Und am – Tag 17

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Mir ist grad was eingefallen. Das fällt mir eigentlich jede Nacht ein, aber dann, am Morgen, habe ich es wieder vergessen. Wie so ein alter Hund. Oder ein altes Nilpferd. Alte Nacktmulle sind sicher auch nicht besser. Tiere sind scheiße. Darum esse ich sie ja auch nicht mehr. Die können mich schön am Arsch lecken. Klar, die stehen jetzt in ihren Käfigen und kukken blöd aus der Wäsche. Aber was haben Tiere uns gebracht? Mal von Ostereiern abgesehen und natürlich Känguruhoden im Dschungelcamp. Das war’s aber auch schon. Aber kennt man Tiere, die auf dem Gipfel der Evolution stehen, wie Speakerinnen oder Life Coaches? Fehlanzeige. Oder dass Tiere mal mitdenken. Wüsste ich jetzt auch nicht. Stattdessen schauen sie uns ruhig zu, wie wir Hitler an die Macht wählen und dann reiten die uns schön nach Stalingrad und wollen hinterher noch roh verspeist werden. Roh! Die feinen Damen und Herren Pferd. Kein Wunder, dass man sie in Vogelkäfige sperrt und Frühstücksfleisch aus ihnen macht. Ich bin stinksauer.

Aber das ist es gar nicht, was mir eingefallen ist. Mir ist nämlich eingefallen, dass wir es ja folgendermaßen machen könnten, wenn wir, die glorreiche Menschheit, das Virus erstmal zur Strecke gebracht haben. Dann könnten ja zur Abwechslung all die, die Gutes getan haben, all die Freundlichen, Hilfsbereiten, Fleißigen, die Virologen, die Supermarktregaleinräumer, Krankenhausmitarbeiter und alle die, die in der Krise was Gutes in sich entdeckt haben, die die Krise gut gemeistert haben oder die sich hinterher wieder berappelt haben, die was aus der Scheiße gemacht haben, dass alle die sich mal laut im fucking Internet und den scheiß „sozialen“ Medien breit machen und auch weiterhin und danach und für immer, oder jedenfalls für die nächsten 1.250 Jahre, den Ton angeben. Oder lauthals Ihre Meinung rausposaunen auf Twitter, statt das Schwachköpfen, die sich @realDonaldTrump oder @Arschhaarzopf nennen, zu überlassen. Ich kenn mich mit fucking Twitter ja nicht mehr aus. Ich bin ausgestiegen aus der Szene. Trotzdem find ich die Grundidee von sowas wie Twitter oder halt auch von Facebook eigentlich™ ok. Wenn man menschlich ist, wenn man bei sich bleibt. Aber das ist vor allem deswegen nicht möglich, weil das Narrativ vorgibt, wie es ist und wie man sich fühlt und nicht die Tatsächlichkeit. Wer kennt schon die Realität. Man kann es ja nur annehmen, was sich in dieser Realität zuträgt. Wahrscheinlich, und ich kann es selbst fast nicht mehr glauben, sind die meisten Menschen voll total ocheeso und wollen nur Peace und mit den anderen einen Trinken gehen. Oder Beischlaf ausüben, aber in gegenseitigem Einverständnis. Oder einfach nur unter einem Apfelbaum dösen. Oder tolle Klamotten herstellen, ohne eine Spur von Blut hinter sich herzuziehen. Oder faire, gute Werbung machen, für die man sich nicht schämen muss. Oder so. Ich denke, das, was die meisten Leute bei der Sache mit den vielen Geflüchteten 2015 gemacht haben, war richtig anständig und die Leute haben sich den Arsch aufgerissen, sind zusammengerückt und haben sich und die Situation entsprechend organisiert. Gleichwohl natürlich auch Arschlöcher über das Mittelmeer gepaddelt sind. Kann ja sein. Mein geliebter Freund Maximilian, der beruflich mit geflüchteten Jugendlichen zu tun hat, die keine Eltern mehr hatten oder denen man jedenfalls keine nachweisen konnte, der sagte immer, es seien so 5% Arschlöcher dabei und dass die allermeisten einfach nur froh waren, dass sie aus ihrer Scheiße daheim in ein Land kamen, wo in den meisten Fällen keine Granate neben einem einschlägt oder das Kinderzimmer der Geschwister verwüstet, während man selbst in den Säureminen knechten muss. Und auch jetzt sind die Leute kreativ, basteln sich ihre Mundschütze und bleiben schön daheim. Flatten die Curve, dass es nur so kracht. Wir müssen natürlich viele Dinge in den Griff kriegen und wir stehen da vor einem Berg, dessen Gipfel wir nicht sehen. Wenn wir Dinosaurier wären, würden wir jetzt einfach aussterben. Oder wir würden einen auf gefährdete Tierart machen und uns in den Zoo sperren lassen. Machen wir aber nicht, wir sind fucking Menschen und wir können es schaffen. Ja, gut, eventuell nur noch ca. 100 Jahre, aber bis dahin will ich, dass Sie Bäume ausreißen. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Die Bäume bleiben stehen! Wir werden tröten und verkünden und laut schreien, dass wir Gutes getan haben und dass wir uns von diesen Schwachköpfen nicht dauernd die Deutungshoheitsbutter vom Brotnarrativ dieses Gegenwartfrühstücks nehmen lassen, an dessen Tafel wir hier sitzen. Es ist genug für alle da.

