Fußball-Weltmeisterschaft – 15. Juni 2018 – #EGYURA #MARIRN #PORESP

Ja, da ist die eisige Mimik des eisigen Wladimir Wladimirowitsch Putin doch fast ins Ausgelassene ent(gl)eist, als die Damen und Herren der russischen Mannschaft meine 1:0-für-Saudi-Arabien-Prognose mit 5 Toren und 0 Gegentoren ad absurdum geführt haben. Ich weiß ja auch nicht. Scheiß-WM. Na ja, auf jeden Fall haben die Leute sich da total gefreut. Also sie haben sich im Prinzip null gefreut, so hatte ich den Eindruck und das haben die Vögel aus der ARD-ausschließlich-und-auch-wirklich-nur-Männer-können-ja-im-Prinzip-und-auch-sonst-über-Fußball-reden-Runde damit erklärt, dass der Russe so bass erstaunt war, dass ihm die Gefühle eingefroren sind wie sonst nur die Mimik des Wladimir Wladimirowitsch. Das ist ja nicht sehr wahrscheinlich. Ich hingegen glaube, der Russe hat in 20.000 Jahren Zarentum*, 8 Jahren Boris Nikolajewitsch Jelzin und jetzt ja Demokratie* das Lachen verlernt. Ach, das stimmt doch gar nicht. Der (m/w/trans) Russe (an sich) kann sich sehr wohl freuen*. Außer jetzt Roman Petrowitsch Neustädter. Und natürlich ich. Also, ich kann mich auch nur unter Aufbringung sämtlichen Schauspielvermögens nach außen sichtbar freuen. Aber ich bin ja auch kein Russe. Oder vielleicht doch?

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Fußball-Weltmeisterschaft – 14. Juni 2018 / #RUSSAU

… es wieder so weit: Ich bin wieder im nationalen* Überschwang und jubele mit mir zum Teil wildfremden Menschen, wenn sie im Rahmen einer Begegnung die Möglichkeit im richtigen Kasten versenkt haben. Es ist Fußball-WM. Und obgleich ich ein bisschen kotzen muss ob der Umstände, des Austragungsortes und wie der womöglich zustande gekommen ist, es ist immer noch der Fußball und der Fußball ist immer noch wichtig.

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Stø

Es entsteht der Bedarf nach Rausch. Nach Besoffensein. Nach Sich-nicht-mehr-erinnern-wollen-und-können-am-nächsten-Morgen. Nach heillos durcheinanderplappern. Nach Luftgitarre spielen. Nach über gar nichts nachzudenken. Eine Wohltat. Mit zunehmendem Alter sollte zwar eventuell der Bedarf (nach Rausch) nachlassen, denn irgendwann wird es unangenehm, dann sieht es auch scheiße aus. Noch nicht unbedingt, wenn man gleich nach der Schule mit Leuten auf einer Bank sitzt und Schnaps trinkt oder Lambrusco vom Silvestro, die 2-Liter-Flasche für 7 Mark. Schon auch, aber es ist auch ein bisschen Rock’n Roll. Es ist erbärmlich ab so ungefähr 35. Na ja, eigentlich ja schon ab 25. Je nach Stilgruppe. Was für ein Leben. Ich denke manchmal darüber nach. Meistens aber über was anderes. Die Leute sagen: „Denk nicht soviel nach!“. Das finde ich sehr interessant. Ich denke sehr viel nach. Es kommt einfach so. Es liegt an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Gehirn. Ein Gehirn denkt einfach so vor sich hin. Jedenfalls meins. Je nach Güteklasse des Gehirns denkt man wahrscheinlich mehr oder weniger. Dass man gar nicht nachdenkt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich habe oft gehört, dass es so etwas gibt, aber es ist mir zu abstrakt. Ich kann nicht nicht nachdenken. Aber ich wünsche es mir oft. Vieles wäre dann einfacher. Man käme eventuell besser zurecht in einer komplizierten Welt. Oder eventuell auch nicht. Ich weiß es eventuell nicht.

