Am Ende gewinnt immer der Gewinner

Gleich ist Finale. Ich komme nicht mehr dazu, ich glaube ich kukk’s gar nicht. Ich habe keine Lust mehr. Ich frage mich, ob ich Fan eines Kreisligavereins werden soll. Ich stünde da alleine mit einer kalten R6 im Mundwinkel und schalem Bier im Becher und schaue mir an, wie die Mannschaft im Mittelfeld versinkt. Noch nicht mal regnen würde es. Tristesse K O M P L E T T. Um mal den Meister zu zitieren. Aber das wäre dann Fußball. Jetzt ist es irgendwas anderes. Das 7:1 gegen Brasilien und Louis van Gaal haben den Fußball kaputt gemacht. Und diese stundenlange Vorberichterstattung. Überhaupt, was ist denn Vorberichterstattung für ein Wort, welches ich hier beinahe wie selbstverständlich verwende? Es ist doch ein Graus.

Und dann: Jeder konnte doch sehen, dass es nicht unbedingt und ausschließlich an der gnadenlosen Brilianz der deutschen Nationalmannschaft lag, dass sie dieses komische Spiel gewonnen haben, sondern an den klebrigen Bewegungen der Brasilianer, denen jede Spiellaune abhanden gekommen schien. Da braucht man sich nicht zwingend was einzubilden, und das taten ja die Fußballspieler auch nicht. Anders jedoch die Medien. Mit welcher Arroganz der Südtiroler Markus Lanz in einer seiner Sendungen den Quoten-Argentinier Rodolfo Esteban Cardoso angrunzte, weil der kurz anmerkte, dass das Finale ja noch keinen Sieger, also auch keinen deutschen Sieger, habe. So was. Das muss man dem Trainer und der Mannschaft schon lassen. Solche Signale gab es da nicht. Jedenfalls keine, die ich vernommen hätte. Ja und deshalb muss man das jetzt erstmal gewinnen und dann kann man sich ja auch freuen. Aber wie kann man sich freuen? Soll man den Namen seines Landes aus dem Fenster brüllen? Einen Böller entzünden? Leise die Frau drücken? Am nächsten morgen nicht ins Büro gehen? Ausrasten und irgendwo einmaschieren? Ausländer aus dem Land rauschmeissen wollen? Gar nicht freuen? Bild-Zeitung kaufen? Schnaps saufen? So freuen, wie sich die FDP immer freut, wenn sie mal mehr als 5% Wählerstimmen haben, also stillos und unangebracht? Mit dem Auto einen Stau verursachen? Hupen? Was soll man denn machen, falls Deutschland heute abend Weltmeister wird? Natürlich, Deutschland wäre dann ja gar nicht Weltmeister, nur die Nationalmannschaft wäre dann Weltmeister und auch das nur im Fußballspielen und im Rahmen dieser zweifelhaften Organisation aus dem Land mit den Bergen. Verstehe. Also bin ich jetzt schon mal sauer. Wenn Argentinien gewinnt, weil ich das nicht möchte. Und wenn Deutschland gewinnt, weil ich ja all diese Freudenmaßnahmen ohnehin gar nicht unterstütze und zum Teil strikt ablehne. Also, die Frau leise drücken, das könnte ich mir noch vorstellen. Ich glaube, das mache ich. Falls die Frau nicht lieber hupen oder den Namen unseres Landes aus dem Fenster brüllen möchte.

Das Finale geht natürlich 4:1 4:0 für Deutschland aus. Zwei Tore davon schießt Gerd Müller oder wie der heißt. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Und natürlich fällt das Tor für die Argentiniern nur so am Ende, als alle schon am Feiern waren. Und die einzigen, die sich darüber so ungefähr 45 Sekunden lang aufregen, sind bin ich und Manuel Neuer. Also setzen Sie Ihre K O M P L E T T E Kamelherde auf einen 4:1 4:0-Sieg und kaufen Sie sich hinterher eine Kamelherde aus purem Silber Gold. Sie werden es nicht bereuen.

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Ein Gedanke zu „Am Ende gewinnt immer der Gewinner“

  1. Ich kann dazu nur sagen: Ich schließe mich dem an! Nur dass ich nicht meine Frau drücke, da ich keine habe, aber auch meinen Freund nicht drücke, weil ihn das Fußballgeplänkel absolut null interessiert. Ja, sowas gibt’s auch. (Und ich guck’s selbst auch nur zu EMs und WMs.)

    Also dann, auf dass die bessere Mannschaft gewinne – ohne sich dabei kaputtzukloppen.

    Liebe Grüße!

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