First World Problem Child

Grad darüber nachgedacht, die Blogeinträge zur WM offline zu stellen. Manchmal hat man sowas. Aber dann, ach was soll’s. Heute morgen haben wir im Büro die Übertragung der Rückkehr der Weltmeistertypen beobachtet. Das war Rahmenprogramm war schlimm. Was denken sich dieses übergestülpten Macher, die Helene Fischer und die Höhner einladen und auch noch wirken lassen. Es ist dann doch irgendwie so, dass Welten zwischen den Welten liegen. Nach der WM ’86 sind wir in ein Argentinisches Steakhaus gegangen und haben dort Salzstreuer und Ketchupflaschen geklaut. Aus Rache. Manchmal hat man sowas. Jemanden einen Salzstreuer klauen, weil er aus Land kommt, aus dem auch Fußballspieler stammen, die… ach was soll’s. Ich soll ein Buch schreiben, hat man mir gesagt. Ich wüsste gerne, was ich da reinschreiben sollte. Eine Geschichte vielleicht? Von Liebe? Aus meinen Abenteuern in meinem Büro? Über Freundschaft am Arbeitsplatz? Über Salzstreuer aus Argentinien? Soll ich meine Memoiren schreiben? Ich kann mich kaum mehr erinnern was gestern war. Ich könnte über Kräuterseitlinge schreiben. Kräuterseitlinge könnte ich den ganzen Tag essen. Ich wollte mal mit einem Wohnmobil durch Europa fahren und ein Buch über Supermärkte machen. Wollte fremdländische Verpackungen fotografieren und fremdländische Ravioli kochen und Mineralwasser trinken und was über’s Rülpsen schreiben. Ein Standardwerk über das Rülpsen und zugleich eine elegische Reisebeschreibung in Kombination mit Bildern von Supermarktkassiererinnen in Action. Aber dann fand ich Supermärkte plötzlich uninteressant. Die große Zeit der Supermärkte ist vorbei. Supermärkte haben zu viel Zeug. Man weiss gar nicht mehr, was man kaufen soll. Und dann kauft man gar nichts und dann, ganz am Ende der Gänge, packt man hektisch grüne Bohnen, Vanille-Duschgel und knallbuntes Feinwaschmittel ein, weil man sich denkt, dann wär ich ja umsonst zu diesem Supermarkt gefahren. Man hat quasi nichts gekauft, dafür aber 157,86 Euronen bezahlt. Und dann schleppt man elf Tüten mit Nichts zum Auto. Vielleicht schreibe ich über Bogenlampen, hier stehen ja zwei rum. Bogenlampen sind der Knaller. Neulich habe ich über die Fußballweltmeisterschaft geschrieben. Ich habe mich bemüht auf amüsante Weise so zu tun, als habe ich keine Ahnung von Fußball. Das kam voll gut an. Fast wie so ein Handwerksblog. Wenn ich Katzen nicht so erbärmlich fände, würde ich über Katzen schreiben. Ich glaube, da hätte ich meine Leser und auch Leserinnen. Wenn ich Katzen nicht so erbärmlich finden würde. Es tut mir ja leid. Aber es ist ein Grauen mit Katzen. Vielleicht fände ich Katzen gar nicht so schlecht, wenn Menschen nicht so beschissene Katzengeschichten erzählen würden. Aber darf ich mich beschweren? Ich hatte mal eine Hasen, der hat getwittert. Wir haben uns eine bEstimMte aRt üBerLegT, wiE er sChrEibEn würde, wenn er schreiben könnte. Menschen haben ihm Weihnachtsgeschenke geschickt und sie haben ihm Briefe geschrieben. Er hatte seinen Duktus. Oft dachte ich, das ist nicht okay, dass er ungefragt einen Duktus bekommt. Er hätte womöglich nicht zugestimmt. Er hätte gesagt: „ABeR, iCh biN doCh gANz aNdErs, hAbT iHr dEN aRScH oFfen, miCH wiE eiNEn beScHiSsENen iDIoteN dArzUstELLeN?!“ Manchmal tut es mir leid, dass wir ihm einen Duktus verpasst haben, weil wir wohl am Ende selbst dachten, er sei so, wie wir ihn gemacht haben. Ich glaube er wollte nur essen und schlafen. Ich vermisse ihn.

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