Unser klägliches Brot

Der Kampf ums Überleben beginnt hierzulande bei der Frage: Was essen wir heute?

Dabei geht es im Rahmen der Überflussgesellschaft oft nicht um die Problematik, dass es nichts da wäre, sondern um die Dynamik des Vielen und Reichhaltigen und die Abstimmung der Launen und Geschmäcker zu einem bestimmten Zeitpunkt. Auf die Armut und das Verderben aufgrund von Geldmangel möchte ich hier nicht eingehen. Auf ein zynisches, tinituseskes Pfeifen wird man ohnedies in diesem Text nicht verzichten können und das ist auch gut so. Mehr…

RE:SOZIALI SIERUNGS MASS NAHME 2012

Es ist immer im Herbst und seit Jahren, da geh ich wie von der Geisterhand gebatscht auf die Website re-publica.de und dann steht da, dass genau JETZT der Kartenvorverkauf für die kommende Re:publica stattfindet und es nur noch sieben Earlydingsbummstickets gibt und dann schlage ich zu und dann weiss ich mein amiando-Passwort nicht mehr und der Prozess, bis ich es endlich habe, dauert so lange, dass nach dem reload der re-publica-Seite die Earlybirddingse ausverkauft sind und/aber ich habe zwei Tickets in der Mailbox.

Dann kommt der Nebel, das Laub fällt hinab, es schneit, dann regnet es wochenlang und dann ist re:publica.

Und heute ist sie schon drei Tage alt und jemand und noch jemand und dann noch zwei Leute haben gesagt, blog doch mal was. Darfst auch „der Blog“ sagen. Und dann fiel mir ein, dass der neulich aus unerfindlichen Gründen gelispelt habende Sascha Lobo auch gesagt hat, dass man bloggen soll und er hat auch „der Blog“ gesagt, aber niemand hat gemuckt, denn Sascha Lobo ist ein Star. So ungefähr wie Eva Horn oder der Lauer, nur noch größer und lustig zu gleichen Teilen. Manchmal denke ich, die schreiben von mir ab, das denke ich doch auch immer, aber rechtzeitig fällt mir dann ein, dass ich gar nichts geschrieben habe wovon man abschreiben könnte. Aber ich habe oft so eine Vorahnung. Zum Bleistift (sagt man das noch?) sitze ich da auf der re:publica und sage irgendeinen Namen und dann kommt der jenige, dessen Namen ich sagte auch tatsächlich vorbei. Grad gestern ist es genauso passiert mit dem Rapper @xbg. Es ist unglaublich, aber es ist auch wahr. Ich könnte 99 weitere Beispiele bringen und ich habe Zeugen.

