwirkend Uruguay die beiden Tore vom 19. Juni abgezogen bekämen, dann wäre England eine Runde weiter und würde demnach auch Weltmeister, wie ich und meine Prognose es schon seit dem 2. Februar 1975 vorausgesagt haben. Wollen wir also mal hoffen, dass ein bisschen Gerechtigkeit ins kalte Fußballbusiness einkehrt.

Also es ist ja immer ein bisschen gemein, ständig auf den Italienern rumzuhacken. Vor allen Dingen, wo ich mir eine gemeinsame Zukunft mit meiner lieben Frau in der Emilia-Romagna vorstellen könnte und ich auch weiterhin gerne ein Fahrzeug aus Italien fahren möchte, wenn man mich lässt. Ich finde italienische Lebensmittel 1A und italienische Schlager, nun ja. Dafür aber italienisches Design und italienische Architektur und italienische Motorroller aus den 60er Jahren finde ich auch allesamt knork-o-mat. Wussten Sie, dass Helmut Kohl als Halbstarker mal eine Lambretta gefahren hat, der alte Mod?! Das lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Da möchte man seine alte Kutte im Garten verbrennen. Wenn das Jimmy Cooper, die alte Schlaufkrause wüsste. Es hätte seinen Bock gleich zu Anfang des Filmes von der Klippe geschmissen. Sagt man eigentlich zum Motorroller auch Bock oder bleibt das den Rockersleut‘ vorbehalten, ihre Maschinen so zu nennen?

So. Auf jeden Fall möchte ich, ja ich sehne mich, einbenommen des Bewusstseins, dass ich sehr liebe italienische und quasi gar keine uruguayanischen Freunde besitze (Besitz!!!), dass Italien verliert und zwar aus Rache, für alles was sie mir ganz persönlich angetan haben, die Italiener. Das mit 2006 hätte echt nicht sein müssen. Da hätte man auch mal ein Auge zudrücken können. Ich war so im Freudentaumel. All die bunten Menschen auf der Straße, das schöne Wetter und wie Schäuble es hingekriegt hat, dass man fast keine Panzer auf der Straße gesehen hat, da hätte man Weltmeister werden müssen. Das hat man sich verdient. Aber der Italiener musste sich ja wieder vordrängeln. Aber dann denke ich, was soll ich denn mit Uruguay in der nächsten Runde? Ich weiß gar nicht wo das liegt, ich war doch nie dort und wenn mich nicht alles täuscht, fahre ich da auch nie hin. Ich meine, ich gönne den Uruguayern ja alles Glück der Welt, aber ich fahre doch nicht wochenlang mit einem Schiff über den unsicheren Atlantik um schließlich im Hafen einer Stadt namens Montevideo zu landen. Video… das ist doch auch eher so Achtziger. Also ich bin für Italien. Was haben die Römer nicht alles für uns getan?! Sie haben uns den Wein gebracht und wir haben ihn in Tetra Paks gefüllt. Sie haben uns den Wein gebracht und ich habe Cola drauf gegossen. Sie haben uns gefüllte Schweinefüße gebracht. Ossobuco, Saltimbocca, Mortadella, Lardo (HEULKRAMPF), Fiore, Pecorino, Stracciatella di bufala, Kinder Schokolade, Pizza Sofia Loren. Großartig. Und die italienische Parmaindustrie hat schließlich den Schinken erfunden. Ja, dafür muss man die doch lieben. Ich bin für Italien. Plötzlich und unerwartet. Und weil ich es so liebe und weil ja doch der Balotelli und der Pirlo da sind und weil, ach scheißen wir doch auf die Sache mit 2006 und 2012 und 1982 und 1970. Italien gewinnt nach 0:3 Rückstand noch 5:3 durch Tore von Balotelli (1:3, 2:3), Pirlo (Elfmeter), Ciro Immobile (4:3, 5:3) und Diego Forlán sieht aus wie ein vier Tage alter Luftballon. Das mit dem vier Tage alten Luftballon habe ich dem @freval geklaut. Geben Sie bitte den einen Silberlöffel, den Sie 1979 Ihrer Großmutter geklaut haben, bei der Pfandleihe ab und setzen Sie alles auf Sieg.

(Und damit Sie auch mal was aus meinem Leben erfahren, hier ein Bericht von Frederic Valin, bei dem ich nie weiß wo die Striche über dem e hingehören, deshalb lasse ich sie einfach weg, über den Bolzplatz, auf dem ich mir mehrere Schürfwunden am Leib zugezogen habe und wo ich am 16. Mai 1992 italienischen Wein trank um das Spiel des 34. Spieltages, Hansa Rostock gegen Eintracht Frankfurt, zu vergessen. Der weinende Ralf Weber hat damals viel kaputt gemacht in mir.)

