Fußi-EM 2016 / Lumpenkugeln

Ach Du lieber Himmel, was da gestern wieder auf dem seltsamen „sozialen“ (HAHAHA) Medium (HAHAHA) Twitter los war. Eijeijei. Ich bete zu allen mir zur Verfügung stehenden Hähnchengöttern, dass manche Menschen sich nie genau anschauen, was da auf Twitter manchmal abgeht. Auf jeden Fall, naja, ist jetzt (also während ich das schreibe) Halbzeitpause bei WALES vs. NORDIRLAND und die Schweizer sind gegen Polen im Elfmeterschießen ausgeschieden. Bis ich hiermit fertig bin, ist auch Wales Nordirland ausgeschieden. So will es der Brexit- Remain-Fluch. >:- (

FRANKREICH vs. IRLAND
Eigentlich müssten sich doch Fliegen von Fliegenklatschen eher erlöst fühlen, ob ihres sinnlosen Daseins auf Erden. Doch wahrscheinlich können sie ihre Situation gar nicht so genau erfassen und so ist es ihnen egal, ob sie leben oder sterben. Doch wie komme ich jetzt von meinem kranken Verhältnis zu Stubenfliegen auf die Begegnung Frankreich gegen Irland?

In Frankreich war ich schon ganz oft und wenn in mir je auch nur ein Fliegenhirn großes Gefühl dafür schlummern würde, ich könnte die Sprache in einer irgendwie nachvollziehbaren Zeitspanne so lernen, dass ich mich mit Leuten dort ironisch über Fußball, Essen, Liebe, das Leben, mein Leben, deren Leben, deutsches Brot, Nuancen der Farbe Weiß, Horst Seehofer, Massentierhaltung und über die Dämlichkeit deutscher „Komiker“ mit und ohne dämliche Perücken unterhalten könnte, ich würde dort hinziehen. Vielleicht ins Département Alpes-de-Haute-Provence wo ich mit der Frau und den Hasen und noch Ziegen und einem oder zwei Esel eine Hütte bewohnen würde und wo wir dann umgehend die Ziegen und die Esel aus der Hütte in einen eigenen Stall befördern würden, weil, so geht’s ja nicht. Ich finde an Frankreich vieles gut. Das Essen, die Landschaften und das französisch sein zu aller erst. Das reicht ja auch. Politisch… schwierig. Da habe ich Sorge. Wegen des Fußballs würde ich nicht dahin ziehen. Ich glaube, Fußball ist überhaupt nur für Zuwanderer, die in Hinterhöfen barfuß auf Lumpenkugeln eintreten interessant und bietet eventuell eine Chance irgendwann nicht mehr in Hinterhöfen auf Lumpenkugeln eintreten zu müssen. Und diese Verbesserung der Lebensqualität sei ihnen auch von Herzen gegönnt. Aber… also ich wohnte mal ganz zufällig irgendwann Anfang der Neunziger einem Heimspiel des AS Monacos bei. Damals spielten George Weah und der junge Youri Djorkaeff unter Arsène Wenger dort und die Zuschauer klackerten mit den Diamanten. Das Stadion war auffallend sauber und glitzerte in der Sonne wie verrückt und alle waren sehr höflich miteinander und ich konnte mir lebhaft vorstellen, dass es bei Olympique Marseille zuhause anders zugeht. Das war auch die Zeit, da zogen die Monegassen gegen SV Werder Bremen (O Gott, o Gott, darf man den überhaupt noch nennen?) ins Finale des Europapokals der Pokalsieger ein. Dieses Finale schaute ich mir hingegen auf einem Fernseher bei Worpswede an und verbrannte anschließend meine Illusionen auf einem Kartoffelfeuer. Meine Illusionen habe ich inzwischen wieder gewonnnen, worüber ich sehr froh bin, mit dem französischen Fußball kann ich aber leider, leider nichts anfangen und hier bitte möge Frédéric Valin mit verzeihen. Ja, okay. Patrick Vieira ist ein Bildhauer. Aber der irische Fußball, der traditionsreiche irische Fußball, der bedeutet mir viel. Robbie Keane hat immerhin in seiner Karriere 3 WM-Tore geschossen. Oder Pat Bonner, der zwischen 1979 und 1998 ungefähr 197x irgendwas mit Celtic Glasgow gewann. Von seinen Leistungen bei der WM 1990 möchte ich gar nicht reden. Also, das ist eine Fußballnation. Und wenn der irische Verband auch nur 5.000 Tickets für dieses Spiel abbekommen hat, so werden es die Iren mit ihren singenden Irren auf den Rängen doch schaffen die Mannschaft so zu motivieren, dass vorne was geht und hinten halt nicht so viel. Ich glaube, dies zu hoffen, sind wir ihnen schuldig, den Iren, dann was haben die Iren nicht alles für uns getan?!

Irland gewinnt mit 2:1 durch Tore von Teddy Shering…BATSCH!!!