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Liebe

Ich habe es nicht kommen sehen. Ich dachte, das bleibt mir erspart. Liebe ist eine Mogelpackung. Da können wir nur alle verlieren. Ich dachte, ich hoffte, ich wusste Liebe gibt es nicht. Alles, was dazu geschrieben steht, ist ausgedacht. Niemand kann wissen, was Liebe ist. Niemand weiß, ob sie schon da ist oder ob man sie verpasst hat. Kommt sie noch oder ist sie schon vorbei? Mehr…

Die Tochter eines wunderschönen Wanderarbeiters…

… denke ich, mit meinem Knie korrespondierend, das im Krankenhaus liegt. Das Knie sagt: „Das mit dem Wanderarbeiter ist von Thees Uhlmann.“ Ja, weiß ich doch und in meiner Version vorher war der Hinweis auch elegant und zu Anfang im Text verwoben, doch dann ist mein iPhone runter gefallen und dann hab ich mir die WordPress-App runter geladen und wollte den Entwurf auf dem iPad öffnen, aber der komplette Text war gelöscht und ich hatte den Text schon vergessen. So schnell sind diese Zeiten. Und dann kam die Nachtschwester und hob mein iPhone auf. Ich glaube ja, dass sie mein Knie ein weitere Mal operiert werden müssen. Aber nur ich weiß das – alle anderen wissen das noch nicht. Ich weiß vieles mehr, als die Unempathischen, die in den grün gekachelten Kellern hausen. Halbgötter in Grün. Ich weiß zum Beispiel, dass man zum Beispiel stark demenzkranke Menschen bei der Morgenvisite nicht fragen sollte: „Wie gehts uns denn heute, Herr Schmidtbauer?!“ Und dann sagt der Herr Schmidtbauer was komplett unverständliches und alle sind froh, dass es ihm gut ging und dass er nicht die ganze Nacht die Seele aus dem Leib hustet, und sich das dann so anhört, als ersticke er dabei, weil er jedesmal ein Glas Wasser ausröchelte, während er nach seiner Frau rief. Die ganze Nacht. Aber es ging ihm ja gut.  Schnell weiter zum nächsten Patienten. Oh, der will mit uns sprechen. Schnell weiter zum nächsten Patienten. Naja. Viel weiß ich ja auch nicht.

Hier, in der Kardiologie, sind viele Leute sehr freundlich. Hier bin ich aber nur, weil in der Gefäßchirurgie kein Bett mehr frei war. Die Gefäßchirurgie ist ein bisschen wie Tscheljabinsk. Es ist deprimierend. Aber eigentlich müsste ich ja in die Orthopädie. Doch hier ist es besser. Die Kardiologie ist die Schweiz. Sollen sie mich doch hier behalten. 

