Empathie, Politik und Aha. Ok.

Jetzt mal wieder was Unpolitisches und so was ähnliches wie meine Meinung. Man kann’s ja oft nicht ändern. Neulich, also eben und gestern, letzte Woche, die letzten Jahre und zwar täglich schrieb ich ins Netz. Irgendwann mal kontrovers, dann hatte ich die Reaktionen satt, die blöden Kommentare (blöd, nicht weil sie nicht meiner Meinung entsprachen (ja gut, deshalb auch), sondern vielmehr, weil mich oft dünkt, dass die Verfasser und Verfasserinnen meinen Post gar nicht gelesen haben, nicht lesen wollten, nicht verstehen wollten, nicht verstanden haben, nicht in der Lage waren zu verstehen oder schlicht und ergreifend ignorant und tendenziell oder grundsätzlich „dagegen“ sind, ganz egal, um was es geht) und der mangelnden Möglichkeit, das was ich sagen wollte, so zu vermitteln, dass es auch der letzte verblödete, untote Ostgote versteht. Zudem erzähle ich ja meinen ganzen Schmonz fast ausschließlich Leuten, die ohnehin irgendwie stilistisch und politisch bei mir sind. Mal von persönlichen, albernen Aversionen abgesehen, sind ja die meisten Leute, die ich als Leser meines Blogs, das tatsächlich dies Jahr am 26. August 14 Jahre alt wird, als Twitter-Follower oder als Facebook-Freunde gewonnen (HAHAHAHAHA GEWONNEN) habe nun ja doch nicht vollkommen verblödet (naja, außer zwei… vielleicht drei, vier… sagen wir fünf) sind. Also glaube ich für mich, dass ich meine Hebel woanders ansetzen muss. Wenn es wirklich ernst wird, ist physisches Handeln wahrscheinlich effektiver, als irgendwas ins Netz zu schreiben. Jedenfalls gilt das für mich, mit meiner Reichweite und dem Grad meiner Seriösität. Ganz sicher hat das Wort an sich eine Macht und kann etwas bewegen. Nur habe ich mich im Netz auch eher als launigen Clown positioniert und die Ironie ganz oft sicher überstrapaziert. Die Ironie, die ich ganz oft gar nicht verstehe und die auch ganz oft gar nicht so ankommt, wie sie geplant war. Irgendwann war ich es leid und fand, dass es einfach für mich keinen Sinn mehr macht, meine Gedanken irgendwo reinzuschreiben damit sie, ob des bloßen Loslassens etwa, als Perlen vor die Säue generiert, nicht verstanden oder einfach gar nicht gelesen werden. Da sind (da kannst du sagen was du willst) Blogzugriffszahlen oder die Anzahl derer die etwas auf Twitter oder Facebook lesen doch irgendwie wichtig. Man kann schon unbedarft und treuherzig vor sich hin brabbeln, aber es ist halt dann auch für die Katz (HAHAHAHAAHAHA KATZ). Oft denke ich daher, ich müsste diesen ganzen SocialNetworkShit einfach sein lassen, alle Apps löschen und mich dem Generationenroman oder meinen Leinwänden widmen, die unten im Keller stehen und vor sich hin gammeln. Oder ich sollte die whatsapp-Gruppe „REHE“ ernster nehmen und die Rehe hier auf dem Gelände der Gräfin melden, damit sie vom Gärtner erschossen werden. Nein, vergiss es, es gibt keine whatsapp-Gruppe „REHE“. Du musst nicht alles glauben. Also. So lulle ich mich selbst damit ein, mich als dauerrülpsenden Rüpel zu inszenieren oder irgendwie langweilig zu brot-kleinsein, obgleich in meinem Ohr der Tinnitus kreischt und auch sonst mein Kopf mal dringend von innen mit dem Sandstrahler ausgespült werden müsste. Als ich neulich mal eine Serie von Bildern mit mehr oder weniger aus allen Zusammenhängen gerissenen Motiven mit Broten auf ello.co postete wurde mir prompt Schuld für dessen Niedergang aufgrund von unpolitischen Brotbildern angedingst (#nonmention). Nun will ich aber gar nicht politischer schreiben, als ich es tue. Wohl auch, weil ich es leid bin, weil ich dessen müde bin. Es wird viele überraschen, aber ich habe mich politisch geäußert, agitiert und mich aufgerieben, lange bevor ich mich in politischen Internetforen beschimpfen habe lassen (müssen). Ich habe Dinge mit meiner 100 Milliarden Jahre alten Adler-Reiseschreibmaschine, bei der die Tasten mit dem A und dem E klemmten, aufgeschrieben und sie mit der Post verschickt oder sie an Bäume geheftet, ich habe geschrien, gerumpelt und gepumpelt und am Ende konnte ich dann doch keine wesentlicheren Veränderungen ausmachen und da habe ich mich dann auf die kleine Zelle konzentriert und versuche nun intern zu wirken. Mit meinen Nachbarn, Freunden, Girlfriends und Ehefrau(en), Kollegen und auch Kolleginnen, Vermietern, Hofladen-Besitzerinnen, Metzgersgattinnen, Taxifahrern und von mir aus auch mit dem Typ da drüben, mit denen versuche ich in Dialog zu treten, denen gehe ich auf die Nerven, die gebe ich längst nicht auf. Aber diese zähe, schleimige Masse im Netz kann ich jetzt persönlich einfach nicht erreichen. Kaum nur. Eigentlich gar nicht. Machen wir uns nichts vor. Schon jetzt in diesem Moment frage ich mich, für wen ich das hier überhaupt aufschreibe. Wahrscheinlich für Kiki oder Andreas Stöckmann. Hallo Kiki, hallo Andreas Stöckmann. Mehr Leser werde ich eh nicht… ach nee… kokett… Aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich möchte also keine politischen Brote posten.