Aber die klugen Nerds auf der re:publica kann man nicht so leicht beeindrucken. Das sind ja auch größtenteils Wissenschaftler. Mit denen rumzuhängen macht aber (trotzdem) großen Spaß und alle die sich aus ihrer traurigen Provinz oder von ihrem Balkon mit den verwelkten Pfanzen melden um kundzutun wie sie sich über Meldungen von der re:publica oder den Hashtag #rp12 ärgern, die sollten lieber einen Monat keine Zigaretten rauchen oder kein Extacy nehmen und sich für das ersparte Geld ein Ticket für die #rp13 kaufen.
Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit allen re:publicas. Gestern zum Bleistift (sagt man das noch?) habe ich von Nilz Bokelberg und Markus Hermann vom Guten Tag-Team persönlich erfahren, dass Sie direkt im Anschluss an die diesjährige re:publica einen längeren Afrika-Aufenthalt planen. Zu diesem Zwecke werden sie heute nachmittag mit einer Stretchlimousine Berlin in Richtung Afrika verlassen, was ich allerdings für etwas überkandidelt halte. Aber hier, wem’s Spaß macht.
Gerade jetzt, also am 4. Mai 2012 um 10:44 Uhr, sitze ich auf dem sogenannten Affenfelsen und Menschen starren in ihre Devices, zum Teil auch während sie mit jemandem reden der (theoretisch) praktisch ihnen gegenüber sitzt und seinerseits in sein Device starrt. Menschen… also gewisse andere Menschen, die sich für das „real life“ halten, finden so ein Verhalten unappetitlich, widernatürlich und sozial unkompatibel. Ich aber finde, der andere soll doch froh sein, dass er da sitzen darf und man nicht auf seine Hautunreinheiten starrt. Denn, ja es stimmt, wir haben alle Pickel und sind im wesentlichen zu dick oder Veganer oder (KREISCH) alles zusammen.
Ich freu mich jetzt schon auf den Affenfelsen und seine Affen und deshalb bin ich hier. Wegen der Affen. Von denen lerne ich hier einiges über Bananen und gegenseitiges Entlausen und respekt haben und ich erfahre, dass ich gnädiger sein soll zu den Menschen. Also noch gnädiger, quasi ultragnädig. Das mache ich jetzt. Ich gehe raus und bin ultragnädig. Das ist das was man hier lernen kann und was viele schon machen. Hier kann machen was man will, Frisuren und Sandalen tragen die nur der Tsunami erschaffen kann. Man darf auch gelaunt sein wie man will, trotzdem sagen Leute Dinge zu einem und bringen einem Kaffee und Bananen. Um aber diesen Zustand zu verifizieren muss man sich mal mit den Leuten treffen, auch wenn man sie aufgrund von Prosopagnosie nicht erkennt. Und dann liebe ich Sozialromantiker und Authisten und Menschen mit Gehirn und die sind alle hier und wenn alles gut läuft, kommt gleich @tristessedeluxe vorbei und nennt es Klassentreffen.

Eben habe ich übrigens vor dem Station-Tor eine sehr, sehr, sehr, sehr freundliche BVG-Angestellte darüber aufgeklärt, dass dies hier keine Modemesse sei sondern das Internet. Da war sie ganz baff. Ich bin dann reingegangen ins Internet.

Der Hirtenbrief der Bergkirche

Liebe Netzgemeinde. Seit nunmehr gefühlten 42 Jahren habe ich keinen Blogeintrag mehr gepostet und fühle mich daher, gemäß meiner protestantischen Herkunft schuldig. Und weil nicht noch einmal 42 Jahre ins heilige Land gehen sollen, ohne dass ich, der Urvater, quasi der Vater Abraham des Blogroyals, hier einen Gedanken hinterlasse, werde ich nun jede Woche vom Stijlroyal-Kollegium mit einem Thema in den Karzer geschickt um ebendies zu tun. Das Thema heute lautet „Blütenpracht“ und ich habe auch schon die Blütenpracht vor dem Fenster fotografiert um einen Blogeintrag zum Thema zu verfassen, als quasi der Bote des Herrn uns ein Signal ins Briefkästlein warf.

Und so schreibe ich nun über den Hirtenbrief der Bergkirche zu Wiesbaden.

Alles begann am Taufbecken der Bergkirche im Jahre 1967, als man mich ungefragt per Taufe einer Ideologie zuordnete, wogegen ich im Prinzip ja nichts hatte, erfuhr seinen Höhepunkt bei der Konfirmation im Jahre 1981 (ich erwarb mir vom Konfirmationsgeschenksgeld ein Bundeswehrmesser, einen Zauberwürfel und eine Stereoanlage, die irgendwann abbrannte, als ich sie als Bassgitarrenverstärker missbrauchte) und endete im Jahre 1996 in einer unsakralen Behörde in Berlin Kreuzberg, in der ich meinen Vereinsaustritt aufgrund von Interessendifferenzen bekannt gab. Ich finde Gott und die evangelische Kirche aber im Prinzip okay. Ich wollte das aber mit mir selbst ausmachen, was es da auszumachen gab.