Die Raben sagen ja

Ich soll meine Geschichte teilen, sagt die WordPress-App. Ich soll abnehmen. Ich soll mich nicht aufregen. Ich soll dem Buddhismus beitreten. Ich soll mal wieder was twittern. Ich soll mir was merken. Ich soll zuhören. Ich soll diesen Akkord lernen und dann den anderen. Ich soll auch mal ein Auge zudrücken. Ich soll mal nach dem Mail-Programm kukken. Ich soll „es“ nicht so eng sehen. Ich soll mal kurz halten. Ich soll es nicht immer sagen. Ich soll wählen gehen. Ich soll programmieren lernen. Ich soll meine Filterblase verlassen. Ich soll mir eine auffällige Frisur zulegen. Ich soll dieses Buch hier lesen. Ich soll Frank Zappa-Platten hören. Ich soll einfach in zwei Wochen nochmal anrufen. Ich soll endlich aufhören zu nerven. Ich soll mal zurückrufen. Ich soll mal kurz mein Auto wegfahren. Ich soll das mit der Telekom nochmal erzählen. Ich soll Trump nicht so ernst nehmen. Ich soll Trump ernster nehmen. Ich soll mich jetzt endlich entscheiden. Ich soll zugeben, dass ich mich geirrt habe. Ich soll doch mein Magazin einfach mal bei „do you read me?!“ in Berlin einreichen. Ich soll mal beim red dot award mitmachen. Ich soll den red dot award dann einfach nochmal gewinnen. Ich soll mich nicht so auf meinen Tinnitus konzentrieren. Ich soll mich mal konzentrieren. Ich soll mal kurz zuhören. Ich soll die Sabine nehmen, wie sie ist. Ich soll mal runterkommen. Ich soll mal kurz mit rauskommen. Ich soll mal die Heizung anmachen. Ich soll mal dran denken, dass wir noch Brot brauchen. Ich muss mich mal kratzen. Und zwar genau hier. Twitter habe ich aufgegeben. Das wollte ich schon 2010 machen, aber man kommt ja zu nichts. Wegen Twitter habe ich dieses Blog vernachlässigt, aber auch, weil mir nichts mehr einfällt. Ich habe ja schon so viel erzählt. Alles schon Kcuh-Elo-EINS-ISSUUmal durchgedacht und wieder verworfen. Ach, denke ich, ich muss ja gar nichts. GAR NICHTS, denke ich und schreie mich innerlich selbst an. ICH MUSS GAR NICHTS ist so eine Irrglaube. Man muss so viel. Oft soll man es auch. Ich soll es auch. Nicht „man“ sagen, wenn ich mich meine. Nicht „man“ sagen, wenn ich die Frau meine. Nicht „man“ sagen, wenn ich die anderen meine. Ich habe lange genug… nein, ich habe noch lange nicht genug. Ich habe noch nichts lange genug gemacht. Ich werde dies und das auch morgen machen MÜSSEN, machen wollen, machen sollen. Ich bin nicht frei. Es gibt keine Freiheit. Was soll das sein? Wenn man zum Beispiel eine seltsame Nervenkrankheit hat, kann „man“ (also ich) sich (mich) nicht ausruhen. Es tut immer alles weh. Wenn man unglücklich verliebt ist (was ich nicht bin), kann man nicht einfach wegfahren, es ist immer da. In Moskau, in New York, sogar in Burkina Faso. Du bist nicht frei. Als ich gedacht habe, das mit dem Brexit machen die nie, ich kann ruhig ins Bett gehen… das mit dem Trump machen die nie, ich kann ruhig ins Bett gehen. Die Frau spielt „Moon River“ auf der Ukulele. Die Frau und ich sind heute neulich in die Partei eingetreten. Ich konnte nicht schlafen, da bin ich in die Partei eingetreten. Und dann habe ich eine Flasche Green Exitus Absinthe 89,9% Vol. gekauft. Man weiß ja nie. Danach habe ich auf Facebook sämtliche SPD-Seiten abonniert und dann habe ich mir geschworen, da nie die Kommentar-Threads zu lesen. Das hat nichts Politik zu tun, dass man das liest. My Huckleberry Friend. Ich liebe meine Frau. Mehr als mich selbst. Ich habe neulich ein Magazin erstellt. Ersonnen. Geschaffen. Gemacht. Gesagt – getan. Gewirkt. Erfunden. Man kann es hier kaufen: kein.shop. Ja, das ist ein Shop, auch wenn die URL www.kein.shop heißt. Der Dings hatte Recht, das rafft kein Mensch. Aber heute neulich hatte ich dann wieder Freude daran und habe eine zweite Ausgabe gemacht. Dazu bin ich durch den tristen Sommerberg gefahren. Mit dem Quad. Mein Quasi-Rollstuhl. Um dann festzustellen, dass Tristesse nichts weiter als Tristesse ist. Tristesse ist zu nichts Nutze und sieht scheiße aus. Ich kann das sagen, weil ich es weiß. Weil ich es erlebt habe. Weil ich durch 1000 Tristessen marschiert bin, bis ich hier in meiner Melancholie angekommen bin, in dieser fast wie borderlinigen Zwischendurchgefühlswelt.
Kcuh-Elo-No02-02Ich schwanke nicht, ich wanke. Ich weiß nicht, wann es gut ist. Ich weiß nicht, wann ich gehen soll, also gehe ich nicht mehr hin. Ich habe es aufgegeben Content zu produzieren. Nur noch das hier und dann bin ich leer. Ich kukke Chef’s Table auf Netflix. Ich glaube ich verehre Magnus Nilsson. Man müsste mal nach Fäviken Magasinet fahren, denke ich. Sage ich zur Frau. Sage ich nicht zur Frau. Denke ich nur, weil mir das Reden zu absonderlich erscheint an dieser Stelle. Ich schaue mir auf mobile.de einen T3 an. Soll ich einen T3 kaufen? Ich bin viel zu groß für einen T3. Oder doch? Ich hadere. Ich bestelle mir einen Amazon Echo Dot (2. Generation) in schwarz. Ich will, dass alle wissen, wann ich mir peinliche Lieblingslieder auf spotify anhöre. Ich will ALEXA schreien. Ich will, dass es gut ist. Ich will, dass morgen das iPad für die Küche kommt, auf dem ich mir dann Rezepte von Ana Ros anschauen kann. Dal Makhani blubbert im kleinen Topf. Bevor ich Ana Ros-Rezepte kochen kann, muss ich noch nachdenken. Ich muss viel nachdenken. Ich muss viel mehr nachdenken. Ich muss das noch lesen. Ich muss verstehen. Ich muss mir viel mehr Gedanken machen. Ich muss einen Podcast machen, nur mit Gelaber von mir und zwei Freunden. Nur mit Gelaber. Ich will kein Konzept mehr haben. Für nichts außerhalb der Bürowände. Letztes Jahr war komisch. Dieses Jahr sind schon zwei Freunde gestorben. Das hätte nicht sein müssen. Der eine am Suff, der andere am Herzen. Das hätte nicht sein müssen. Was hätte schon sein müssen?! Halt’s Maul. Existiert dieser Blogeintrag, wenn ich ihn nicht auf Twitter verlinke? Wem will ich das alles sagen? Wer soll denn das lesen? Lesen Sie das! Gefälligst. Präg Dir das ein, Du jetzt. In 5 Tagen ist Frühlingsanfang. Frühling ist Hoffnung. Es geht weiter. Es macht sich. Die Magnolien blühen, die Rehe kommen aus dem Wald. Die Raben sagen „Ja!“ zum Leben. Es wird wieder Zeit.

