Fußi-EM 2016 / Geilheitson

Also, das war ja gestern nicht zum Aushalten. „So was möchte ich nicht nochmal erleben“ vs. „Wegen sowas guckt man den Kram doch überhaupt“. Natürlich mussten die Unvermeidlichen wieder schwadronieren, dass das dann doch ein würdeloses Ende sei. Ein würdeloses Ende ist das Ende an sich. Das Ende aller Tage, das Ende vom Leben, das Ende der Würde, das Ende einer Ente eventuell auch, aber ein Elfmeterschießen ist doch so was wie „Vom Winde verweht“ oder „Antropophagus 2“. Das muss doch auch mal sein. Und fragen Sie mich jetzt nicht, was das für ein Beitragsbild hier ist. ES HAT SCHON SEINEN GRUND!!!

FRANKREICH vs. ISLAND
Natürlich möchte man dann heute Abend kein Franzose sein, es sei denn man ist Franzose, da fällt es ja nicht weiter auf. Ob überhaupt, mal von Fred Valin und den Franzosen abgesehen, heute irgendjemand für Frankreich ist? Selbst die hartnäckigsten Ich-bin-dagegen-Sager (m/w/trans) sind heute vor den Bildschirmgeräten vereinte Isländer. Island hat noch nie so viele Einwohner gehabt, wie heute Abend. Und vielleicht am Donnerstag, wenn dann die Isländer gegen die Deutschen verlieren, aber da bin ich dann doch nicht für die Isländer.

Ich weiß noch, wie ich mal beim EM-Finale mit Tuborg Bier, Prince Denmark-Zigaretten und einem Dannebrog bei einem Public Viewing für Dänemark war. Als dann die Dänen gewonnen haben, bin ich schnell nach Hause gegangen. Es war deprimierend.

Naja, sagen wir mal, ich bin für die, die besseren Fußball spielen. Wenn die deutschen Jungs „es“ vergurken, braucht man ja auch nicht traurig zu sein und dann freue ich mich für die Isen. Ich habe die letzten Tage ein paar Nazis im Netz gefunden, die waren allesamt gegen die deutsche Mannschaft, wegen des Negers und dem Ausländer an sich, der bei „uns“ mitspielt. Damit konnten sie sich nicht identifizieren. LOL.

Also, ich war ja schon immer Fan des isländischen Fußballs und hatte schon als Kind Wimpel von FH Hafnarfjörður, ÍBV Vestmannaeyjar (der Verein aus dem Ásgeir Sigurvinsson hervorging) und Breiðablik Kópavogur über meinem Kinderbett hängen. Überhaupt… Ásgeir Sigurvinsson. Ohne den wäre doch der verdammte VfB Stuttgart 1984 niemals Deutscher Meister geworden. Weder 1984 und 1992 SCHON MAL GAR NICHT!!! Und wer weiß schon, dass die englische Torwart-Legende David James (LOL) mal beim ÍBV Vestmannaeyjar zwischen den Pfosten stand?

Und Frankreich? Naja. Nur ein Beispiel: Der so semigroße Didier Six fristete ein elendes Dasein beim Zweitligisten VfB Stuttgart und sogar (da musste ich sogar ein bisschen weinen) beim VfB Leipzig. Och jöh. Niedlich. Die stellten 1903 den ersten deutschen Fußballmeister. Naja. Aber da war Didier Six ja quasi noch flüssig. Da ist er, sozusagen, im Rückgrat seines Vaters Aufzug gefahren. Aber das ist alles lange her. 1998 ist auch lange her. Ein damals geborener Mensch, darf im Deutschland des Jahres 2016 Auto fahren, wählen gehen und Schnaps in sich rein schütten, als wäre die Leber nur ein schlapper Lederball auf dem Speicher von Tante Olga. Wer erinnert sich noch an Fabien Barthez, Laurent Blanc, Marcel Desailly, Bixente Lizarazu, Lilian Thuram, Didier Deschamps, Christian Karembeu, Patrick Vieira (der Bildhauer), Zinédine Zidane, Thierry Henry und David Trezeguet? Ja gut, in Frankreich jeder und auch sonst fast jeder, aber was haben die Franzosen sonst für uns getan? Na, bitte. Da haben wir’s doch.

Und deshalb gewinnt Island mit einem Tor in der 91. Minute durch ein Tor von Jón Daði Böðvarsson. Und wenn ich den 1. FC Kaiserslautern nicht so furchtbar fände, würde ich mich sogar darüber noch mehr freuen, als ich es eh schon tun werde und darauf können Sie einen lassen.

Beitragsbild: © nikhg – fotolia.com

 

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