WIR HABEN EIN RIESENGERÄT ERSCHAFFEN

Auf ein Wort (von Huck Haas)

Es war alles ganz anders. Ich komme nur viel zu selten dazu. Das Buch ist fertig. Es ist gedruckt und alle Autoren haben ein Belegexemplar bekommen. Die Vorbestellungen sind abgeschickt. Und es geht gleich weiter. Nächste Woche gehen wir ins Studio und drehen einen Film. Der Weihnachtsverkauf soll in die Puschen kommen. Es muss jetzt raus. Es ist ein teures Hobby.

Von der Schnapsidee bis zur Ausgabe ist es ein langer Weg. Ein Weg, auf dem viele Mails und Epistel geschrieben wurden. Viel von Acetylsalicylsäure genommen, viel Kamillentee getrunken, selten Schnaps, oft habe ich mir ans Herz und manchmal an den Kopf gegriffen. Durch meine liebe Frau Kiki und die wunderbaren Kollegen Jule Roth, Bernd Ringsdorf, Piotr Potegen und Gerrit Bruce Becht immer viel Unterstützung und sondervolle Hinweise auf verschiedenste Sachtatbestände erhalten und Raum und Zeit, um das alles überhaupt machen zu können.

Und schon oft sind wir die Wege alleine gegangen. Diesmal allerdings hatten wir Weggefährten. Sexy, sympathisch und auch sonst irgendwie allesamt geile Freunde und Sinnesgenossen auf die wir stolz sind und die sich ihre putzigen Ärsche für das Buch mal mehr oder mal weniger aufgerissen haben. Meistens mehr. Es war uns ein Fest.

Ein dreitausendfaches Hurra und eine Milliarde Dankeschöns gehen an die Autoren:

Maik Novotny / Architekt / Wien — Peter Breuer / Texter, Autor / Hamburg — Emma Zissou / Lehrerin / Biberach a. d. Riß — Derek Handwerkmann / Pro-Twitterer / Internet — Jessica Tropp / Frau von Klaus Tropp / Hannover — Anja Gottschling / Art Direktorin / Köln — Katharina Kuhn /  Dompteuse / Darmstadt — Martin Svitek /  Bonvivant / Düsseldorf — Robert Stulle / Kreativ-Direktor / Berlin — Mischa-Sarim Vérollet / Autor / Wien — Erdge Schoss / Autor / Spritztourist / Mainhattan — Marion Kuchenny / Radiofrau / Mainz — Bernd Ringsdorf / Stratege, Lebemann / Wiesbaden — Hendrik Spree / Copywriter / Köln — Ilka Müller / Studentin / Marburg — Thomas Ziese / Mediziner / Berlin — Ralph Kühnl /  Fernsehen / Mannheim — Mita von Gessen / Sambal Oelek-Ringerin / Salzburg — Edda Braun / Buchhändlerin / Ochsenfurt — Ansgar Oberholz / St. Oberholz / Berlin — Fletz von Grotendünk / Himself / Haus vor der Höhe — Robert Crnkovic / Texter, Eintrachtfan / Frankfurt/M — Matthias Sachau / Autor / Berlin — Hans Hütt / Autor, Blogger / Berlin — Dirk Baranek / Online Journalist / Stuttgart — Nilz Bokelberg / Fernsehstar, Vaterfigur / Berlin — Denise Peikert / Journalistin / Frankfurt/M — John Dreimorgen / Kunstfigur / Frankfurt/M — Maike Hank / Redakteurin, Poetry Spam / Berlin — Sylvia Oberstein / Mediendesignerin / Bonn — Dr. Christian Köhler / Leibarzt des Huck Haas / Wiesbaden — Jannis Kucharz / Netzfeuilleton / Mainz — Christoph Wienke / Comicladen Grober Unfug / Berlin — Ute Weber / Autorin / Bad Vilbel — Eva Neumann / Studentin / Mainz — Lena Reinhard / Texterin, Autorin / Berlin — Anja Bonelli / Internetphänomen / München — Jette Kerstin Damrath / Psychotherapeutin / Ulm — Alexandra Tobor / Autorin / Augsburg — Gerrit Bruce Becht / Kontakter, Astronaut / Wiesbaden — Lea Duckwitz / Lehmbruck Museum / Duisburg — Mogelpony / GleitzeittwItterer / Köln, Frankfurt/M — Karsten Loh / Ruhe & Frieden / Frankfurt/M — Claudia Vamvas / Akkordeonistin / St. Gallen  — Julia Roth / Stijlroyal / Dipl.-Kauffrau / Wiesbaden — Honke Rambow / Autor, Journalist / Essen — Hagen Terschüren / Redakteur / Oldenburg — Florian Blaschke / Kunsthistoriker / Köln, RuhrYork — Tanith / DJ, Legende / Berlin — Sibylle Berg / Göttin / Schweiz — Frédéric Valin / Fußballauskenner, Blogger, Autor / Berlin — Durst / Augsburg — Michael Bukowski / Autor, Texter, SM-RedakteuR / Berlin — Silke ‚Lu‘ Nolden / Texterin, Bloggerlegende / Düsseldorf — Daniela Warndorf / Texterin, Bloggerin / Köln — Mareike Ernst / Psychologiestudentin, steiler Zahn / Frankfurt/M — Lilian Kura / Texterin, Textzicke / Starnberg — Caro Buchheim / Journalistin / Freiburg — Isabel Bogdan / Übersetzerin, Autorin / Hamburg — Steffi Roßdeutscher / Juristin, Bein / Berlin — Sebastian Baumer / Prof., Elektronensouffleur / Hamburg — Piotr Potegen / Tochter des Huck Haas / Mannheim.