Aufwiederhähnchen in Grellingerhausen (BAB)

Twitter ist doof. Aber neulich ist mir es gekommen, nämlich, dass man ohne Twitteraccount gar nicht mehr jemandem erzählen kann, dass man was gebloggt hat. Also, man kann das schon jemandem erzählen, aber der (m/w/trans) ist dann nicht im Internet vertreten und interessiert sich einen Scheiß für Blogs. Allerdings: Mit einem Twitteraccount bloggt man nichts, weil man ja jeden Gedanken, bevor er zum Konstrukt wird, schon Leuten erzählt hat, die das null interessiert, weil, sie interessieren sich nur für sich oder für nichts. Das kann ich wohl behaupten, denn so geht es mir bisweilen auch. Aber dann: Ich kann es ändern. Ich kann anders sein. Ich kann schwarze Milch trinken und es Kakao nennen. Twitter verrecke, damit wir leben können. Ich kann mich bewegen ohne den Raum zu verlassen. Die Zelle fährt, und so. Ich möchte aber nicht mehr jeden Scheißgedanken irgendjemanden vortragen. Nicht mehr. Nie mehr. Ich will es filtern. Durch den Pinsel, durch Lektorat, durch Gedanken machen. Und so. Ich will nicht. Ich muss. Du bist tot, wenn Du alles ungefiltert raushaust, tot im Kopf und irgendwann in der Seele und dann erzählst Du passiv-aggressiv von Deinen Verletzungen auf dem Kurznachrichtendienstweg und kannst noch nicht mal mehr den Telefonhörer in die Hand nehmen und Deine Anklage vortragen und Gehör suchen und die Dinge regeln. Du kannst nur komplizierte Botschaften verzapfen, Du kannst Fake-Accounts eröffnen und Menschen trollen. Ja, Du, das kannst Du. Ich kann das auch. Das kann ja jeder. 1967: Ich werde geboren – ungefragt – und dann gehe ich um, mit einem Hut und bettel um Gunst und Liebe und Werweißwasnoch. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Also muss ich jetzt folgendes tun: (das ist mir letzte Nacht gekommen) Ich muss den alten Account nehmen und ihn @blogroyal nennen und meinen Blog und meinetwegen den Podcast oder die Ausstellung oder die Zeitung verkünden. Wen das halt interessiert. Das was ich mache. Sons nix. Ich will kein Mensch mehr sein, nur noch Linkschleuder. Verlasst das Schiff, wenn Ihr schwimmen könnt, ersauft meinetwegen, aber so wird es geschehen. Das ist alles, was ich noch machen kann. Und dann war aber @blogroyal schon seit November 2007 besetzt und dann dachte ich, was soll das eigentlich und dann habe ich einfach mal das Passwort angefordert, aber nur so zum Spaß und dann habe ich festgestellt, dass der Account ja mir gehört und da habe ich ja vielleicht Augen gemacht. Hahahaha! Lol. Mir war schon immer, dass ich mich irgendwann 2007 da angemeldet habe, aber irgendwie wusste ich nicht mehr unter welche Namen. Aber was macht man denn jetzt mit einem Account, dem niemand folgt. Ich weiß was zu tun ist. Ich nenn das alles um. Das ist auch ein bisschen albern. Ich bin eigentlich ja ein alter Mann. Herrjeh. Selbst Bundesligatrainer sind jünger als ich. Naja. Scheiß Internet. Warum bin ich da bloß hingegangen?!