Nun fand ich den o.a. Hirtenbrief im Firmen-Briefkasten. Das Titelblatt dieses 24+4-seitigen, in DIN A5 gehaltenen Broschürchens gefiel dabei überaus gut. Es ist einfach schlicht, aufgeräumt und man findet eine Grotesk (auf den ersten Blick Frutiger 65 Bold) die zurückhaltend montiert dort Titel, Art, Herkunft  und Datum der Broschüre verkündet. Dazu gesellt sich ein pinkener Hirsch (Popart) und sakrale Innenarchitektur  (Neogotik) in seiner schönsten Form. Sogar der hellgraue Kasten oben rechts fügt sich unüberflüssig ins Gesamtbild ein. Das hat man selten. Es gibt viel Geknorze in diesem Fachbereich zu betrachten. Und weil ich so erfreut über mindestens das Titelblatt bin, möchte ich auf die in der Tradition von Gemeindeblättchen der späten 70er Jahre aufgebauten Inhaltsseiten gar nicht weiter eingehen. Klar kann man heutzutage bei Hautfarben die Rottöne soweit reduzieren, dass der Abgebildete nicht aussieht wie ein Bluthochdruckpatient der Alarmstufe HKS 15 und ein bisschen an den Tonwerten herumschrauben könnte man in Zukunft bei den Bildern auch nochmal, aber dafür ist die Laufschrift im Inneren (Times New Roman) in 14pt gehalten auch gut lesbar. Der Herr hat’s genommen, der Herr hat’s gegeben. Schwamm drüber.

Und danke auch für den zwinkernden Titel des Gesamtwerkes: Um Himmels Willen.

P.S.: Dieser Text enthält weder absichtlich noch wissentlich Ironie oder derlei Andeutung.

Stimmt ja auch

Bestes Lied 2011 und Hymne 2012.

(Anleitung: Video abspielen und Text unter Berücksichtigung von „Ironie“ bitte aufmerksam hören und dann kurz aber herzlich lachen.)

K61/Royal Bureau

 

 

Guten Morgen.
Das Herz muss flammen und das Auge flimmern, wenn man den Raum betritt. Sonst ist alles nichts. Nach der Bestellung des Teppichs in fuchsia (aka dunkelpink) jetzt noch die Krone an die Wand in Form dieser obenstehenden Landschaftstapete mit Bergmotiv und die Sache ist geritzt. Ein Traum. Wir planen im Schlafsack davor zu übernachten, wenn es soweit ist.
Wir ziehen an den Berg. Da wo Licht ist. Da wo Ruhe ist. Da wo wir weit schauen können. Da wo keine grünen Mazda-Cabriolets unseren Direktionsparkplatz kaputtparken. Wo höchstens wir mal einen Jägermeister trinken, aber nicht die Typen da drüben auf den Waschbetonhockern. Wo wir unseren Kunden auch mal eine Wurscht braten, wenn sie uns besuchen. Da wo 17 Baumsorten im Blick die Sinne verzücken. Wo die Vöglein zwitschern und die Luft fast wie bei Heidi windet und lustig in der Nase kitzelt. Da hin ziehen wir. Schon bald. Es steht an.

Stijlroyal ist die Firma

Als ich im Jahre 2007 einen Twitter-Account anlegte, da wusste ich nicht im geringsten, wem ich bittesehr schreiben sollte, was ich gerade mache. Ungefähr ein Jahr später fiel es mir ein und ich aktivierte den Account mit der Idee für unser Stijlroyal Magazin zu twittern. Mir fiel aber nur persönlicher Nonsens ein und so wurde es ein privater Twitteraccount mit dem ich persönlichen Nonsens twittern, bis alle Menschen dachten ich sei wirklich so. Ich bin ja auch so. Keine Sorge. Später, so ab der ersten Twitterlesung im August 2008, stellte ich dann fest, dass ein zum Teil niederländisch geschriebener Twitternamen in Kombination mit einem Lamm als Avatar zu Irritationen führte. Stielroyal. Das Schaf. Und so. Wie süüüüüüüß. Echt? Ich überlegte mir ein Nilpferd als Avatar anzulegen. Da hieß ich aber landauf/landab schon Stielroyal und konnte auf diesen Ruhm nicht mehr verzichten. Ich war süchtig. Ich war krank.

