Wie man erfolgreich Kunden Geduld beibringt.

Und das kam so. Im Monat August rief ich bei dem Telekommunikationsunternehmen an, bei dem wir zuvor schon Kunde waren um einen neuen Telekommunikationsanschluss für unser neues Büro zu bestellen. Zwar gab es grob geschätzt 17.000.000 preisgünstigere Telekommunikationsanbieter, aber weil wir ja unsere Telefonnummer mit ins neue Büro nehmen wollten, da sie ja schon als Brandmal auf unseren Rindern, auf unseren Visitenkarten sowie in den Gedächtnissen unserer Kunden fest verankert waren, sparten wir uns das Gedöns mit der Freigabe des Telekommunikationsnetzes vom Besitzer des Telekommunikationsnetzes an ein anderes, günstigeres Telekommunikationsunternehmen und bestellten “der einfachheithalber” den neuen Anschluss beim Telekommunikationsunternehmen, das im Besitz des Telekommunikationsnetzes ist, also beim Telekommunikationsunternehmen, bei dem wir schon so lange Kunde sind. Privat und geschäftlich. Das muss doch eine Bedeutung haben, dachte ich, als ich das Telekommunikationsunternehmen im August anrief.

Nach ca. einer viertel Stunde in der ich zunächst das richtige Schlagwort meines Anliegens erraten durfte, Hinweise für iPhone-4-Interessierte, Musikuntermalung der Extraklasse (not) und mehrfache Hinweise, dass aber nun der nächste Mitarbeiter extra und fast sofort nur für mich zur Verfügung stünde, meldete sich ein fröhlicher Berliner. Vielleicht war es auch ein Brandenburger, ich glaube aber es handelte sich um einen Berliner und zwar um einen Westberliner. “Wa! Ick thag ma thoo…” sagte er und lullte mich ein. Statt eines Geschäftsanschlusses mit fester IP verkaufte der fröhliche Westberliner mir nun das Entertainment-Plus-Mega-3.000-Ultra-Vorteil-Yeah-Humba-Humba-Humba-Täterä-all-in-all-rundum-sorglos-Paket. “Und ditt wird am 13. September freijeschaltet. Is ja keen Ding. Wir kenn ja den Vormieta, ditt is überhaupt keen Problem und ditt Paket ist ja ooch viel bessa, als allet andere und… wa!” Ich war überzeugt, legte auf und wischte mir das kleine Blutrinsal vom Haupt, welches mir aus dem Ohr floß. Also zogen wir am Wochenende vor dem 13. September ins neue Büro ein und schauten dabei eigentlich nur beiläufig in den neuen Briefkasten, fanden dort jedoch einen Brief des Telekommunikationsunternehmens worin es schrieb, dass unser Telekommunikationsanschluss pünktlich am 1. Oktober freigeschaltet würde. Unser im Telekommunikationsverzeichnis verzeichneter Name lautete: “Stijlroyal Design & Strategie Joerg” und die feste IP-Adresse können wir uns in den dafür vorgesehenen Allerwertestens stecken. Darauf rief ich beim Telekommunkationsunternehmen an. Ein fröhlicher Mann aus Bayern fragte mich dann auch sogleich entrüstet, was denn bitte ich mit einer festen IP-Adresse wolle. Das sei nichts für mich. Schließich hätten wir ja das Entertainment-Plus-Mega-3.000-Ultra-Vorteil-Yeah-Humba-Humba-Humba-Täterä-all-in-all-rundum-sorglos-Paket bestellt und da sei nun mal keine feste IP-Adresse drin. Selbst schuld. Da war die Freude natürlich in ausgelassenster Form am Vorhandensein. Und nun? Was soll man denn eigentlich machen, als Büro ohne Telekommunikationsanschluss? Und noch besser, was soll man als Büro, dass sich u.a. intensiv mit dem Internet beschäftigt ohne Telekommunikationsanschluss machen? Hier hätte sich der Werkschor des