Aufwiederhähnchen in einer anderen, grelleren Welt

Jetzt mal was ganz anderes: Ich möschte das nischt mehr. Nämlich Twitter. Ich möchte nicht mehr die Möglichkeit haben, jeden eventuell originellen Gedanken irgendwo reinzuschreiben. Ich möchte das nicht mehr. Ich möchte das in mir sammeln und Leuten erzählen oder aufschreiben, die das interessiert. Irgendwann dachte ich, das ist doch alles total krank und absurd, dass man seine Gedanken in 140 Zeichen irgendwo reinschreibt. „Wie krank ist DAS denn?“, dachte ich und: „Wie krank BIN ich denn?!?“. Ich muss mich da lossagen. Dem ganzen Verbund, der ganzen Sippschaft, die ich zum Teil in mein Herz eingeladen habe, aber ja gar nicht kannte. Was ist das nur für ein Muster, dass man das macht? Wenn ich Leuten davon erzähle, die nicht twittern, dann haben die mich ausnahmslos traurig angeschaut und den Kopf geschüttelt. Nie hat jemand gesagt: „Oh, das finde ich aber interessant, was Du mir da erzählst, das will ich auch haben und zwar sofort!“ Wirklich nicht. Da hätte ich es schon merken müssen. Und dann habe ich aufgehört kreativ zu sein oder zu bloggen, ab genau dem Zeitpunkt, da ich anfing zu twittern. Da hätte ich es doch merken müssen. Ja, ok. Jetzt bin ich also ein weiterer Spack, der seine Twitterbeendung in seinem Blog umständlich beschreibt, wie so einer, der denkt, dass das jemanden interessiert. Glaube ich ja gar nicht. Weiß ich nicht. Aber wenn ich das mal aufschreibe, wird mir das auch klarer. Deshalb schreibe ich es auf. Und außerdem könnten die drei bis vier Menschen, die ich dort „kennengelernt“ haben, dies zum Anlass nehmen mir eine Mail zu schreiben mit „Hallo, ich bin und dort!“. Ich hab mir im Vorfeld, also letzt Nacht, drei Minuten lang, dass ich auch noch schreibe, wie komisch ich da 95% aller Beteiligten finde. Und, dass es mir ausgesprochen auf den Sack ging, dass mir zum Beispiel einer der 40.000plus-Twitterer im Namen verschiedener Fake-Accounts sein Missfallen mir gegenüber zum Ausdruck zu bringen. So was. Ich dachte mal, dass das wirklich die neuen Art der Kommunikation ist. Dass das total spannend, wenn man Leute nur anhand ihrer Fähigkeiten einen Gedanken auf 140 Zeichen verkürzt formulieren zu können, beurteilt. Ohne, dass man ihn oder sie gesehen hat. Ohne Kleidercodes, ohne Herkunftswissen, ohne soziale Abwägung, ohne alles. Nur der reine Text, am Ende der reine Gedanke. Das war ja auch mal eine gute Idee. Aber es hängen ja doch immer lauter richtige Kohlenstoffeinheiten an den Gedanken und das kann ich leider nicht weg diskutieren oder ignorieren. Mir gingen die Kohlenstoffeinheiten extrem nahe und dann kam noch ein Faktor hinzu, den ich total unterschätzt habe: Es gab eine Interpretation von dem was Huck Haas ist. Es gab irre Annahmen, die zum Teil überhöht mich als irgendeinen super Typen in den Gedankenuniversen diverser Leute kreisen liesen. Und das fand ich ja zunächst gut, aber dann…

Und dann gab es aber vermehrt die total verbreitete Annahme, ich sei irgendein boshaftes, zynisches Monster, gegen das man sich wehren muss und das irgendwie etwas ganz, ganz furchtbares im Schild führt. Zum Beispiel Leute für sein Magazin ausbeuten oder so. Hahaha. Solche Ideen könnte man schnell ausräumen und erklären und widerlegen, wenn diese Leute einfach Kontakt zu mir aufgenommen hätten und ihrer irren Gedanken mir mal offeriert hätten. Aber das war nicht drin. Also mussten sich dieses Gedanken in den Gedankenuniversen multiplizieren und schließlich explodieren und das Feuerwerk konnte ich mir dann anschauen, wenn ich zufällig mal aus dem Fenster schaute. Naja. Ach naja. Muss das denn sein?

