Fußball-Weltmeisterschaft – 28. Juni 2018 – #JAPPOL #SENCOL #ENGBEL #PANTUN

Jetzt hören Sie doch auf zu heulen, es kam doch, wie es kommen musste, und es ist absolut alles so in Ordnung. Das Ausscheiden des Weltmeisters in der Vorrunde (2002 Frankreich, 2010 Italien, 2014 Spanien, 2018 BATSCH!!!) hat ja eine gewisse Tradition und Traditionen sind ja was, an das man sich in schweren Zeiten festhal… ach Quatsch, was ist denn das für ein Unsinn. Ich fang nochmal von vorne an.

Hallo, wie geht’s? Heute wollen wir fröhlich sein. Und wir wollen unsere Arbeit gut verrichten und umarmen Sie doch mal den Menschen, der jetzt gerade neben Ihnen sitzt. Oder Ihre Frau oder Ihren Mann oder Ihren sonstwie transgedingsten Lieblingsmenschen zu Hause oder wo auch immer Sie wohnen. Als Kind, also bis heute, habe ich oft darüber nachgedacht, auf einem Floß oder in einer Höhle zu wohnen. Gerade kommt mir der Gedanke, dass man ja auch auf einem Floß in einer Höhle wohnen könnte. Ich meine, das wären doch dann gleich zwei hammergeile Wohnoptionen auf einmal. Also, das wäre doch toll. Nein? Na ja.

Also gestern sind wir rausgeflogen. Ja, wir alle sind da rausgeflogen. Denn wir alle haben alles falsch gemacht. Denken Sie nur an 2014, wo wir, mit etwas Glück, Weltmeister geworden sind. Ein Sommermärchen quasi haben wir absolviert. Eine Weltmeisterschaft heißt immer auch Aufschwung, Optimismus für das ganz Land, heißt es. Aber schon 2015, als die ganzen Leutchen aus dem elenden Teil der Welt zu uns kamen, da war das alles wieder vergessen. Eventuell ist es sogar so, dass die meisten Menschen, die sich damals für die Fluchtgetriebenen den Arsch aufgerissen haben, gar kein Fußball kukken und sich einen Scheiß um die WM kümmern. Die Eventjubler mit der Fahne in der Fresse, das sind doch dann die, die sich als Erstes in die Hose kacken, wenn es mal nicht mehr so läuft, und die finden auf einmal Özil doof und haben es schon immer gewusst. Und dann hangelt man sich ganz schnell an den Thesen des Thilo Sarrazin entlang.

Ja gut, das war jetzt nicht so toll, das was wir da in den letzten Spielen gesehen haben. Wahrscheinlich ist es nicht so einfach, richtig wach zu sein, wenn man schon alles erreicht hat. Vielleicht klappt das nur im Verein und wenn man jede Woche in einem bestimmten, zusammengebastelten Konstrukt aus allen möglichen Menschen aus allen möglichen Ländern der Welt eine bestimmte Idee intensiv ausarbeiten und verfolgen kann. Ich weiß es doch auch nicht, Herrgott nochmal.

Nun aber bin ich ein wenig traurig. Und mir fiel heute morgen Marco Reus ein, der ja nun endlich mal zu einem Großereignis reisen durfte, und dann ist die Reise so schnell beendet. An Marco Reus lag das aber am allerwenigsten. Das sehe ich auch so, wenn ich meine Marco-Reus-Brille abnehme. Das ist schon so. Darüber hinaus hatte ich gestern folgendes Gefühl:

Als wären die Spieler in Wackelpudding eingepackt. Als hätte ihnen jemand was ins Glas geschüttet. Wovor meine Mutter mich immer gewarnt hat. Dass mir jemand in der Disco Rauschgift in die Cola schüttet. So kam mir das gestern vor. Als wäre niemand da. Die Koreaner haben ja auch nun nicht gerade gut gespielt. Diese Fehlpassorgie in der Watteschachtel war nur schwer zu ertragen. Die Deutschen hatten ungefähr 99 % Ballbesitz, aber zu keinem Zeitpunkt des Spiels hatte man das Gefühl, das wird noch was. Ich bin mir aber fast sicher, dass wir, mit den uns zur Verfügung stehend Fußballspielern, in naher Zukunft schon wieder was ganz anderes erleben werden. Hier, was macht eigentlich Leroy Sané gerade. Wollte den Löw hier nicht verheizen? Wollte er ihm das ersparen, weil er wusste, dass das nichts wird? So muss es gewesen sein.