Nach einer Neuorientierung Anfang 2010 etablierte ich dann “Stijlroyal” als Namen meiner neuen Firma. Die Identifikationskompliaktionen namen zu. Und weil ich ja auch bei der Telekom als “Stijlroyal Haas” verzeichnet bin, habe ich heute (also gestern) die Notbremse gezogen und meinen stijlroyal-Account in @HuckHaas umbenannt. Und Huck Haas heiße ich ja nun WIRKLICH. Da findet man mich bei Facebook und G+ auch als Huck Haas und ach… what shall this than. Der Twitter-Account für die Firma @stijlroyal_com heißt jetzt @stijlroyal und jetzt hat alles seine Richtigkeit. Amen.

Hier, wollt ich nur mal sagen.

Meine Meinung zu meiner Meinung

Hurra, es gibt was Neues zum Reinschreiben von Meinung. Am letzten Donnerstag war’s, glaube ich. Da klappte ich morgens das Macbook Air auf und jeder, der eine richtig wichtige Meinung hatte und sich berufen fühlte, der schrieb das Wort “Google+” in Twitter hinein. Na Prost Mahlzeit, dachte ich. Jetzt hängen die alle den ganzen Tag auf Google+ rum und ärgern uns Mittelspäte Adopter indem sie “Google+” in Twitter reinschreiben. Ich darf gar nicht dran denken. Aber dann hatte ich auch Google+ und dachte “Wow, ich habe ja auch Google+”. Als erstes zieht man alle Leute in seine Kreise (da muss man dabei gewesen sein), die man auch schon von Twitter oder Facebook kennt oder man tut so, als kenne man die Leute schon von LinkedIn, IRC oder vom Chaos Computer Club oder sowas. Die Leute aus Berlin ist auch cool oder von irgendeiner Gefängnisinsel, auf der man mal saß wegen Hackens von Dingen. Als ich dann alle möglichen Leute in meinen Kreisen hatte, da dachte ich, jetzt schreibe ich mal etwas richtig Kluges, denn Google+ ist ja nun TOTAL super und alle die am Donnerstag schon drin waren, sind die Creme Brüllee unter den Internetfuzzies. “Wow!” dachte ich, denn ich war ja auch einer von denen und ich bin es noch. Schon die Typen vom Freitag können eigentlich heim gehen.
Also, was schreibe ich denn jetzt mal?