 

Zur Sonne

Das Netz sirrt. Es kreischt im Kopf. Es schreit mich an. Es redet und redet und redet und ich weiß, dass das Netz auch ich selbst bin. Das macht mich irre. Wie die Katze sich in den Schwanz beißt. Wie alles sich dreht. Sich kaputt dreht, rumpelnd, klappernd, wie ein kaputter Kreisel. Doch aber der Kreisel dreht sich immer weiter. Immer und immer weiter. Und Du weißt, Du könntest wegschauen. Aber Du weißt auch, dann wäre es trotzdem da und weil Du die Büchse der Pandora schon geöffnet hast, weil Du schon reingeschaut hast, in das unendliche Buch des Daseins, willst Du auch wissen, wie es weiter geht.

Michael Ende hat mal in „Die unendliche Geschichte“ versucht, das Nichts zu beschreiben. Doch es ist unbeschreiblich. Beschriebenes Nichts ist nicht mehr nichts. Dann ist es ja da. Das ist ungünstig für den Autoren, aber es ist gut für die Phantasie. Man sollte das Nichts nicht beschreiben müssen. Schließlich ist es ungefähr das, was am Ende des Weltalls vorherrscht, und für all die tapferen Atheisten ist es das, was am Ende unserer Tage auf uns wartet. Nichts. Das ist nicht wie Einschlafen, das ist das Vielerlei, das zutiefst frustrierende und unwiderrufliche Ende. Wer das dem Leben vorziehen will oder muss, der hat womöglich alles schon zu Ende gedacht und gefühlt. Eventuell ist das für die Zurückgebliebenen und die glücklicherweise Unbetroffenen unvorstellbar, aber das gibt es und dann sind alle Tipps und Hinweise, wie schön das Leben ist, wie viele Menschen einem fröhlich von Brücken zuwinken, wie geil der Cheeseburger im nächsten Burger-Restaurant ist, das schon in vier Monaten wieder die Pforten schließt, nur noch ein befremdlicher, sehr, sehr ferner Gedanke. Dann ist doch alles schon gesagt. Als ich heute den letzten Tweet von jemanden las, der müde und am Ende des Denkens zu sein schien und wie die Menschen in dem Thread unter dem Tweet hofften und ratschlugen und Tipps gaben und flehten und flehten und den Ast suchten, die sie ihm in die Speichen werfen könnten, da war ich einen Moment gerührt von all dieser Hoffnung. Doch da hatte er seine Ankündigung schon in die Tat umgesetzt. Ganz kurz und knapp war die Meldung der Polizei, nur mit einer Telefonnummer versehen. Keine Erklärungen, keine Mutmaßungen, noch nicht mal Mutmaßungen über Mutmaßungen waren zu lesen. Diese ganze Hoffnung, manchmal naiv, manchmal sich selbst in diese Tweets hinein kritzelnd, manchmal kindlich, unschuldig, liebevoll, maschinenhaft, puppenhaft, schamhaft, umständlich, direkt, diese so voller Hoffnung seienden und manchmal nicht zu Ende gedachten Tweets hörten aber nicht auf, weil die Leute die Nachricht des Todes nicht sofort vernommen haben und so also immer weiter schrieben und hofften, noch über den Tod hinaus… doch alles war zu spät und rum und Ende und aus. Da muss man Luft holen und dann verblüfft, manchmal ungelenk, manchmal ehrlich und aufrichtig, manchmal klassensprecherhaft einen letzten Tweet raushauen. Doch dann wirkt das manchmal so armselig angesichts der ungeheuren Dimension der Wirklichkeit und der Unwiederbringlichkeit. Doch trotzdem sah ich da, wie Schneeglöckchen im verharschten Schnee, Hoffnung, Liebe, Freundlichkeit, ja Menschlichkeit in diesem kalten, abgeschmackten, zugewüsteten, abgestandenen sozialen, ach so unsozialen Netz. Diesem Netz mit all seinen ungeschriebenen Regeln und Vorschriften, wie man sein muss, wie man sein müsste, wie man selbst nicht sein kann, aber der andere sein soll, wie man selbst es bereut, dass es so ist, weil das alles so unabdingbar geworden ist, aber so sind nun mal diese Regeln, die wir uns selbst in endlosen Tweets und Posts um die Ohren geschrieben haben, bis wir das alles selbst geglaubt haben und dachten, wir müssten das jetzt leben. Bis wir vor dieser Vase Internet stehen, die nur noch durch ein paar Kaugummis und Klebestreifen vor dem letzten Scherbenhaufen zusammengehalten wird. So erscheint es mir.