Und jetzt die guten Nachrichten:
– Ante Rebić ist noch dabei
– Mehmet Scholl wird eventuell doch nicht Bundestrainer 

JAPAN vs. POLEN
Keisuke Honda, über den die Beach Boys ja schon ein Lied geschrieben haben, spielt heute von Anfang an, und wenn es der Tipp-Generator meiner (seit fast 15 Jahren) von mir heiß und innig geliebten Ehefrau hergibt, dann macht er auch gleich in der 7. Minute die erste Bude für die Japaner.

Achtung … Das Spiel geht 1:1 aus. Sagt der Tipp-Generator.

Ja genau, das trifft sich gut. Aber das wird nicht das einzige Tor, das die Japaner schießen. Am Ende, kurz vor Schluss, macht Maya Yoshida noch ein sauberes Eigentor. Das heften sie erst Robert Lewandowski an die Brust, der das auch dankbar annimmt, aber später wird man erkennen, dass es ein Eigentor war, aber da steht Robert Lewandowski schon bei Florentino Pérez Rodríguez vor der Tür und bittet um Einlass. Aber der schüttet ihm nur einen Eimer Wasser über den Kopf und wirft mit einem Zugticket nach München nach ihm.

SENEGAL vs. KOLUMBIEN
Sehen wir hier die Erweckung der großen Spaßfußballer? Sehen wir DAS Spiel der bisherigen WM? Zwei zauberhafte Formationen. Begnadete Menschen an der Kirsche des Lebens?

Das Tippdings meint 1:7. Oha!

So viele Tore kann doch der arme James David Rodríguez Rubio (* 12. Juli 1991 in Cúcuta), kurz James Rodríguez [ˈxames roˈðɾiɣes], oft auch nur James genannt, gar nicht vorlegen. Oder doch? 7 Tore in einem Spiel, das kann man sich doch gar nicht vorstellen. Wie soll denn das gehen? Das ist doch absolut unrealistisch. Na ja. Dann. Sadio Mané macht den Anfang. 1:0 in der 27. Minute. Und da denkt man noch, klar, die Senegalesen sind endlich mal dran. Super Mannschaft, sexy Trainer, was kann da schon schiefgehen?! Denkt man da. Denkt und denkt man und noch in der 77. Minute denkt das einjeder. Und dann will man schon das Stadion verlassen. Und ist schon im Mittelgang, da wo die unfassbar zahlreichen russischen Polizisten an den Bratwurstbuden stehen, da ist man dann, als der erste spitze Schrei von draußen nach drinnen dringt. Oder von drinnen nach draußen? Jedenfalls haut da James David Rodríguez Rubio (* 12. Juli 1991 in Cúcuta), kurz James Rodríguez [ˈxames roˈðɾiɣes], oft auch nur James genannt, dem plötzlich gar nicht mehr so unterforderten Khadim N’Diaye einen hinter die Buchse, dass dem Hören und auch Sehen vergeht. Und dann geht alles ganz schnell. Radamel Falcao García Zárate, auch Radamel Falcao genannt, der oft auch nur James genannte James und Juan Quintero – mit vollem Namen Juan Fernando Quintero Paniagua machen jeweils noch 2 Tore, so dass es am Ende halt 7:1 für Kolumbien steht. Was soll ich denn machen, das Tipp-Dings sagt es doch so. Und dann ist das halt auch so. Da kannste nix machen.

ENGLAND vs. BELGIEN
Jetzt denken alle, da treffen doch die beiden Topfavoriten (neben Kroatien) aufeinander, das Spiel wird der Knaller. Aber hier, wann war das denn mal wirklich so, dass es bei so einem Spiel rappelt im Kartong? Na? 1970 im Halbfinale (Deutschland Italien) und dann aber nie mehr. So was hebt sich gegenseitig auf. Da ist am Ende Wasserdampf in der Suppenschüssel. Sowohl Gareth Southgate, der zum Glück nur Gareth Southgate heißt (das mit der umständlichen Namennennung der Spieler, das mach ich auch nicht mehr mit. Das können Sie sich ab jetzt abschminken.) und Roberto Martínez Montoliú nehmen von Anfang an nur eine Rumpfmannschaft mit nach Kaliningrad. Zwar sind alle jungen Tröpfe dieser jeweiligen Mannschaften hochmotiviert und wollen sich zeigen, aber sie sind alle auch ein bisschen aufgeregt, obwohl die Trainer doch vorher gesagt haben, dass sie die Ruhe bewahren sollen. UND ZWAR ALLE BEIDE, VERDAMMT NOCHMAL. DAS HABE ICH DOCH GESAGT!!!