Aber das müssen Sie halt auch erstmal lesen, damit Sie dann danach darüber nachdenken, was ich wohl gemeint habe und dann nehmen Sie Ihre Stimme und gehen zu ihrem Nachbarn und fragen ihn, ob er was braucht. Oder wie’s ihm geht und sagen Sie ihm, wer Sie sind, und dass Sie die frühen Sachen von John Coltrane und Thelonius Monk mögen und ob er den Verkauf von Blue Note Records an EMI auch nicht so knorke fand. So kommen Sie ins Gespräch. Jazz mag ja schließlich jeder. Jeder liebt zum Bleistift die „Bitches Brew“ von Miles Dsvis. Alle Nachbarn feiern Sie dafür, wenn Sie die mal so richtig laut machen und die Lautsprecher zum Beispiel ans Fenster stellen. Und am Ende der Corona-Situation werden Sie mit Ihren Nachbarn im Hof, auf der Straße oder im Garten sitzen, die Nachmittagssonne güldet vor sich hin und Sie hören die „Ascenseur pour l’échafaud“ rauf und runter. Dazu gibts kalten, grünen Tee oder Sie rauchen einen Joint oder trinken ein Bier von den Typen von um die Ecke, die in der Corona-Situation von Druckerei auf Brauerei umgestiegen sind. Die Hallen waren ja da und der Lieferwagen steht vor der Tür und gesoffen wird immer. Ich sag’s wie’s ist. Auch wenn Sie das jetzt noch nicht sehen, es gibt Chancen und Möglichkeiten und Wege. Immer und immer wieder. Ja, Manno. Das klingt bisweilen wie ein Hohn, aber was willste denn machen? Es ist immer schwierig und schön zu gleichen Teilen, das Leben.

Gehen Sie nun raus und überprüfen Sie den Luftdruck von Ihrem Lowrider Bike und fahren mal durch die Hood. Alleine, mit 2 Meter Abstand zu den Nächsten und dann legen Sie sich ins Bett und morgen ist irgendwie auch wieder so ein verrückter Tag in dieser bizarren Welt und dann denken Sie sich, immerhin leben Sie nicht in Nord-Kivu oder in Nord-Korea oder in Ischgl. Schauen Sie nur, es läuft trinkbares Wasser aus Ihren Wasserhühnern. Wahrlich, ich sage Ihnen, die da oben haben mir im Laufe meines Lebens schon so gut wie alles abgestellt, aber Trinkwasser gab es immer.

Halleluja!

02.04.20 / 22:37 Uhr

2 Kommentare

  1. Manfred Lindemann sagt

    Deine Gedanken zwingen mich zum nachdenken. Muss das geschriebene nur mehrmals oder immer wieder lesen und mich zur vollen Konzentration zwingen.

  2. Huck sagt

    Lieber Manfred, an Dich und die Firma denke ich in diesen Tagen oft. Hier, ich würde sogar anfangen Bier zu trinken. Und da muss ich an dieser Stelle, die von mir zwar nicht gewählte, aber doch ganz putzig gefundene Kanzlerin zitieren mit: „Wir schaffen das!“. Ich weiß nur noch nicht wie. Ich bin aber dran…

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