Telekommunikationsunternehmens vor unserem Büro aufstellen müssen um den Song “Ihr – könnt – nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt, ihr könnt, ich könnt nach Hause gehn” zu skandieren. Also arbeiteten wir zwei Wochen zum Teil aus dem Home Office oder im Büro mit UMTS-Sticks, iPad und Rufumleitung aufs iPhone, wobei der Empfang von Funknetz sämtlicher Telekommunikationsunternehmen eher als praktisch bildbar zu bezeichnen ist. Nach zwei weiteren erfolglosen Telefonaten mit Angestellte des Telekommunikationsunternehmens aus Sachsen und Hessen, rief dann das Telekommunikationsunternehmen von selbst an und wollte ausgerechnet mit mir zusammen einen Kundenzufriedenheitsfragebogen ausfüllen. Das war so ziemlich das absurdeste Telefongespräch aller Zeiten. Die Angestellte Replikantin des Telekommunikationsunternehmens wollte eigentlich gar nicht wissen was ich von dem Telekommunikationsunternehmen und seiner Hingabe zur Problemlösung halte, obgleich sie mich immer wieder und immer wieder danach fragte. Sie fragte alles mehrfach und wollte dann aber keine Antwort wissen. Da wirkte sie angestrengt. Nach ca. 20 Minuten und einem Ozean an Redundanzen beendeten wir das Gespräch einvernehmlich und ich ging wieder hinein ins unser Büro ohne Telekommunikationsanschluss. Ich bin ja zum Telefonieren hinaus gegangen, sonst hätte ich mich die Frau auch akkustisch nicht verstanden. Am 1. Oktober war es dann endlich soweit, ich verließ meine Wohnung, in der wir diesmal arbeiteten und fuhr ins Büro um den Telekommunikationsanschluss in Emfpang zu nehmen, denn er wollte ja an diesem Tag kommen. Er war dann schon da. Ich nestelte die Telefonanlage an die Telekommunikationsbuchse in der Wand und tatsächlich, nach nur wenigen Minuten Ratlosigkeit konnte ich via Telekommunikationsfestnetz die Kollegen in meiner Wohnung anrufen und einen funktionierenden Telekommunikationsanschluss vermelden. Danach widmete ich mich dem DSL-Anschluss. Ich hatte den fröhlichen Westberliner, mit dem ich im August telefonierte ja extra mehrfach gefragt, ob ich den neben einem “Splitter” und dem obligatorischen “NTBA” noch ein anderes Gerät bestellen müsste, wenn ich eine Apple Time Capsule als Router verwenden wolle. Also fuhr ich in einen Fachgroßhändler für elektronischen Schnick Schnack, wo allerdings alle herumstehenden Verkäufer sofort wegliefen, wenn ich auf sie zu ging. Also fuhr ich in ein Fachkleinhändler für speziellen, überteuerten, aber dafür besser aussehenden elektronischen Schnick Schnack und beobachtete einen Fachverkäufer dabei, wie er mir mit dem Tempo einer Weinbergschnecke elektronischen Schnick Schnack verkaufte, worüber ich einschlief. Erwacht im Büro stellte ich fest, dass mir ein DSL-Kabel zum Anschluss des Routers an den NTBA fehlte… oder wars der Splitter? Ich fuhr also erneut in zum Fachkleinhändler für speziellen, überteuerten, aber dafür besser aussehenden elektronischen Schnick Schnack und kaufte eine winziges DSL-Kabel für 9,99 Euro. Auf die Frage, warum man mich denn nicht einfach mal darauf hingewiesen hätte, dass das dringend benötigte Kabel beim Gerät nicht beiläge, lief man fluchs hinter einen Vorhang und verbarg sich vor mir. Ich fuhr also erneut ins Büro und wer jetzt von der Geschichte ermüdet ist, fühlt sich sicher immer noch nicht annährend so müde wie ich mich da