1:2 wird dieses Spiel ausgehen. Sie wissen schon.

Na ja, den Trent Alexander-Arnold könnte der Southgate mal bringen. Das sage ich nur, weil ich eine alberne FC-Liverpool-Mütze habe. Manchmal habe ich das Gefühl, ich weiß gar nichts. Wie so ein Socrates. Und wahrscheinlich ist das auch so. Fußball ist doch vor allen Dingen, was drumherum passiert. Wär doch toll wenn die blöden Engländer mit ihrem Brexit endlich mal belohnt werden und Weltmeister werden. Da hat es der ewige Geheimfavorit Belgien doch auch irgendwie mal verdient. Da ist doch jetzt mal Zeit für ein bisschen Zärtlichkeit. Aber dann denke ich, das wird doch eh wieder so wie immer. Am Ende wird Brasilien Weltmeister. Das passt dann zu meiner Stimmung. Das geschieht Russland dann recht, dass sie so einen saublöden Weltmeister bekommen. Ja, und dann merke ich plötzlich, wie blöd das alles hier ist. Und dass die Zeiten rum sind und jetzt neue Zeiten anbrechen, an denen das alles von früher™ nicht mehr gilt. Man hat’s nicht mehr so in der Hand. Ich kann gut damit leben. Immer was anderes, immer flexibel sein, immer das Gute im nicht ganz so Guten sehen. Aber die Menschen da draußen können das nicht so gut. Die hätten gerne, dass „es“ alles so bleibt, wie es eigentlich aber gar nie war. Es ist immer irgendwie eine seltsame Welt gewesen. Heute ist es nicht schlimmer, als früher, das ist Unsinn. Es ist immer eine seltsame Zeit, und nur jetzt gibt es Facebook-Kommentare und man sieht die fürchterlichen Menschen, die man früher nur im Bus neben einem hat ertragen müssen oder nach der Disco am Wegesrand, wo sie in die Büsche gekotzt haben, weil sie noch nicht mal richtig einen saufen konnten. Im Gegensatz zu den Engländern und den Belgiern. Ich liebe Belgien und ich liebe immer noch England. Es ist egal, wie dieses Spiel ausgeht. Beide sind ja weiter und es ist auch egal, ob sie dann gegen Japan, Kolumbien oder Senegal spielen. Das hat dann schon alles seine Berechtigung. Wenn doch nur Mexiko gegen Brasilien im Achtelfinale mit 7:1 gewänne. Ach wenn das doch nur so wäre. Dann … äh … ja dann!!!

PANAMA vs. TUNESIEN
Ach, tut mir das doch nicht an. Ich weiß so wenig über den panamesischen Fußball. „Panamesisch“ ist bestimmt wieder nicht richtig und so haben die Nazis schon gesprochen. Es heißt bestimmt panamae…, pan…, panam…, ach, leck mich doch am Arsch.

0:1. Puh! Glück gehabt.

Da muss ich mir jetzt nur einen Torschützen aus den Fingern saugen. Dann nehmen wir doch mal Wahbi Khazri. Der kukkt bei der Hymne schon immer so angestrengt und vielsagend, dass der dann halt eben das Tor macht. Und dann jubeln die Panamaiker trotzdem wie verrückt und Kevin Kurányi erscheint wieder vor und nach dem Spiel, mit seinen herrlichen Akzenten und ist lieblich und freundlich und den Menschen zugewandt. Wie Sie und ich das auch sein sollten. Wir sollten sein wie Panama. Wie der Teilzeitpanamaer Kevin Kurányi. Immer mal fröhlich und voller Hoffnung und zum Beispiel diese komische (also dieses unkomisch komische) Partei demnächst, wenn es ja jetzt Neuwahlen gibt, wegen dem saublöden Horst Seehofer (meine Meinung) aus dem Bundestag hauen. Mit Fröhlichkeit und mit Wir-schaffen-das-schon und wir sollten alle mal Schafe scheren und Kühe melken und die Wiese runterrollen und im Wohnmobil durch Schweden und Norwegen fahren und vorher in Dänemark Stückchen kaufen und es mal drauf ankommen lassen. Wir sollten Löcher in unsere Schreibtische bohren und da die Kabel durchführen. Wir sollten immer ein Ladegerät für alles mögliche am Arbeitsplatz stehen haben. Wir sollten mal einen Luftentfeuchter installieren. Wir sollten Kiki Haas und Martin Gessner, aber auch Ringo Starr mal so richtig knuddeln.

Das sollten wir tun.

Glaube mir™!

Peace!

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