Die Entstehung einer anderen Welt.

Zu Beginn war alles anders. Es sollte ein Architekturbuch werden. Aber dann stellten wir schnell fest, dass dies nicht die Neuerfindung des Rades mit 63-Zacken gewesen wäre. Und dann schossen uns die vielen kleinen und stillen Örtchen dieser zum Teil zuckersüßen Stadt durchs Gemüt und wir stellten fest, dass Wiesbaden alles andere als zuckersüß ist. Weder die Administration, noch das Volk, noch wir, noch Ihr alle. Wiesbaden wird nass wenn es regnet, die Stadt darbt im Sommer und friert im Winter. Sie braucht dringend Liebe und Gründe zum Verbleib. Sie hat so vieles nötig und sie will so viel sein. Sie träumt von München, Düsseldorf und Hamburg, von Nizza und Sylt und sie ist doch nur Wiesbaden, die zentral gelegene Stadt mit dem komischen Namen. Sie hat das alles nicht gewollt und hätten die Amerikaner gegen Ende des zweiten Weltkriegs sich anders entschieden, die schönen Orte wären weggebombt worden wie in Mainz-Neustadt und Frankfurt-Sossenheim. Dann gäbe es dieses Buch nicht. Dann wäre ich nicht nach Jahren im Exil in diese Stadt zurückgekehrt, dann hätten sich Jule, Gerrit, Bernd und all die anderen vielleicht irgendwann in ihrem Leben für eine andere Stadt entschieden. Dann wäre der Stadt womöglich aber auch das Blasierte, Fremdelnde und Kaltherzige erspart geblieben. Daran muss man sich gewöhnen, wenn man hier wohnen will. Man muss drunter durch leben. Nebendran leben, ohne hinzuschauen. Und dann, nach Jahren, nach vielen Gängen durch kalte Straßen und mit hochgeschlagenem Bomberjackenkragen, dann sieht man, so man das möchte und danach gesucht hat, die vielen kleinen, putzigen Pflänzchen in dieser ja doch auch wunderschönen Stadt. Die Freunde, die Gemüsehändler, die Buchläden, Pizzabäcker, Hinterhofkreaturen, Büdchenbesitzer, Wurst- und Käsehändler, die feinen Damen, die drallen Blondinen, die schicken türkischen Mädels mit ihrem stolzen Gehabe, das Kopfsteinpflaster, das Moos zwischen den Gehwegplatten und die Kaffeehäuser. Es ist, als stünde man da und plötzlich erzählt der Refrain eines schönen Liedes Dir Dein eigenes Leben. Es ist dann Heimat.

Und das wollten wir einfangen. Und weil es schwingt, weil es Unsicherheit, Gedankenlosigkeit, Verwirrt- und Verirrtheit zusammen ist, haben wir Wildfremde gefragt, wie sie unsere Stimmungsbilder finden, die wir in mühsamer Arbeit in der Herrgottsfrühe zur Mittagsglut und in den Abendstunden eingefangen haben. Die wir immer wieder hinterfragt haben und dann gespannt zur Interpretation freigegeben haben. Es war so gleichsam erstaunlich, erschreckend, lustig, frapierend und auch verwirrend, was die Autoren in den niedlichen Bildchen gesehen haben oder was sie dachten, dort zu sehen und/oder was sie dann niedergeschrieben haben. Ich habe schlaflose Nächte hinter mir. Viele. Wie soll ich das der Stadt erklären? Wie soll ich das hier im Hause erklären? Wie soll ich’s erzählen dem Vater, der Mutter, der Kinder siebenköpf’ger Schar? Nichts ist mit Traumschiff-Atmosphäre. The Smiths „I Know It’s Over“. Was ist das Konzept dieses Buches? Was kommt als nächstes? Selbstmord? Ja, wenn man den Autoren glauben darf. Aber dann war es das was es ist. Wiesbaden ist nicht bloß Kur- und Landeshauptstadt mit einer alljährlichen Messe für Haushaltswaren, Wiesbaden ist rotten und down, schräg und krautig, wunderschön und grün, erhaben und ergötzend, schlicht und ergreifend. Wiesbaden hat eine Seele. Und was für eine. Und wenn man das Buch fertig gelesen hat, dann weiß man, wie es sich verhält mit der Wahrheit. Nämlich, dass sie keinen Pfifferling wert ist. Dass alles veränderbar ist und dass alles immer so ist, wie es wirkt und wie man es haben will. So ist es mit allem und jedem, auch mit dem Euro. Und jetzt haltet den Mund und kauft Euren Liebsten, Nachbarn, Kollegen, Müttern, Vätern, Steuerberatern und Finanzamtsleitern ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk, nämlich das beste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten:

Große Unterhaltung für Geist und Herz.
Pfiffige Sichtweisen auf eine im Grunde Ihres Herzens liebenswerte Stadt,
63 Menschen schreiben über 75 ihnen wildfremde Orte, Objekte, Sachverhalte
in Wiesbaden und kommen dabei auf Geschichten, die nie ein Mensch
zuvor gelesen hat. Märchenhaft, skurril, absurd und mal was ganz anderes —

Das Buch 63,75 

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