fühlte. Auf jeden Fall schloss ich das Kabel zwischen die entsprechenden Gerätschaften und siehe da, es funktionierte immer noch nicht. Also rief ich wieder bei der Telekom an. Es dauert auch nur 12 Minuten und 36 Sekunden, bis ich jemanden “am Rohr” hatte: “Wie es mir scheint, benötige ich, damit ich das Internet via DSL besuchen kann noch ein DSL-Modem. Hat man das vergessen mit zu senden oder wie verhält sich das?” “Das haben wir noch nie mitgeschickt.” “Als ich den letzten DSL-Anschluss bestellt habe, hat man es noch mitgeschickt.” “Das muss lange her gewesen sein. “Es war letztes Jahr.” “Das kann nicht sein.” “Doch, das war so.” “Kann nicht sein.” “Doch.” “Nein, hören Sie auf damit.” “Es war aber so.” “Glaube ich nicht.” “Uns jetzt?” “Sie können eins kaufen oder leasen.” “Aha!” “Ja, das dauert ca. eine Woche. Aber sie wissen ja, wie das mit unseren Zusagen ist.” “Ich brauche das Gerät aber am Montag.” “Dann haben sie Pech gehabt.” “Und jetzt.” “Tja!” “Kann ich das Gerät auch in einem ihrer Telekommunikationsstützungpunkte kaufen?” “Wenn sie wollen.” “Okay, dann mach ich das.” “Ja okay.” “Ist ihnen egal, was?” “Wenn ich ehrlich bin, ja.” “Das hätte mir der Kollege aus Westberlin auch gleich sagen können.” “Aufwiederhören.” “Hallo?” Ich war sehr, sehr müde und sehnte mich obendrein nach Betäubungsmitteln. Am nächsten Tag fuhren wir wieder ins Büro. Wir hatten uns ein DSL-Modem besorgt und verbanden dies fachgerecht zwischen Spitter, NTBA, Time Capsule und TAE-Box. Und siehe da… es funktiniorte nicht. So riefen wir wieder beim Telekommunikationsunternehmen an, welches uns mitteilte, dass das ja klar und logisch noch nicht gehen würde, denn sie hätten unser DSL ja gar nicht freigeschaltet. “Was denken sie denn, natürlich haben wir das nicht am 1. Oktober freigeschaltet. Wer denken sie denn, wer wir sind?” “Ein Telekommunikationsunternehmen?” “Das denken sie!” “Und warum haben sie es denn nicht freigeschaltet, es war doch nun wirklich ohnehin schon zwei Wochen später, als…” “Wir hatten keine Lust.” “Was???” “Wie bitte?” “Was haben sie da eben gesagt?” “Nichts!” “Und wann wird das Internet nun freigeschaltet?” “Weiss ich nicht.” “Wer weiss es denn?” “Weiss ich nicht. Ich nicht.” “Also?” “Warten sie einfach ab.” “Äh!” “Aufwiederhören.” So fuhren wir wieder nach Hause um am nächsten Tag zu prüfen, ob das Internet nun freigeschaltet war. Und siehe da: es war! Wir freuten uns und lagen uns den Tränen nah in den Armen, bis einer das Telefon ausprobierte. Es war tot. Vielleicht war es letzte Nacht an einer DSL-Freischaltung verstorben? Und, dass immer noch unsere Telefonnummer auf der alten Anlage im alten Büro lag, war zu diesem Zeitpunkt auch egal. Es interessierte niemanden, wir hatten nicht mehr die Kraft uns zu wundern, zu ärgern oder darauf zu reagieren. Draußen trat ein Knabe die Straßenlaternen aus. Eine Grille zirbte, Leguane huschten im Dunkel auf dem Mauersims umher. Der Mond stand fahl am Himmel. Es roch nach Erdbeerkaugummi. Und das kam so. Im Monat August rief ich bei dem Telekommunikationsunternehmen an, bei dem wir zuvor schon Kunde waren um einen neuen Telekommunikationsanschluss für unser neues Büro zu bestellen. Zwar gab es grob geschätzt 17.000.000 preisgünstigere Telekommunikationsanbieter, aber weil wir ja…

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