Die Menschheit – 029

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Ja, ich weiß, was Sie jetzt sagen wollen. Die Menschheit ist ein Arschloch, sie hat alles kaputt gemacht. Wäre die Menschheit 1835 nicht mit dem Dampfross von A nach B. gefahren, wäre alles wundervoll geworden und der Wolpertinger wäre nicht ausgestorben. Aber so ist es nicht gelaufen. Die Menschheit hat den Fortschritt für sich entdeckt und fortan weltweit Handymasten auf Häuser gebaut, nur zum Zwecke der Komplettverstrahlung ihrer selbst. Natürlich wäre die Menschheit nicht die Menschheit, wenn Außerirdische ihr nicht so wundervolle, praktische Zweckbauten erschaffen und hinterlassen hätten, wie die Plattenbausiedlung Stonehenge, den Friedhof von Gizeh, die Umkleidekabinen von Pumapunku, die belämmerten Typen auf den Osterinseln und den Berliner Flughafen. Bei Letzterem sind die Außerirdischen allerdings vor Beendigung des Projektes vorzeitig abgereist und haben uns zum Abschied Mario Barth da gelassen. Danke für Nichts!

Aber die Menschheit hat seither viel dazugelernt. Sie hat das iPhone erfunden, die lackierte Ente und den VW-Bus. Und sie, die Menschheit, hat ganz alleine das Joghurt mit Erdbeerkuchengeschmack ersonnen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei der Menschheit bedanken und sehe daher über viele Ungereimtheiten (die Amigos, Windows, Flip Flops, Kaugummi mit Zimtgeschmack, Pizza Hawaii) hinweg. Ich glaube, eine Menschheit … nein, ich fange nochmal von vorne an … Ich weiß, eine Menschheit, die in der Lage ist, den Konsum von Erdbeerkuchen im Gewand der frömmeligen Verspeisung eines Joghurts daherkommen zu lassen, ja, so eine Menschheit hat sich jedes Recht und auch die Pflicht erwirkt, ewig zu leben und noch 100 Milliarden Jahre diesen Planeten zu verwüsten. Aber auch mir dürfen Sie danken, denn zur Feier des ersten Urlaubstags der Frau habe ich ihr zu Ehren und aufgrund von aufrechter Liebe den Disney+ Channel abonniert. Disney – dafür hätte ich mir vor 29 Tagen noch einen nassen Waschlappen ins Gesicht geschmissen. Aber die Liebe, sie verstehen, die ist größer als das Leben. Und sogar größer als irgendwas mit Erdbeergeschmack. Und nun sehe ich hier irgendwas mit einem untoten Jungen, von dem ich bis vor 11 Sekunden noch dachte, er heißt Coco. Und vor 1 Stunde, 34 Minuten und 18 Sekunden dachte ich, der Film handelt vom Leben von Coco Chanel. So kann man sich irren. Disney Chanel – Coco Channel … heute ist einfach alles möglich, und man muss dazu noch nicht mal die Straßenseite wechseln. Ich weiß noch, wie wir uns, um etwas Unterhaltung zu erhaschen, in der Videothek in Wiesbaden-Dotzheim Filme wie „Kopfüber in die Nacht“, „Im Kerker der Analmiliz“ oder „Antropophagus 2“ ausleihen und konsumieren mussten. Oder man ist ins Taunuswunderland gefahren und hat dort 50 Pfennig in einen Kasten geworfen um sich von einer leiernden Frauenstimme die Abenteuer von Rotkäppchen und der Böse Wolf aufsagen zu lassen. Oder man ist bei strömenden Regen die Rutschbahn im Opel-Zoo runtergerutscht. Das war alles nicht einfach. Nicht so einfach wie das hier. Wenn wir nur noch dieses Corona-Zombie-Dings überleben, dann haben wir’s doch geschafft. Was kann uns dann noch aufhalten? Außer vielleicht Siegfried Merz. Aber an den möchte ich heute nicht denken, denn ich bin ja soooooo glücklich!

Ich liebe Sie.

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