Ich dachte ein paar Tage nach und als ich gerade was tiefgründiges über meine Gefühle für Google+, oder wie wir Donnerstag-Fuzzies sagen G+, schreiben wollte, passierte folgendes: Dann schrieb nämlich Sascha Lobo, was halbironisches, voll gemeines und achtelbösartiges aus dem hervorging, dass es total peinlich ist, dass man dauernd nur Reflektionen über Google+ schreibt. Das war mir natürlich dann peinlich. Zum Glück habe ich das dann gelesen und sah davon ab, was über Google+ zu schreiben. Man macht sich ja unmöglich. Und gerade als ich was dazu sagen wollte, dass ich es auch total krass finde, dass in Frankreich das Trafohäuschen in einem Atomkraftwerk brennt, während “nebenan” ein paar Typen die Hochzeit von zwei Leuten feiern und die Medien nur über die Hochzeit berichten, es war glaube ich eine Märchenhochzeit, nicht jedoch über das brennende Trafohäuschen, wo doch Fuji… Furu… Fugo… na Dings noch gar nicht richtig zu Ende gebrannt hat. Der Herr, der das veröffentlicht hat, heißt Richard Gutjahr und er führt ein Blog, das glaube ich alle kennen, außer ich jetzt. Ich konnte die Empörung ein bisschen nachvollziehen, fand das aber auch ein bisschen zu… puuh… ja… bemüht die Paniktrommel rührend. Aber vielleicht bin ich ja auch zu unsensibel. Ich habe ja schon 1986 im Fallout von Tschernobyl gestanden und meinen Schlüssel gesucht, der ins Gebüsch gefallen war. Da ändert sich das Gefühl für die Zusammenhänge. Und als ich aber, weil ich auch mal irgendwas sagen wollte, auch mal was sagen wollte, da schrieb ein anderer, dessen Blog ich sehr wohl kenne und seit Jahren schmunzelt lese, Felix Schwenzel, was ganz anderes. Hui, dachte ich. Das hört sich ja noch viel kompromissloser an und dann fand ich das noch viel besser, als die Meinung des Herren zuvor. Also jetzt nicht des Herren an sich, sondern die des Herrn Gutjahr, obwohl ich die ja nicht schlecht fand. Ist ja auch krass wie egal den Menschen immer alles ist. Finde ich wirklich, hört sich jetzt sarkastisch an, vielleicht sogar zynisch, aber es ist noch nicht mal ironisch. Aber der andere Herr, der Herr Schwenzel trifft’s meistens auf den Punkt. Da kann man sich mal eine Scheibe abschneiden von.
Nun, dachte ich, wie soll man da eine Meinung ins Internet schreiben oder gar in dieses formidable Google+ wenn man sich nicht für eine der unzähligen Meinungen entscheiden kann? Für welche Wahrheit soll ich mich bloß entscheiden? Und dann fiel mir auf, dass ich schon seit Jahren keine Blogeinträge geschrieben habe. Gut, neulich lag ich im Krankenhaus, da war ich schlecht gelaunt und musste die Wurst von meinem Zimmernachbarn fotografieren und so tun, als sei das meine Wurst und davor war Weihnachten und davor war ich gelangweilt von mir selbst und von den Umständen. Was soll man denn schreiben, wenn man zurfrieden ist? Zufriedenheit ist wie Wachkoma, nur machen sich die Angehörigen nicht so viele Gedanken. “Der ist ganz zufrieden.” sagen sie dann und sind zufrieden. Neulich hat der Groszkotz zu mir gesagt, dass ihm meine Blogeinträge fehlen würden. Da musste ich ein wenig weinen und habe darüber nachgedacht, was ich mal schreiben könnte und mir fiel auf, ich hätte niemals was schreiben sollen. Das war doch alles nur Meinung. Wissen ist bei mir gar nicht abrufbar, dazu bin ich viel zu dumm, Meinung geht schon. Ging. Vielleicht hat man in jungen Jahren viel mehr Böcke auf Meinung. Im Alter fragt man sich dann: Was mach ich hier eigentlich, ich bin doch viel zu alt. Und dann brät man sich einen Storch oder geht schlafen oder beides.
Nicht, dass mir alles egal ist. Ich freue mich ja auch über den Atomausstieg und ich ärgere mich über den Krieg und den Zynismus und über Roland Koch habe ich mich sehr intensiv geärgert und über Jan Fleischhauer, Richard Williamson, Idi Amin und Paul McCartney. Über Nazis ärgere mich auch jeden Tag, aber was soll man denn da noch schreiben. Wahrscheinlich würde ich auch was schreiben, aber es schreiben doch schon 42 Quadriliarden Menschen was darüber und alleine schon meine 150 Kreisbewohner da/hier auf Google+, die schreiben den ganzen Tag Erkenntnisse hier rein über alles was es gibt. Über Katzen jetzt auch. Aber vor allen Dingen darüber, was andere, deren Meinung noch viel besser und schöner und größer ist, über Google+ denken und es nicht nur gedacht, sondern niedergeschrieben haben. Drum denke ich jetzt ganz intensiv nach, über was ich mal eine Meinung haben könnte. Es müsste etwas sein, über das sich noch kein Mensch je Gedanken gemacht hat. Oder es müsste was sein, was in meiner speziellen Meinungsdarreichung so exorbitant und bizarr ist, dass die Menschheit ausrastet und alle es verlinken. Sogar Johnny Häusler und Udo Vetter. Vielleicht frage ich mal meine komischen Offlinekumpels, was die so den ganzen Tag denken und vor sich hin meinen. Die haben ja noch eine ganz andere Form der Meinung. Die wissen zum Beispiel gar nicht wer Johnny Häusler, Felix Schwenzel und Udo Vetter sind. Sascha Lobo haben sie schonmal im Fernsehen gesehen, als er was über unser Rentensystem gesagt hat. Da waren sie beeindruckt und da habe ich gesagt: “Der hat schonmal da gesessen, wo Ihr gerade sitzt und Rotwein verschüttet und ihr habt kein bisschen Respekt. Macht mein Sofa nicht kaputt. Und jetzt raus, und kauft Euch Computer und geht ins Internet, ich kann Euch nicht mehr sehen. Mich so hinzustellen, als sei ich bekloppt, weil ich ins Internet schreibe. Raus jetzt!”
Ist doch wahr.

