Fußi-EM 2016 / Arrivederci Torino

Man muss sich nichts vormachen. Heute ist Endstation. Ab 22:45 Uhr wird geweint, vielleicht auch ab 23:15 Uhr. Eventuell auch nach dem Elfmeterschießen.  Auf jeden Fall wird morgen auf Halbmast geflaggt und geflennt. Natürlich nicht beim Italiener. Aber beim Deutschen. Warum sagt man eigentlich nicht „Ich geh zum Deutschen.“, wenn man Jägerschnitzel essen geht? „Da drüben ist mein Lieblings-Deutscher!“ sagt man ja nicht, oder? „Beim Deutschen um die Ecke…“. Und man spricht auch nicht den Deutschen beim Vornamen an: „Hey Horst, mach mir mal einen schönen Schnaps, gebrannt aus ausgepresstem Weintraubenabfall und danach hätte ich gerne ein Springindenmund, aber flott!“ Macht man nicht. Weil wir uns fremd sind. Und obwohl wir uns fremd sind, flennen wir rum, wenn der Ausländer kommt und uns ein bisschen Wärme und Geborgenheit schenkt. Weil wir mit Gefühlen nicht umgehen können. Außer jammern natürlich. Das Gefühl des Jammernmüssens, dass kennt der Deutsche gut. Und heute Abend darf gejammert werden. Endlich. Am Montag bricht die Wirtschaft zusammen. Aber, hey, was soll’s?! Es kommen auch wieder bessere Zeiten.

DEUTSCHLAND vs. ITALIEN
Der oft nicht um sehr, sehr schlichte Antworten verlegene Thomas Müller hat neulich gesagt, dass er sich nicht vor den Italiener fürchtet, weil, der helfe einem immer auf, wenn er einen umgerempelt hat. Da mag was dran sein. Außerdem habe das Spiel heute nichts, aber auch gar nichts mit den Spielen zuvor zu tun und es gibt auch keine realistische stochastische Auswertung, die besagt, dass man heute Abend auf jeden Fall verliere. Und da hat Thomas Müller Recht. Heute ist eine andere Zeit. Jeden Tag ist eine andere Zeit. Harald Schumacher, Uli Stielike, Bernd Förster, Karlheinz Förster, Hans-Peter Briegel, Manfred Kaltz, Paul Breitner, Wolfgang Dremmler, Horst Hrubesch, Karl-Heinz Rummenigge, Hansi Müller (LOL), Klaus Fischer und Pierre Littbarski stehen heute auch nicht auf dem Platz. Bei manchem dieser Namen mag man sagen: Ein Glück! Ich konnte nie was mit Karl-Heinz Rummenigge anfangen. Heute schon gar nicht. Der deutschen Mannschaft stehen 11 (+Einwechselspieler -Auswechselspieler) Italiener gegenüber, die alle schon den Bau der Cloaca Maxima oder des Jupitertempels miterlebt haben und man kann froh sein, wenn die Herrschaften nicht über ihre Togen stolpern. Allerdings verfügen diese Herren über außergewöhnliche Fähigkeiten und sind top banana in den Packingcharts. Da muss man aufpassen. So verfügt der Mittelfeldspieler Daniele De Rossi über die nicht zu unterschätzende Fähigkeit Tore zu schießen, was er in 108 Länderspielen auch prompt 18x mal unter Beweis gestellt hat. Da muss man aufpassen. Ebenso beschlagen ist der Stürmer Graziano Pellè, der in nur 14 Spielen bereits 6 Tore geschossen hat, was für einen Italiener einer Gerd Müller-esken Übernatürlichkeit nahe kommt. Doch damit nicht genug: So haben sowohl Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini, Matteo Darmian, Mattia De Sciglio als auch Angelo Ogbonna in jungen Jahren eine Ausbildung zum Maurer gemacht und da mit summa cum laude abgeschlossen. Da hat Antonio Conte die Qual der Wahl. Ehrlich gesagt, sehe ich da keine Schongse für den Manuel und seine germanischen Kumpels von nördlich des Brenners. Deutschland verliert also 0:0. Auch nach Elfmeterschießen steht es 0:0, aber dann beschließt der japanische Schiedsrichter und Skispringer Viktor Kassai, dass Deutschland nun die Heimreise antreten muss und während Joachim Löw noch an seinen Fingern riecht, die diesmal nach Lavendel duften, kommt auch schon der Bus, den Mario Götze verpasst, weshalb er nach Hause laufen muss.

tl;dr
Es geht gleich atemberaubend los und Thomas Müller schießt endlich sein erstes Eigentor. Die italienische Abwehr, vom Lachen noch nicht erholt, wird da auch schon von Joshua Kimmich und Leroy Sané überrannt, die für den Ausgleich in der 11. Minute sorgen. Von da ab geht’s bergauf und die Deutschen gewinnen durch Tore von Mario Gómez, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger (die sich danach ihre Liebe eingestehen und heiraten) sowie Julian Draxler mit 5:1.

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