Adeus brazilein, ou assim

Ich mach’s kurz. Brasilien verliert heute Abend gegen Kamerun mit 8:0. Die Geister von Volker Finke, Otto Pfister Oscar Niemeyer und Winfried Schäfer vereinen sich und bohren sich in der 21. Spielminute wie so ein heiliger Geist in die Kameruner Spieler deep hinein. Die Manni-Kaltz-Bananenflanke, der Klaus Fischer’sche Fallrückzieher und andere Kopfballungeheuerlichkeiten geschehen auf dem Platz, dass den Brasilianern Hören und Sehen vergeht. Es bricht allgemeine Begeisterung aus. Kamerun befreit ganz Brasilien von dem unsäglichen Druck Weltmeister werden zu müssen, schmeißt Brasilien in der Vorrunde raus und ganz Brasilien sieht ein, dass ein guter Gastgeber zu sein, viel mehr die Herzen erwähnt, als eine Weltmeisterschaft. Ganz Brasilia wird strahlen und leuchten, die verdörten Wiesen werden in zartem brasilianschem Grün erstrahlen, die Brunnen fließen, die Kirchen bimmeln, der Regenwald wächst wieder, der VW-Käfer wird wieder gebaut, alle werden satt, Flip Flops werden verboten, das Volk tanzt. Alles ist so, wie sich die Architekten von Brasilia und ich uns das immer gewünscht haben. Lassen Sie also alles stehen und liegen, treten Sie Ihrem Chef in den Hintern, schlachten Sie Ihr Sparschwein, kündigen Sie Ihre Lebensversicherung, scheißen Sie auf Ihre Rentenansprüche und setzen Sie alles auf ein 8:0 in der Begegnung Kamerun vs. Brasilien. Sie werden es ggfl., eventuell, vielleicht, ganz bestimmt, wahrscheinlich, wirklich, meines Erachtens… nicht bereuen. Oder so.

 

Maggi Fix für Achtelfinalteilnahmen

Jetzt habe ich so lange „Desert Car Kings – Traumautos im Wüstensand“ auf DMAX geschaut, dass mir fast sogar ein bisschen schlecht ist. Ich glaube 78% aller Menschen, die in diesem Fernsehbeitrag durch die Kamera liefen, hatten eine Waffe dabei.

Mir ist immer noch schlecht. Kennen Sie den Satz „Ich habe noch eine halbe Tüte Chips im Schrank.“? Ich nicht. Letzte Woche war ich ja noch der Meinung, dass Deutschland (ich hasse diese Fliege, die mir soeben in den Mund geflogen ist) gegen Ghana verlieren sollte. Jetzt aber denke ich, sie sollten das Spiel lieber gewinnen. Der Ghaneser (es heißt übrigens Ghanaer) hat das Nachsehen. Aber womöglich hätten wir ansonsten kommende Woche so eine Endspielsituation mit Jürgen Klinsmanns Mannen und da wäre ich gar nicht so für. Orrr, dann würde er seine Mannschaft wieder kaputt motivieren und seine Adern träten aus seinem Hals, wie bei so einem Grillhähnchen und er würde schwitzen, wie die Ricola-Finnen in einer Sauna in Zürich. Und am Ende würden sich die glorygloryhallelujaseienden US-Boys auf irgendwelche Tugenden und Wurzeln besinnen und ach… das möchte man doch auch nicht. Man möchte doch nicht gegen die USA ausscheiden. Man möchte ja auch nicht von einem Putzlappen verprügelt werden.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon mal ein begeisterndes WM-Fußballspiel einer afrikanischen Mannschaft ohne Beteiligung von Roger Milla gesehen hätte. Man muss da schon Africa Cup kukken. Ja, und den Rest an Kampfgeist und Spiefreude haben dann Winfried Schäfer und Berti Vogts dem Kontinent genommen. Müssen Sie auch immer lachen, wenn Sie an das Trainergespann Berti Vogts, Thomas Häßler und Uli Stein denken? Nein? Ich auch nicht. Während Hans-Hubert Vogts und Uli Stein die ganze Zeit beleidigt in einer Eisdiele in Abuja rumhingen und über die Pünktlichkeit des öffentlichen Nahverkehrs lästerten, lag Thomas Häßler alleine auf seinem Bett unter einem Fliegennetz und hörte auf einem alten TPS-L2-Walkman mit leierndem Laufwerk Melodie Rock-Sampler seines eigenen Melodie Rock-Label. Ich sehe blühende Landschaften. Und übrigens geht es jetzt um Ghana und nicht um Nigeria. Da denkt der dauerleidende Eintracht Frankfurt-Fan (also ich jetzt) natürlich gleich an vergangene Zeiten, als Anthony Yeboah in 123 Spielen für die Eintracht, 68 Tore geschossen hat, wie so ein Gerd Müller. Was war das schön. Ich muss gleich heulen. Ich glaube ja, dass Kevin-Prince Boateng nicht richtig mitspielen darf, weil er, statt sich gefühlsmäßig ins Mannschaftsgefüge einzufügen, lieber alleine rechts hinten in der Ecke sitzt und auf seinem iPod Melodie Rock hört. Das kommt quasi nicht gut an bei Kwasi Appiah. Weil, so toll ist der auch wieder nicht, denkt der sich und wie er dem Ballack damals die Chance nahm sein 197. Finale in Folge zu verlieren, das war schon arg. Das fand Kwasi Appiah, damals noch ein kleiner Junge, der in einem Beamtenviertel am Fuße des Mount Afadjato vor seinem TV-Gerät den Vorgang genau verfolgte, sich weinend in seiner Michael Ballack-Bettwäsche wälzend schwor, dass er es dem Boateng eines Tages heimzahlen würde. Am 21. Juni 2014 war es soweit. Kevin-Prince Boateng spielt von der ersten Minute mit, verwechselt sich mit seinem eigenen Bruder und schießt 7 von 24 Toren für Deutschland zum 24:23. Anschließend setzt er sich in einen bereits bereitstehenden Bus, fährt nach Karlsruhe, nimmt mit dem bereits händereibend wartenden Icke Häßler das Melodie Rock-Album „It’s a little bit funny, wobei die Betonung auf little liegt“ auf und kauft sich von seinem Honorar eine Texasbar in Karlsruhe-Durlach. Bitte setzen Sie jetzt auf 24:23 für Deutschland.