ellobrote

Aus diesem Grunde und aber auch aus folgendem Grund, den ich hier nun aufführen möchte und zwar nach dem Doppelpunkt: Und zwar bin ich im Dezember 2010 auf eine profane Glasscherbe gelatscht und weil ich dachte, „Das ist ja wohl eine allerprofanste Glasscherbe!“ habe ich der Glasscherbe, es war wirklich eine winzige Glassscherbe, keine Bedeutung beigemessen, bis ich ca. 4 Wochen später ein lila Bein an meinem Leibe baumeln fand und den Notarzt rief. Die gute Nachricht: 10 Wochen später humpelt ich mit zwei Beinen aus dem Krankenhaus. Die semiokaye Geschichte: In diesen Wochen schob man mich sieben Mal in den grün gekachelten Operationsraum wovon man mir einmal sogar das Bein absägen wollte, jedenfalls sagte man mir das und schob mich in den grün gekachelten Operationsraum, ich verabschiedete mich von dem Bein und schlief ein. Wiedererwacht fand ich das Bein an Ort und stelle und deutlich mit dem Resthuck (ich) zwar verbunden aber verbunden. Das Gefühlsaufkommen von dem Moment, an dem ich mich von meinem Bein verabschieden musste, bis zu dem Moment an dem „man“ sich entschied das Bein auch „erstmal“ dran zulassen, ist mehr oder weniger ambivalent. Sechs Wochen jeden Tag zwei kommunikationsgestörte Ärzte in sein Krankenzimmerchen schlurfen und lustlos am Bein herumfummeln sehen, die dann auch nur widerwillig die Frage beantworteten, ob das Bein dran bleibt oder dann doch „ab“ kommt, macht gelinde gesagt etwas mürbe. Ich will nicht jammern, ABER…