Und da sind dann die Parolen, dass „wir“ zusammenhalten und auf einander achten müssen. Für einen Tag. Für ein paar Stunden. Bis zum nächsten Troll, bis zur nächsten verachtenden Randbemerkung. Bis zur nächsten Ausfahrt. Bis zum nächsten Paragraphen, der uns zum Beispiel vorschreibt, dass man niemals nachfragen darf, warum man gerade entfolgt, entfreundet, gekickt, ausgeladen wurde. Man muss hart sein. Cool soll man sein. Unanstrengend. Üble Nachrede soll man aushalten, schweigen, so tun, als hätte man sie nicht gelesen, weil, sonst hätte man sie ja gelesen, schwach im Moment, sich auf die andere Seite seines Netzes begeben und durchs Schlüsselloch geschaut. All das. Und dann ist da der Moment, in dem der Krokus blüht am Ende des harten Winters. Die Hilfsbereitschaft mit den #offenenTüren am Freitag in München, der sinnvolle safety check auf Facebook, die geraden, warmen, alles richtig gemacht habenden Meldungen der Münchner Polizei oder auch die Hoffnung, all die Hoffnung, die Anteilnahme heute zum Anlass des Todes des „jungen“ Mannes.

Mag die Nähe auch nur netznah, social media-oberflächlich sein, weil sie das nur sein kann, weil mehr vielleicht noch nicht geht…Aber immerhin. Immerhin. Ich will nicht von Hoffnung schreiben, weil das sämig, naiv und abgeschmackt ist. Ich will nicht vom Guten schreiben, das mal sein könnte und an das aufgegeben zu glauben, ich noch nicht habe. Ich will nur mal kurz die Hand heben und irgendwie was Tröstliches meinen, mal mit der Wunderkerze winken. Ein bisschen was glauben, entdeckt zu haben. Mal kurz sagen, ja, ich habe es auch gesehen. Es war nur ein Funke und wenn ich gleich ins Netz schaue, dann wird da noch lange kein gutes Feuer brennen. Aber dieser Funke…

Und wo kriege ich jetzt auf die schnelle Grillanzünder her?

Fußi-EM 2016 / Geil Finale ohne uns

Ich habe es im Internet nachgelesen. Es ist gut, dass „wir“ nicht im Finale sind. Und es heißt auch nicht „wir“. Es heißt „die“.  Und bitte nicht den Wunsch, dass eine bestimmte Mannschaft ein Fußballspiel gewinnt, mit einem Wunsch nach Beherrschung der Welt gleichsetzen. Ich habe ja schon einiges dazu gesagt. Ich habe aber auch keine Lust, hier das Ironiefähnchen zu verwenden und bitte deshalb meine 2.731 Leserinnen und Leser, mal einfach davon auszugehen, dass ich die Gefahren von Nationalismus und kulturellen Überbordungen kenne. Wir können das nicht in einem Fußballblog besprechen. Da braucht man andere Zuhörer. Zuhörer, die in meiner Internetblase nicht stattfinden, weshalb man ja auch immer sich gegenseitig bestätigt, dass man „auf der richtigen Seite“ ist. Ich befürchte nur, dass man niemanden erreicht, den man eigentlich erreichen müsste. Deshalb sage ich es nun frei von der Hühnerleber: VERDAMMTE SCHEISSE!!! ICH HABE MICH SO AUF DAS FINALE GEGEN PORTUGAL GEFREUT UND WIR JA VERDAMMT NOCHMAL ICH SAGE WIR OBWOHL ICH NULLKOMMANIX MIT FUSSBALLSPIELEN AM HUT HABE UND AUCH SONST ABER WIR WAREN DOCH DIE BESSERE MANNSCHAFT UND DAS WAR DOCH TOTAL UNGERECHT SCHIEDSRICHTER TELEFON MEEEH!!!

