Aufwiederhähnchen in einer anderen, grelleren Welt

Jetzt mal was ganz anderes: Ich möschte das nischt mehr. Nämlich Twitter. Ich möchte nicht mehr die Möglichkeit haben, jeden eventuell originellen Gedanken irgendwo reinzuschreiben. Ich möchte das nicht mehr. Ich möchte das in mir sammeln und Leuten erzählen oder aufschreiben, die das interessiert. Irgendwann dachte ich, das ist doch alles total krank und absurd, dass man seine Gedanken in 140 Zeichen irgendwo reinschreibt. „Wie krank ist DAS denn?“, dachte ich und: „Wie krank BIN ich denn?!?“. Ich muss mich da lossagen. Dem ganzen Verbund, der ganzen Sippschaft, die ich zum Teil in mein Herz eingeladen habe, aber ja gar nicht kannte. Was ist das nur für ein Muster, dass man das macht? Wenn ich Leuten davon erzähle, die nicht twittern, dann haben die mich ausnahmslos traurig angeschaut und den Kopf geschüttelt. Nie hat jemand gesagt: „Oh, das finde ich aber interessant, was Du mir da erzählst, das will ich auch haben und zwar sofort!“ Wirklich nicht. Da hätte ich es schon merken müssen. Und dann habe ich aufgehört kreativ zu sein oder zu bloggen, ab genau dem Zeitpunkt, da ich anfing zu twittern. Da hätte ich es doch merken müssen. Ja, ok. Jetzt bin ich also ein weiterer Spack, der seine Twitterbeendung in seinem Blog umständlich beschreibt, wie so einer, der denkt, dass das jemanden interessiert. Glaube ich ja gar nicht. Weiß ich nicht. Aber wenn ich das mal aufschreibe, wird mir das auch klarer. Deshalb schreibe ich es auf. Und außerdem könnten die drei bis vier Menschen, die ich dort „kennengelernt“ haben, dies zum Anlass nehmen mir eine Mail zu schreiben mit „Hallo, ich bin und dort!“. Ich hab mir im Vorfeld, also letzt Nacht, drei Minuten lang, dass ich auch noch schreibe, wie komisch ich da 95% aller Beteiligten finde. Und, dass es mir ausgesprochen auf den Sack ging, dass mir zum Beispiel einer der 40.000plus-Twitterer im Namen verschiedener Fake-Accounts sein Missfallen mir gegenüber zum Ausdruck zu bringen. So was. Ich dachte mal, dass das wirklich die neuen Art der Kommunikation ist. Dass das total spannend, wenn man Leute nur anhand ihrer Fähigkeiten einen Gedanken auf 140 Zeichen verkürzt formulieren zu können, beurteilt. Ohne, dass man ihn oder sie gesehen hat. Ohne Kleidercodes, ohne Herkunftswissen, ohne soziale Abwägung, ohne alles. Nur der reine Text, am Ende der reine Gedanke. Das war ja auch mal eine gute Idee. Aber es hängen ja doch immer lauter richtige Kohlenstoffeinheiten an den Gedanken und das kann ich leider nicht weg diskutieren oder ignorieren. Mir gingen die Kohlenstoffeinheiten extrem nahe und dann kam noch ein Faktor hinzu, den ich total unterschätzt habe: Es gab eine Interpretation von dem was Huck Haas ist. Es gab irre Annahmen, die zum Teil überhöht mich als irgendeinen super Typen in den Gedankenuniversen diverser Leute kreisen liesen. Und das fand ich ja zunächst gut, aber dann…

Und dann gab es aber vermehrt die total verbreitete Annahme, ich sei irgendein boshaftes, zynisches Monster, gegen das man sich wehren muss und das irgendwie etwas ganz, ganz furchtbares im Schild führt. Zum Beispiel Leute für sein Magazin ausbeuten oder so. Hahaha. Solche Ideen könnte man schnell ausräumen und erklären und widerlegen, wenn diese Leute einfach Kontakt zu mir aufgenommen hätten und ihrer irren Gedanken mir mal offeriert hätten. Aber das war nicht drin. Also mussten sich dieses Gedanken in den Gedankenuniversen multiplizieren und schließlich explodieren und das Feuerwerk konnte ich mir dann anschauen, wenn ich zufällig mal aus dem Fenster schaute. Naja. Ach naja. Muss das denn sein?

 

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