Schließlich blieb es dran. Aber weil auch alles nicht immer so einfach ist, wie es zunächst wirkt, sind diverse Komplikationen aufgetreten in deren Folge ich nun an Krücken (es sind immerhin Carbonkrücken) nur umständlich herumlaufen kann. Tanzen geht auch ganz, ganz schlecht. Zudem sind da einige Nerven derart lädiert, dass sich das Bein meistens so anfühlt, als stünde es in kochendem Wasser. Auch nicht so ideal. Ich halte das aus. Es ist ein bisschen lästig und man muss eben damit klarkommen, dass Menschen einen mitleidig anschauen. Mitleid ist ja im Grunde ganz lieb gemeint und darum auch klaglos anzunehmen (HAHAHAHAHAHAHAAHAA KLAGLOS). Das und diverse andere Abenteuer in meinem Leben haben die Perspektive verschoben. Ich sehe „es“ anders, als viele andere. Mir ist schneller wuppig, aber ich bin auch von einem blauen Himmel derart zu begeistern, dass ich dann fast heulen könnte vor Freude und Glücksempfindung. Boderline? Dazu kommt ein Umstand der mich schon seit Kindesbeinen an begleitet (DOPPELPUNKT) Mein Kopf schreit mich an. Das führt einerseits zu kreativen Prozessen, lustigem Gehampel, vielen, vielen Ideen, Visionen, Zuständen, Träumen, Aufgeregtheiten, endlosen Monologen, Selbstgesprächen, schreiend davonlaufen, es mit Kiffen und/oder Alkohol versuchen, innerer und äußerer Einsamkeit, Nervendefekten, Tinnitussys und aber manchmal ist es auch scheiße. Ich suche daher Ruhe. Ruhe, Langeweile, den Zustand des Dösens… das wären drei Wünsche an die Zukunft. Und weil das so ist, weil weder Ruhe, Langeweile und/oder der Zustand des Dauerdösens hier fröhliche Urständ feiern, kann ich manchmal nicht noch zusätzlich einen Kriegsschauplatz aufmachen. Ich kann oft schlicht und ergreifend die Relevanz-Messlatte nicht mehr überspringen. In mir schreien sich so viele Geschichten an, dass ich in mir kaum noch andere Geschichten aufnehmen kann. Mir ist zu viel Geschichte in mir. Ich kann oft keine Filme ertragen, schon gar keine Serien, nur wenige Bücher, Timelines nur partiell. Alles rattert. Nur Dokus über Teichfolien und Putzerfische gehen. Ich bin ein sogenannter Kreativer. LOL.

Das alles macht mich nicht unglücklich und ich empfinde mein Leben auch eher okay und schon auch wahnsinnig (HAHAHAHAHAHA WAHNSINNIG) spannend und ich hab mit allerlei seltsamen (ich meine das schöne seltsam) Menschen zu tun. Auch die Frau, die hier mit mir wohnt und die ich besitzergreifend und wenn mich der Hafer sticht, manchmal als MEINE Frau bezeichne, die machen das Leben schön. Ich wohne zudem da wo andere noch nicht mal Urlaub machen. Irgendwie habe ich es ein bisschen zu was gebracht (iPad im Klo, Auto mit Rückwärtsgang) und auch in meinem seltsamen Beruf (eigene Tastatur, Kreditkarte, Visitenkarte mit silbernem Pony drauf). Das hat sich aufgebaut und entwickelt und ich kenne auch die Zeiten ohne Krankenversicherung und eher zukunftsperspektivisch im Goldenen Handschuh am sein, aber ich halte diese Unkenzeiten für extrem wichtig um das wesentliche, wirkliche Glück überhaupt als solches zu erkennen. Drum hat mich auch die Geschichte von Claudius Holler nicht ganz kühl gelassen. Aber ich kann will einfach keine bemüht politisch und/oder megametasozial anmutende Dinge ins Netz schreiben, weil ich sie mir vorher umständlich überlegen und an ihnen arbeiten müsste und mit deren Wirkung, deren Umständen, an dem was sie mit mir machen und eventuell mit anderen, müsste ich leben, kann ich aber nicht. Das Bild: Ein brennender drei Meter großes Clown läuft schreiend in eine Menschenmasse und mahnt dann zu Ruhe und Besonnenheit. So wäre das dann. Ich kann das nicht. Ich bin nicht die Ruhe selbst. Ich bin die Ambivalenz, der Schrei, die Sirene, der Hund, der unablässig auf der Gummiente herum kaut, das komplizierte Arschloch, der misanthrope Klassenclown. Mir ist grad nicht danach. Es kommt bestimmt wieder. Eines Tages mach ich das. Eines Tages. Doch nicht jetzt. Ich denke auch lieber nicht darüber nach, warum ich das hier überhaupt aufschreibe. Vielleicht veröffentliche ich das auch gar nicht.

Ach Mist, zu spät.

Kann man nichts machen.

|

Ein Gedanke zu „Empathie, Politik und Aha. Ok.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

/