Kartoffeln gratis

Wir bringen ja ein Magazin hinaus. Das haben wir früher kostenlos in Wiesbaden und Umgebung verteilt, dann nach der dritten Aussöhnung der letzten Meketrex-Bittsteller haben wir es in unseren Shop gestellt, wo es trotz Designawardüberschüttung gerade so die Druckkosten einspielt. Es ist ja eher ein Wahnsinn, aber es dient der Zurschaustellung unserer Vorstellung eines schönen Magazins zum Thema Heimat. So würden wir das machen, wenn wir das so machen sollen. Wir, Stijlroyal Design & Strategie. Es macht außerdem Spaß, kurz vor dem Nervenzusammenbruch und am Rande des Bandscheibenvorfalls auch mal ein Hobby zu haben. Ich gehe ja aus Gründen nie so richtig angeln und Kegeln kann ich nicht.

Eines Tages, so nach der Ausgabe 11, wo uns Frau Happyschnitzel auf bezaubernde Weise über Ihr umfangreiches Wiesbaden-Wissen aufklärte, fragten mich immer öfter Menschen, die ich auf Twitter kennen und lieben gelernt hatte, was es denn mit dem Magazin auf sich habe und ob sie nicht mal was dafür schreiben dürften/sollten/könnten. Ich fand das gut, und wir wechselten die Magazin-Paradigmen und das Heimatmagazin ging einen anderen Weg. Und damit alles sein Sinn macht, frug ich dann auch weitere Twittersleut, ob sie für Stijlroyal Heimatmagazin schreiben würden. Und zwar, das war der Haken: gratin.

Viele sagten „ja“ und waren total happy ob meiner immer etwas verklemmten Anfrage. Manche antworteten auf meine Anfrage gar nicht. Niemals sagte aber jemand, er schrübe nicht nicht, wegen des Mammons. Vielleicht macht man das ja nicht, weil, das wirkt ja immer gleich geizig und uncool. Lieber sagt man gar nichts. Ich habe aber aus vielen Gründen sehr viel Verständnis dafür, wenn man seine Arbeit nicht kostenlos abliefern will. Stijlroyal als Firma oder ich als Privatier mache auch hin und wieder meine Arbeit für ohne Bezahlung. Aus benefizösen Gründen oder weil ein Projekt einfach kein Budget hat und auch keine kommerziellen Absichten, dafür aber Hilfe braucht. Manchmal ist das einfach so und dann machen wir das, wir tun müssen. Aber im Großen und Ganzen wollen und müssen wir Geld verdienen mit diesen lieblichen Kitzekleinigkeiten wie schreiben, grafizieren, Ideen haben und Bildchen knipsen. Auch wenn viele Menschen denken, dass uns das so unfassbar viel Spaß macht und aus dem Ärmel geschüttelt wird, dass wir das auch gerne immer und immer wieder in unserer ohnehin schon großzügig bemessenen Freizeit tun könnten, ganz gleich was für eine Finanzmogulität hinter dem Projekt steht, für das wir das machen. Wenn der Beruf Spaß macht, dann kann man den auch kostenlos machen. So denkt oder wünscht es sich so mancher.

Beim Magazin ist da so eine Sache. Ich habe schon empörteste Reaktionen erhalten, weil ich Leute nicht gefragt habe, ob sie für unser Magazin schreiben wollen. Bis hin zum Bruch der ohnehin am seidenen social-Plattform-Faden hängenden Freundschaft. Da ich aber im Vorfeld gar nicht so genau weiss, wer jetzt gerne für das Magazin schrübe, frage ich einfach, meistens per DM (denn dann hat man ja wenigstens eine ganz winzige Verbindung zu den jeweiligen Leuten) oder auch mal via Facebook, Leute an, von denen ich denke, dass sie da gut reinpassen würden. Und weil die erste Anfrage kein Roman sein darf, so steht die Tatsache, dass das ein No-budget-Projekt ist, erst immer irgendwo im Briefing und wirkt für manchen vielleicht doch schließlich enttäuschend.

Das tut mir leid.

Man soll aber nicht böse sein und sich unter Druck gesetzt fühlen. Jeder angefragte Autor, jede angefragte Autorin darf ohne weiteres absagen und ich bin dann immer noch so voller Liebe und spendiere beim nächsten Treffen auch gerne ein Bier oder so. Wer für das Stijlroyal Magazin schreibt, drückt lediglich seine Freude und sein Wohlgefallen an unserem kleinen Projekt aus und ist mit uns. Niemandem wollen wir weismachen, dass es ein Sprungbrett oder „Deine Chance“ sei, im Heimatmagazin zu schreiben. Die meisten Menschen verdienen mit Schreiben ihr Geld und ich könnte wetten, dass die meisten kein Konto auf den niederländischen Antillen besitzen und auch selten auf russischen Milliardärsmessen rumhängen. Die Idee, dass Hinz und Kunzin zu einem von uns ausgedachten Thema ihren wundervollen Senf dazu geben und vielleicht die Kurzweiligkeit eines Tweets auch mal in 4.000 Zeichen transportieren, ist immer noch der Motor all meiner komischen Anfragen, die manchmal und halbjährig in einigen Postfächern für Erstaunen sorgen.

Vielleicht habe ich ja jemanden vergessen. Dann soll man mir eine Mail schreiben oder das hier in den Kommentaren kund tun. Völlig gratin für alle Beteiligten. Oder, was auch supi wäre, wenn man mir eine klitzekleine Reaktion auf meine Anfrage schrübe, dann wüsste ich nämlich, dass das die Technik funktioniert und müsste nicht… oder, nein, das wahrscheinlich zu viel verlangt. Vergessen Sie das. Entschuldigen Sie bitte, dass ich manchmal den Überblick verliere oder die Begrifflichkeiten verwechsle, ich mein’s nicht so.

 

 

Foto Gratin: © photocrew – Fotolia.com

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Ein Gedanke zu „Kartoffeln gratis“

  1. Guten Tag,
    ich wurde nicht gefragt, obwohl ich noch nicht mal Karl heiße. Schade. So hieß mein Opa. Und dennoch möchte ich was schreiben. Zum Thema Gratin, heiß und völlig kostenlos. Gerne, einfach so. Zum einen weil Wiesbaden sowieso mag, heiße Dinge eh und ich LIEBE Kartoffeln. Zumal es so schnell und einfach geht. Wobei man natürlich auch Nudeln nutzen kann. Für ein Gratin.
    Melden Sie sich bei mir? Oder ich mich bei Ihnen? Und werden wir wieder eingeladen? Es war so schön mit der Wurst und dem leckeren roten Apfelwein. Und auch das Bärenkostüm hatte ja seinen Reiz.
    Es grüßt die Fraaa von…

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