PORTUGAL vs. FRANKREICH
Ich bin jetzt aus lauter Bockigkeit für Portugal. Mal abgesehen, dass ich Christiano dem Vielgescholtenen diesen Titel mal wünsche. Und es ist mir auch egal, wie die gespielt haben und eigentlich nur gegen Wales mal so richtig gewonnen haben. Na und. Das haben die Italiener 1982 auch. Nur scheiße gespielt und am Ende Weltmeister werden. Oder Deutschland 1980, 1982, 1986… Ich will die Wurst mit den Fettkugeln nicht umsonst in das portugiesische Korkwäldchen geworfen haben. Mich haben die Portugiesen immer gut behandelt. Der Portugiese unten am Gutenbergplatz in Wiesbaden, der war immer vorzüglich. Ja, ich weiß, die französische Küche ist schon was anderes. Alles ist besser in Frankreich. Aber das ist mir heute egal. Mir geht auch Didier Deschamps und dass alle sagen, dass er so perfektionistisch sei, auf den Sack. Das ganze Bla Bla. Fußball mit Leuten aus dem Internet, die alle überhaupt nicht die blasseste Ahnung haben von Fußball und die nur Béla Réthy in die Pfanne hauen, aber bei genauem Nachfragen gar nicht wissen, warum. Ich fand Claudia Neumann auch gut und „Steinschweiger“ heißt der Spieler ja nun wirklich nicht, aber vom Sachverstand her, gibt es doch da nicht viel zu meckern. Das Gemecker geht mir auf den Sack. Mit Twitter das zu kukken ist wie Public Viewing. Und die ganzen Heulsusen, die kein Fußball kukken, gehen mir ebenso auf den Sack mit ihrem Rumgeheule. Ich habe doch weitestgehend irgendeinen offiziellen Hashtag verwendet, da kann man das doch muten. Ich beschwere mich auch nicht über die Idioten, die „Bauer sucht Frau“, „Schwiegermutter Dingsbumms“ oder „Heidi Klum sucht ihren Verstand im Hintern von kleinen unsicheren Mädchen“ schauen. Das kann man doch wegmuten. Was soll denn das Geflenne??? Und heute Abend sind alle wieder nur für Portugal, weil die Franzosen die Deutschen besiegt haben. Jedoch, dass die Portugiesen mit der inzwischen 127. Goldenen Generation seit Eusebio endlich mal was gewinnen müssten, das interessiert natürlich wieder keine Sau.

Und deshalb schießt irgendjemand irgendwann ein Tor für Portugal und dieser irgendjemand ist irgendwie dann doch Christiano Ronaldo und zwar in der 91. Minute. Es ist alles immer irgendwie in der letzten Minute. Man muss geduldig sein. Aber dann schließt sich der Kreis. Ich war nie ein Fan davon, dass Griechenland mit diesem Fußball und diesem Trainer Europameister wurde. Obgleich ich meistens für den Underdog bin und auch Griechenland und die Griechen an sich ganz knorke finde. Ja, auch die Griechinnen. Na klar. Und griechisch essen gehe ich viel öfter als portugiesisch. Das liegt aber alleine daran, dass an jeder Ecke ein griechisches Restaurant steht. Was soll man da machen?! Aber die hätten nicht gewinnen dürfen. Und was hat der Christiano Ronaldo damals geweint. Was hat der Junge geweint. Das will ich nicht nochmal erleben. Das hat mich geprägt und deshalb muss Portugal gewinnen. Ist doch klar. Dass der Junge wieder lachen kann. Was sind all die Titel mit Real Madrid wert? Nichts, wenn man mit seinem Land nicht mal einen Eumel gewinnt. Das muss doch auch mal sein. Die Franzosen können ja Kochwettbewerbe gewinnen oder im Contest wer das perfekteste Land, so von der Landschaft her, hat. Oder in der Liebe können sie Weltmeister sein oder diese putzige Sprache, da sind sie doch ganz vorne. Und wir fahren in ein paar Wochen auch nach Paris und werden das Land huldigen und eine James Bond-Ausstellung besuchen. Da brauchen sie nicht traurig zu sein. Aber gleich, ja gleich, da wird Portugal Europameister.

Weil ich es so will und weil ich es sage. Und jetzt halte ich die Luft an, bis die Sache nach meinem Willen gelaufen ist. Bis gleich.

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