Original aus huckbook.tumblr.com / http://huckbook.tumblr.com/post/7236737557/meine-meinung-zu-meiner-meinung

Wie man erfolgreich Kunden Geduld beibringt.

Und das kam so. Im Monat August rief ich bei dem Telekommunikationsunternehmen an, bei dem wir zuvor schon Kunde waren um einen neuen Telekommunikationsanschluss für unser neues Büro zu bestellen. Zwar gab es grob geschätzt 17.000.000 preisgünstigere Telekommunikationsanbieter, aber weil wir ja unsere Telefonnummer mit ins neue Büro nehmen wollten, da sie ja schon als Brandmal auf unseren Rindern, auf unseren Visitenkarten sowie in den Gedächtnissen unserer Kunden fest verankert waren, sparten wir uns das Gedöns mit der Freigabe des Telekommunikationsnetzes vom Besitzer des Telekommunikationsnetzes an ein anderes, günstigeres Telekommunikationsunternehmen und bestellten “der einfachheithalber” den neuen Anschluss beim Telekommunikationsunternehmen, das im Besitz des Telekommunikationsnetzes ist, also beim Telekommunikationsunternehmen, bei dem wir schon so lange Kunde sind. Privat und geschäftlich. Das muss doch eine Bedeutung haben, dachte ich, als ich das Telekommunikationsunternehmen im August anrief.