DEUTSCHLAND vs. SLOWAKEI
Also, Fritz Walter-Wetter hat uns neulich da ja auch nicht weitergeholfen. Obwohl das in Augsburg beim 3:1 für die Slowaken ja eher Arche Noah-Wetter war. Wie hieß Noah eigentlich mit Nachnamen? Man erfährt nur, dass er von Beruf Patriarch war. Was ist denn das für ein fürchterlicher Beruf? So. Ist die Slowakei jetzt ein Angstgegner? Warum auch nicht? Ist Boateng wieder auf dem Damm? Warum auch nicht? Zur EM 2008 gab’s eine Qualifikationsrunde, da haben die Slowaken zweimal gegen Deutschland verloren und deshalb…

Oh, ich muss eingeschlafen sein.

Ich muss immer lachen, wenn ich sehe, dass jemand vom 1. FC Köln in der Nationalmannschaft spielt. Was ist denn da schief gelaufen? Außerdem würde ich gerne mal Leroy Sané vorne sehen. Außerdem würde ich gerne sehen, dass das Spiel irgendwie ausgeht. Nicht so wie die Spiele am Samstag. Das war ja furchtbar. Irgendwelche Leute sprachen davon, dass man doch nur die top banana Taktik in dem Spiel Portugal gegen Kroatien erkennen müsse und das Spiel schließlich nur für Fußballdeppen langweilig sei. Das mag ja alles sein, aber leck mich am Arsch, so kann’s doch auch nicht sein. Dass sich da Christiano Ronaldo in so eine Abwehrtaktik einbinden ließ, war schon ganz süß anzusehen, dass der so sachdienlich spielen kann. Putziger CR7. Und wie der dann dem Dings hinten die Pille abgenommen hat und ganz nach vorne gelaufen ist (ohne Pille) und dann die Pille gefordert und den richtigen Pass (der aber auch ein bisschen versehentlich aussah) auf den Ricardo Quaresma schoss, das war schon auch schön anzusehen. Ein Arbeiter. Einer der für die Mannschaft da ist. Nach 117 Minuten. Ich muss weinen. Nein, ja, okay, nein, so ein Spiel will ich heute Abend nicht sehen. Ich will einfach tapfere, schön aufspielende Jungs sehen, für die man sich nicht schämen muss und dann soll halt (von mir aus) Deutschland mit 3:0 gewinnen und dann ist es doch auch gut. Da haben doch alle was davon. Ich natürlich zu erst und aber auch die Slowaken, denn die dürfen endlich wieder heimfahren und Kapustnica, Bryndzové halušky, Sviečková und Vyprážaný syr in sich reinstopfen und alle sind glücklich. Ich natürlich am meisten.

UNGARN vs. BELGIEN
Ja, wenn jetzt Belgien, der eigentliche Geheimfavorit der letzten 129 Europa- und Weltmeisterschaften nicht endlich mal was zeigt, dann bin ich raus. Dann könnt Ihr mich mal. Dann esst doch Euren Waterzooi alleine. Ich habe ohnehin das Gefühl, dass das schlicht und ergreifend Wasserdampf ist, was einem da serviert wird, mit Pommes. Suppe mit Pommes. Also es wird Zeit, dass da mal Brüssel das Machtwort ergreift. Natürlich das EU-Brüssel und nicht das Belgien-Brüssel. Das Belgien-Brüssel soll sich da raushalten. Das ist eine Angelegenheit, die… äh… jetzt habe ich den Faden verloren.

Ja, also der Kevin De Bruyne… oder ich sag’s mal anders: Christiano Ronaldo, der oft Gescholtene, der hat im Verlauf des Turniers 32x aufs gegnerische Tor geschossen. Gareth Bale tat dies als zweibester Aufstorschießer des Turniers bisher 19 Mal. Thomas Müller acht Mal, Götze sieben Mal. Und ich kann Kevin De Bruyne in dieser Statistik (die ich der ZDF-Videotexttafel 282 entnommen habe (und jetzt muss ich dringend das ZDF wieder abschalten, denn da läuft der Fernsehgarten und ich muss gleich kotzen) gar nicht entdecken. Merken Sie was, Kevin De Bruyne? Falls Sie überhaupt noch was merken. Es wird Zeit. Und am Ende ist es mir egal, wer hier gewinnt. Falls die Ungarn wirklich besser und begeisternder spielen, sollen sie auch gewinnen und wenn nicht, dann find ich die Belgier irgendwie… äh… ja, wie finde ich denn die Belgier? Immer wenn ich mit der Frau durch die durch und durch pittoresken Niederlande fahre und dann auf dem Heimweg zwecks Durchfahren die magische Grenze nach Belgien überquere, dann merkt man vor allen Dingen daran, dass man in Belgien ist, dass da Müll auf der Straße liegt und die Häuser gleich einstürzen. Es gibt auch weit und breit keine Pommesbuden oder Supermärkte oder irgendwas außer Müll auf der Straße und Häuser die gleich einstürzen. Das darf doch nicht wahr sein?! Neulich fuhren wir mal die belgische Küste hinunter. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke bogen wir erbost und enttäuscht links ab, Richtung Ardennen. In oder auf den Ardennen ist es schön. Dort gibt es ein Hotel. Ich hasse zwar Hotels, aber dieses Hotel hat uns damals gerettet und deswegen hat Belgien gefälligst dieses verdammt Spiel zu gewinnen. Und zwar mit 9:7 im Elfmeterschießen. Man hat uns später übrigens erzählt, dass genau ab da, wo wir abgebogen sind, die belgische Küste wunderschön sei.

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