Nach ca. einer viertel Stunde in der ich zunächst das richtige Schlagwort meines Anliegens erraten durfte, Hinweise für iPhone-4-Interessierte, Musikuntermalung der Extraklasse (not) und mehrfache Hinweise, dass aber nun der nächste Mitarbeiter extra und fast sofort nur für mich zur Verfügung stünde, meldete sich ein fröhlicher Berliner. Vielleicht war es auch ein Brandenburger, ich glaube aber es handelte sich um einen Berliner und zwar um einen Westberliner. “Wa! Ick thag ma thoo…” sagte er und lullte mich ein. Statt eines Geschäftsanschlusses mit fester IP verkaufte der fröhliche Westberliner mir nun das Entertainment-Plus-Mega-3.000-Ultra-Vorteil-Yeah-Humba-Humba-Humba-Täterä-all-in-all-rundum-sorglos-Paket. “Und ditt wird am 13. September freijeschaltet. Is ja keen Ding. Wir kenn ja den Vormieta, ditt is überhaupt keen Problem und ditt Paket ist ja ooch viel bessa, als allet andere und… wa!” Ich war überzeugt, legte auf und wischte mir das kleine Blutrinsal vom Haupt, welches mir aus dem Ohr floß. Also zogen wir am Wochenende vor dem 13. September ins neue Büro ein und schauten dabei eigentlich nur beiläufig in den neuen Briefkasten, fanden dort jedoch einen Brief des Telekommunikationsunternehmens worin es schrieb, dass unser Telekommunikationsanschluss pünktlich am 1. Oktober freigeschaltet würde. Unser im Telekommunikationsverzeichnis verzeichneter Name lautete: “Stijlroyal Design & Strategie Joerg” und die feste IP-Adresse können wir uns in den dafür vorgesehenen Allerwertestens stecken. Darauf rief ich beim Telekommunkationsunternehmen an. Ein fröhlicher Mann aus Bayern fragte mich dann auch sogleich entrüstet, was denn bitte ich mit einer festen IP-Adresse wolle. Das sei nichts für mich. Schließich hätten wir ja das Entertainment-Plus-Mega-3.000-Ultra-Vorteil-Yeah-Humba-Humba-Humba-Täterä-all-in-all-rundum-sorglos-Paket bestellt und da sei nun mal keine feste IP-Adresse drin. Selbst schuld. Da war die Freude natürlich in ausgelassenster Form am Vorhandensein. Und nun? Was soll man denn eigentlich machen, als Büro ohne Telekommunikationsanschluss? Und noch besser, was soll man als Büro, dass sich u.a. intensiv mit dem Internet beschäftigt ohne Telekommunikationsanschluss machen? Hier hätte sich der Werkschor des Telekommunikationsunternehmens vor unserem Büro aufstellen müssen um den Song “Ihr – könnt – nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt, ihr könnt, ich könnt nach Hause gehn” zu skandieren. Also arbeiteten wir zwei Wochen zum Teil aus dem Home Office oder im Büro mit UMTS-Sticks, iPad und Rufumleitung aufs iPhone, wobei der Empfang von Funknetz sämtlicher Telekommunikationsunternehmen eher als praktisch bildbar zu bezeichnen ist. Nach zwei weiteren erfolglosen Telefonaten mit Angestellte des Telekommunikationsunternehmens aus Sachsen und Hessen, rief dann das Telekommunikationsunternehmen von selbst an und wollte ausgerechnet mit mir zusammen einen Kundenzufriedenheitsfragebogen ausfüllen. Das war so ziemlich das absurdeste Telefongespräch aller Zeiten. Die Angestellte Replikantin des Telekommunikationsunternehmens wollte eigentlich gar nicht wissen was ich von dem Telekommunikationsunternehmen und seiner Hingabe zur Problemlösung halte, obgleich sie mich immer wieder und immer wieder danach fragte. Sie fragte alles mehrfach und wollte dann aber keine Antwort wissen. Da wirkte sie angestrengt. Nach ca. 20 Minuten und einem Ozean an Redundanzen beendeten wir das Gespräch einvernehmlich und ich ging wieder hinein ins unser Büro ohne Telekommunikationsanschluss. Ich bin ja zum Telefonieren hinaus gegangen, sonst hätte ich mich die Frau auch akkustisch nicht verstanden. Am 1. Oktober war es dann endlich soweit, ich verließ meine Wohnung, in der wir diesmal arbeiteten und fuhr ins Büro um den Telekommunikationsanschluss in Emfpang zu nehmen, denn er wollte ja an diesem Tag kommen. Er war dann schon da. Ich nestelte die Telefonanlage an die Telekommunikationsbuchse in der Wand und tatsächlich, nach nur wenigen Minuten Ratlosigkeit konnte ich via Telekommunikationsfestnetz die Kollegen in meiner Wohnung anrufen und einen funktionierenden Telekommunikationsanschluss vermelden. Danach widmete ich mich dem DSL-Anschluss. Ich hatte den fröhlichen Westberliner, mit dem ich im August telefonierte ja extra mehrfach gefragt, ob ich den neben einem “Splitter” und dem obligatorischen “NTBA” noch ein anderes Gerät bestellen müsste, wenn ich eine Apple Time Capsule als Router verwenden wolle. Also fuhr ich in einen Fachgroßhändler für elektronischen Schnick Schnack, wo allerdings alle herumstehenden Verkäufer sofort wegliefen, wenn ich auf sie zu ging. Also fuhr ich in ein Fachkleinhändler für speziellen, überteuerten, aber dafür besser aussehenden elektronischen Schnick Schnack und beobachtete einen Fachverkäufer dabei, wie er mir mit dem Tempo einer Weinbergschnecke elektronischen Schnick Schnack verkaufte, worüber ich einschlief. Erwacht im Büro stellte ich fest, dass mir ein DSL-Kabel zum Anschluss des Routers an den NTBA fehlte… oder wars der Splitter? Ich fuhr also erneut in zum Fachkleinhändler für speziellen, überteuerten, aber dafür besser aussehenden elektronischen Schnick Schnack und kaufte eine winziges DSL-Kabel für 9,99 Euro. Auf die Frage, warum man mich denn nicht einfach mal darauf hingewiesen hätte, dass das dringend benötigte Kabel beim Gerät nicht beiläge, lief man fluchs hinter einen Vorhang und verbarg sich vor mir. Ich fuhr also erneut ins Büro und wer jetzt von der Geschichte ermüdet ist, fühlt sich sicher immer noch nicht annährend so müde wie ich mich da fühlte. Auf jeden Fall schloss ich das Kabel zwischen die entsprechenden Gerätschaften und siehe da, es funktionierte immer noch nicht. Also rief ich wieder bei der Telekom an. Es dauert auch nur 12 Minuten und 36 Sekunden, bis ich jemanden “am Rohr” hatte: “Wie es mir scheint, benötige ich, damit ich das Internet via DSL besuchen kann noch ein DSL-Modem. Hat man das vergessen mit zu senden oder wie verhält sich das?” “Das haben wir noch nie mitgeschickt.” “Als ich den letzten DSL-Anschluss bestellt habe, hat man es noch mitgeschickt.” “Das muss lange her gewesen sein. “Es war letztes Jahr.” “Das kann nicht sein.” “Doch, das war so.” “Kann nicht sein.” “Doch.” “Nein, hören Sie auf damit.” “Es war aber so.” “Glaube ich nicht.” “Uns jetzt?” “Sie können eins kaufen oder leasen.” “Aha!” “Ja, das dauert ca. eine Woche. Aber sie wissen ja, wie das mit unseren Zusagen ist.” “Ich brauche das Gerät aber am Montag.” “Dann haben sie Pech gehabt.” “Und jetzt.” “Tja!” “Kann ich das Gerät auch in einem ihrer Telekommunikationsstützungpunkte kaufen?” “Wenn sie wollen.” “Okay, dann mach ich das.” “Ja okay.” “Ist ihnen egal, was?” “Wenn ich ehrlich bin, ja.” “Das hätte mir der Kollege aus Westberlin auch gleich sagen können.” “Aufwiederhören.” “Hallo?” Ich war sehr, sehr müde und sehnte mich obendrein nach Betäubungsmitteln. Am nächsten Tag fuhren wir wieder ins Büro. Wir hatten uns ein DSL-Modem besorgt und verbanden dies fachgerecht zwischen Spitter, NTBA, Time Capsule und TAE-Box. Und siehe da… es funktiniorte nicht. So riefen wir wieder beim Telekommunikationsunternehmen an, welches uns mitteilte, dass das ja klar und logisch noch nicht gehen würde, denn sie hätten unser DSL ja gar nicht freigeschaltet. “Was denken sie denn, natürlich haben wir das nicht am 1. Oktober freigeschaltet. Wer denken sie denn, wer wir sind?” “Ein Telekommunikationsunternehmen?” “Das denken sie!” “Und warum haben sie es denn nicht freigeschaltet, es war doch nun wirklich ohnehin schon zwei Wochen später, als…” “Wir hatten keine Lust.” “Was???” “Wie bitte?” “Was haben sie da eben gesagt?” “Nichts!” “Und wann wird das Internet nun freigeschaltet?” “Weiss ich nicht.” “Wer weiss es denn?” “Weiss ich nicht. Ich nicht.” “Also?” “Warten sie einfach ab.” “Äh!” “Aufwiederhören.” So fuhren wir wieder nach Hause um am nächsten Tag zu prüfen, ob das Internet nun freigeschaltet war. Und siehe da: es war! Wir freuten uns und lagen uns den Tränen nah in den Armen, bis einer das Telefon ausprobierte. Es war tot. Vielleicht war es letzte Nacht an einer DSL-Freischaltung verstorben? Und, dass immer noch unsere Telefonnummer auf der alten Anlage im alten Büro lag, war zu diesem Zeitpunkt auch egal. Es interessierte niemanden, wir hatten nicht mehr die Kraft uns zu wundern, zu ärgern oder darauf zu reagieren. Draußen trat ein Knabe die Straßenlaternen aus. Eine Grille zirbte, Leguane huschten im Dunkel auf dem Mauersims umher. Der Mond stand fahl am Himmel. Es roch nach Erdbeerkaugummi. Und das kam so. Im Monat August rief ich bei dem Telekommunikationsunternehmen an, bei dem wir zuvor schon Kunde waren um einen neuen Telekommunikationsanschluss für unser neues Büro zu bestellen. Zwar gab es grob geschätzt 17.000.000 preisgünstigere Telekommunikationsanbieter, aber weil wir ja…

Original gepostet auf huckbook.tumblr.com / http://huckbook.tumblr.com/post/4080468005/endlich-ein-bisschen-telekommunikation